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Das süße Gift der sinkenden Inzidenz

Die Corona-Neuinfektionen im Kreis Görlitz gehen zurück. Und dennoch werden die Auflagen verschärft. Wie geht das zusammen? Ein Kommentar.

Symbolbild
Symbolbild © Europa Press

Es sind gute Nachrichten, die das Kreis-Gesundheitsamt seit zwei Wochen von der Corona-Pandemie berichten kann: Die Inzidenz liegt unter 200, so tief wie seit 31. Oktober nicht mehr, sie hat sich in den vergangenen zwei Wochen mehr als halbiert. Die Zahl der Infizierten liegt auf dem tiefsten Stand seit Ende Oktober, das Gesundheitsamt kann jetzt sogar wieder verstärkt Personen in Quarantäne anrufen und begleiten. Selbst die Zahl der Patienten, die eine intensivmedizinische Pflege benötigen, geht langsam zurück. Zuletzt waren es Anfang Dezember so wenige auf den Stationen der Krankenhäuser.

Noch Weihnachten war eine solche Entwicklung nicht abzusehen. Am 16. Dezember wurde die 7-Tage-Inzidenz mit dem Spitzenwert von 701 im Kreis Görlitz berechnet. Es ist durchaus erlaubt, sich über diese Verbesserungen einen Moment mal zu freuen und allen zu danken, die sich an die Auflagen gehalten haben, ihren Jobs in der Pflege, in den Einkaufsmärkten, Drogerien und Apotheken sowie bei den Lieferdiensten und Postfirmen nachgegangen sind, aber auch denen, die sich in den Behörden – vorneweg dem Gesundheitsamt – nach bestem Wissen darum gekümmert haben, die Pandemie einzuhegen.

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Jetzt an den Sommer denken: Mit der richtigen Dämmung bleibt es auch bei hohen Temperaturen unter dem Dach angenehm.

Ein solcher Moment des Dankes entlastet auch ungemein von dem Stress der Pandemie. Auch wenn es nur eine Momentaufnahme ist, von der wir zwar hoffen, dass sie sich verstetigt, doch eben nicht sicher sein können. Das liegt nicht nur am Verhalten der Menschen, sondern eben auch an Mutationen des Virus, an Impfproduktion und -verteilung, am Schicksal schlechthin. Diese Pandemie macht deutlich, dass Menschen bei allem Fortschritt noch immer nicht der Weisheit letzten Schluss gefunden haben.

Die besseren Zahlen sind aber auch ein allzu süßes Gift, das wir gern empfangen und die Erwartung schier übermächtig werden lässt, dass wir doch nun auch eine Belohnung in Form von Erleichterungen der Corona-Auflagen verdient hätten: Erste geöffnete Geschäfte, Friseure, bald auch wieder Cafés. Es ist eine trügerische Hoffnung, die dieses Gift erzeugt. Denn bei allen Verbesserungen: Die Inzidenz muss weiter sinken, die Zahl der Neuinfektionen ist noch zu hoch, genauso die Zahl der Patienten in den Kliniken, und die der Todesopfer sowieso. Und zu wenige Menschen sind geimpft.

So treten jetzt nochmals leicht verschärfte Maßnahmen in Sachsen und im Kreis in Kraft. Das scheint paradox. Und ist doch nur die Konsequenz aus der aktuellen Lage. Die Zahlen der vergangenen Tage zeigen ja, dass die Auflagen wirken. Aber eben langsamer als gedacht. Deswegen wird von allen Bürgern jetzt noch mehr verlangt als bislang: Obwohl die Zahlen sinken, müssen sie sich auch weiter an die Einschränkungen halten und Geduld üben. Und das nicht, weil Politiker es so wollen. Sondern im eigenen Interesse. Nur wenn diese Corona-Welle nicht in die nächste mündet, wird die Normalität bis zum Sommer schrittweise Wirklichkeit. Die Sehnsucht danach ist schon jetzt enorm.

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