merken
Deutschland & Welt

Kann man sich den Impfstoff aussuchen?

Wer sich gegen Corona impfen lassen will, hätte theoretisch die Wahl zwischen dem Impfstoff von Moderna oder dem von Biontech. Doch so weit ist es noch nicht.

Fläschchen mit dem Corona-Impfstoff von Moderna sowie von Biontech/Pfizer.
Fläschchen mit dem Corona-Impfstoff von Moderna sowie von Biontech/Pfizer. © dpa

Berlin. Wer vom Staat eine Impfung gegen Covid-19 angeboten bekommt, wird sich den verabreichten Impfstoff vorerst nicht aussuchen können. Eine solche Auswahl zu treffen, sei aufgrund der derzeit noch herrschenden Knappheit "im Moment und auch absehbar" nicht möglich, betonte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Samstag in einer Online-Diskussionsrunde.

Zu Berichten über überschüssigen, bereits aus der Kühlung genommenen Impfstoff an einzelnen Standorten sagte der Minister, an der festgelegten Priorisierung bestimmter Gruppen müsse unbedingt festgehalten werden. Dennoch müsse im konkreten Fall auch pragmatisch entschieden werden - beispielsweise könnten dann Mitglieder des Impfteams das Vakzin erhalten. "Im Zweifel ist alles besser als etwas wegwerfen", sagte Spahn.

Anzeige
Frühlingsgefühle im Haus Rosengarten
Frühlingsgefühle im Haus Rosengarten

Die Diakonie Liberia sucht ab März neue Mitarbeiter (m/w/d) in den Bereichen Tagespflege und ambulanter Pflegedienst.

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, sagte, die beiden bislang in Europa zugelassenen Impfstoffe der Firmen Biontech und Moderna seien "äquivalent in Wirksamkeit und Sicherheit". Es sei jetzt noch zu früh, um entsprechende Aussagen für weitere Impfstoffe zu treffen, bei denen das Zulassungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei.

Impfen macht den Lockdown nicht unnötig

Um einen ausreichenden Schutz vor Covid-19 zu gewährleisten, muss der Impfstoff nach Angaben der Experten zweimal verabreicht werden - mit einem Abstand von mindestens drei (bei Biontech) bis vier (Moderna) Wochen. Andernfalls droht laut Mertens nicht nur ein zu schwacher Schutz für den Betroffenen. Es bestehe auch die Sorge, dass dadurch die Entstehung von Mutationen des Virus, die gegen den Impfstoff immun seien, begünstigt werden könnten.

Auf die Frage, ob es möglich wäre, einer Person Impfstoffe verschiedener Hersteller zu verabreichen, sagte Mertens, dies sei auch bei Impfstoffen, die auf einem gleichen Wirkprinzip basierten, "auf keinen Fall" möglich. Denn dazu gebe es bislang "Null Daten".

Laut Spahn wurden seit dem Impfstart in Deutschland Ende Dezember über eine halbe Million Menschen ein erstes Mal gegen Covid-19 geimpft. Kritikern, die über den schleppenden Start der Impfkampagne klagen und dies mit den aktuell geltenden Kontaktbeschränkungen verknüpfen, hielt er entgegen: "Das Impfen jetzt würde nicht den Lockdown jetzt unnötig gemacht haben." Das zeige die Lage in Israel und Großbritannien, wo jeweils bereits ein größerer Anteil der Bevölkerung geimpft wurde.

Falschmeldungen kursieren

Masken, Abstand und andere Schutzmaßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus müssen nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) trotz des Impfstarts unbedingt weiter beachtet werden. Das zeige ein Blick auf die Zahl der mit dem Virus infizierten Menschen, die täglich sterben, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. Deutschland sei immer noch in einer "schwierigen Situation".

Angesichts der bislang eher niedrigen Bereitschaft des medizinischen Personals, sich impfen zu lassen, rief Wieler dringend dazu auf, alle Informationsangebote der staatlichen Gesundheitsbehörden zu nutzen und im Zweifel dort auch nachzufragen. "Ich höre immer wieder, dass manche Pflegekräfte befürchten, dass sie unfruchtbar werden von Impfungen. Das ist einfach eine Falschmeldung."

Weiterführende Artikel

Leipziger Impfforscher: "Ängste sind unbegründet"

Leipziger Impfforscher: "Ängste sind unbegründet"

Dr. Torben Schiffner spricht im Interview über die aktuelle Corona-Lage, Impfstoffe und sein Rezept gegen die Gefahr einer neuen Pandemie.

So viele Dresdner haben sich bereits impfen lassen

So viele Dresdner haben sich bereits impfen lassen

Am Montag öffnet das Impfzentrum in der Messe. Wer nun an der Reihe ist, wie man an einen Termin kommt und wie hoch die Impfbereitschaft schon ist - der Überblick.

Warum geht es beim Impfen in Sachsen so langsam voran?

Warum geht es beim Impfen in Sachsen so langsam voran?

Wann komme ich dran? Und was muss ich tun? 17 Fragen & Antworten. Der Impf-Report Sachsen.

Corona: So lief der Impfstart in Sachsen

Corona: So lief der Impfstart in Sachsen

In zwei Pflegeheimen und in einer Klinik wurden am Sonntag die ersten Sachsen gegen Corona geimpft. Bald sollen auch die regionalen Impfzentren öffnen.

Aktuell werden vor allem Hochbetagte sowie Bewohner und Mitarbeiter von Alten- und Pflegeheimen sowie medizinisches Personal mit besonders hohem Risiko geimpft. In der zweiten Gruppe kommen unter anderem Menschen im Alter zwischen 75 und 79 Jahren an die Reihe. Wer etwa in einer Gemeinschaftsunterkunft wohnt oder engen Kontakt mit einer Schwangeren hat, zählt zu Gruppe Drei. Laut der am Freitag aktualisierten Empfehlung der Impfkommission gehören Lehrkräfte und Erzieherinnen zur Gruppe mit Priorität Vier, Beschäftigte im Einzelhandel und Menschen im Alter zwischen 60 und 64 Jahren zählen zu Gruppe Fünf. (dpa)

Mehr zum Thema Deutschland & Welt