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Corona: Wer jetzt mehr Freiheiten bekommt

Wer zählt als geimpft? Wann ist man genesen? Für wen gilt welche Corona-Regel? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Fast 30 Prozent der Bürgerinnen und Bürger sind gegen Corona erstgeimpft. Den vollen Impfschutz erhielten bislang 8,3 Prozent der Bevölkerung.
Fast 30 Prozent der Bürgerinnen und Bürger sind gegen Corona erstgeimpft. Den vollen Impfschutz erhielten bislang 8,3 Prozent der Bevölkerung. © Archiv/Patrick Pleul/dpa-Zentralbild

Für vollständig Geimpfte und von Corona Genesene werden die Corona-Regeln gelockert. Nach dem Bundestag passierte die entsprechende Verordnung am Freitag auch den Bundesrat.

Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) sprach von einem wichtigen Schritt und einem rechtsstaatlichen Gebot. Da nach wissenschaftlicher Expertise des Robert Koch-Instituts (RKI) Geimpfte und Genesene andere Menschen zumindest in deutlich geringerem Maße infizieren könnten, falle der Grund für Grundrechtseinschränkungen weg.

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Die Mehrheit der Bevölkerung ist zwar noch nicht geimpft, aber die Bundesregierung weiß, wie hoch die rechtlichen Hürden für Ausgangsbeschränkungen und andere aktuell geltende Einschränkungen der Grundrechte sind. Mit einer Regelung, die Ausnahmen für Geimpfte und Genesene vorsieht, könnte die Regierung leichter erklären, weshalb die strengen Maßnahmen aus ihrer Sicht erforderlich und angemessen sind.

Doch wer zählt als geimpft? Wann ist man genesen? Für wen gilt was?

Was bedeutet genesen?

Als genesen gilt jemand, der an Covid-19 erkrankt war, sich von der Infektion erholt und keine Symptome mehr hat. Die Erkrankung muss mindestens 28 Tage her sein. Das Immunsystem bildet dann entsprechende Antikörper. Allerdings verschwinden diese nach einer gewissen Zeit wieder. Das Robert Koch-Institut geht davon aus, dass Genesene etwa sechs Monate lang geschützt sind. Danach empfiehlt die Impfkommission zum Verstärken der Immunantwort eine einmalige Impfung.

Wie weist man das nach?

Der Nachweis der Genesung erfolgt durch einen positiven PCR-Labortest, der mindestens 28 Tage und höchstens sechs Monate zurückliegt. Ergebnisse der PCR-Tests aus dem Labor gelten als sicherste Nachweise, ob eine Infektion vorliegt oder nicht. Wichtig ist das Datum, also wann man erkrankt war. Nach der sächsischen Corona-Verordnung ist auch eine ärztliche Bescheinigung der Infektion möglich. Antikörpertests sind nicht ausreichend. Der Antikörperspiegel ist nach Angaben der sächsischen Landesärztekammer nicht wirklich aussagekräftig.

Was heißt geimpft?

Die Impfkommission nimmt an, dass Geimpfte den Erreger nur eingeschränkt weitergeben können, und dass sie wegen der stark reduzierten Virusausscheidung eine geringe Rolle für das Infektionsgeschehen spielen. Als geimpft gelten Menschen, die einen vollständigen Impfschutz gegen das Coronavirus haben. Das bedeutet, dass meist zwei Impfungen nötig sind. Nach der Erstimpfung gilt man noch nicht als "geimpft". Nur beim Präparat von Johnson & Johnson reicht eine Spritze aus. Den vollen Impfschutz erhielten bislang 8,3 Prozent der Bevölkerung.

Wie lange muss man warten, um immun zu sein?

Es müssen „seit der letzten erforderlichen Einzelimpfung mindestens 14 Tage vergangen“ sein, heißt es in der Verordnung des Bundes. Der Impfschutz besteht nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts bei Biontech/Pfizer ab Tag 7, bei Moderna ab Tag 14 und bei Astrazeneca ab Tag 15 nach der zweiten Impfung, nach der Einzeldosis von Johnson & Johnson ab Tag 28.

Ist es egal, welcher Impfstoff genutzt wurde?

Nein. Als geimpft zählt in Deutschland nur, wer einen von der Europäischen Union zugelassenen und beim Paul-Ehrlich-Institut aufgeführten Impfstoff bekommen hat. Das sind derzeit vier Vakzine: von Biontech, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson.

Der russische Impfstoff Sputnik V und der des chinesischen Herstellers Sinopharm sind von der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) noch nicht zugelassen. Für den Impfstoff des chinesischen Herstellers Sinovac hat die EMA am Dienstag das Prüfverfahren gestartet.

Warum gibt es keinen digitalen Impfnachweis?

Nach den Plänen der Bundesregierung soll es in Deutschland noch vor den Sommerferien möglich sein, einen vollständigen Coronaschutz mit einer Smartphone-App nachzuweisen. Thüringen und Brandenburg wollen bereits kommende Woche ein Pilotprojekt für einen elektronischen Impfnachweis starten. In künftigen Versionen der Corona-Warn-App des Bundes soll auch ein digitales Impfzertifikat angezeigt werden können.

Der deutsche Impfpass soll kompatibel sein mit dem „digitalen grüne Covid-Zertifikat“, an dem im Moment auf EU-Ebene gearbeitet wird. Vorerst reicht der Nachweis im analogen Impfpass aus, das Dokument muss aber im Original vorgelegt werden.

Was ist, wenn man trotz Impfung an Covid-19 erkrankt?

Die Ausnahmen gelten ausdrücklich nicht für Menschen, die typische Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus haben. Erkrankt man erneut oder trotz Impfung an Covid-19, gelten wieder die Einschränkungen – inklusive Quarantäne. Erst 28 Tage nach dem positiven PCR-Test gilt man wieder als genesen.

Wenn man nach der Erstimpfung an Covid-19 erkrankt, empfiehlt die sächsische Impfkommission, die Grundimmunisierung trotzdem fortzusetzen. Die zweite Impfung sollte aber frühestens drei Monate nach dem Abklingen der Symptome oder dem ersten negativen PCR-Test erfolgen.

Was soll für Geimpfte und Genesene gelten?

Die Bundesregierung hat am Dienstag eine Verordnung über Ausnahmen von Geimpften und Genesenen von den Corona-Regeln beschlossen. Wenn Bundestag und Bundesrat wie geplant am Donnerstag und Freitag zustimmen, könnten die Lockerungen schon ab Sonnabend gelten. Vorgesehen sind Ausnahmen bei Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen, Sport oder Quarantäne. Geimpfte und Genesene könnten sich dann etwa mit weiteren Geimpften treffen und würden bei Treffen mit Ungeimpften im Familien- oder Freundeskreis nicht mitgezählt. Die Pflicht zum Tragen einer Maske an bestimmten Orten sowie das Abstandsgebot im öffentlichen Raum sollen allerdings weiter gelten.

Müssen sich Geimpfte und Genesene testen lassen?

Nicht mehr überall. Sowohl der Bund sieht eine Gleichstellung mit negativ Getesteten vor, Sachsen hat das in seiner neuen Corona-Verordnung schon beschlossen. Geimpfte und Genesene werden damit so behandelt, als würden sie einen tagesaktuellen negativen Test vorlegen. Für einen Friseur- oder Zoobesuch und den Zugang zu Geschäften oder Kultureinrichtungen brauchen sie keinen Corona-Test mehr. Auch Lehrkräfte und Erzieher müssten sich dann nicht mehr testen lassen. Sachsen hat eine Ausnahme formuliert: In Pflegeheimen und Krankenhäusern werden auch in Zukunft von allen negative Coronatests nötig sein.

Haben Geimpfte und Genesene Freiheiten beim Reisen?

Ja. Nach Reisen müssten sie nicht in Quarantäne – außer sie reisen aus einem Virusvariantengebiet ein. Außerdem wollen einige Bundesländer ihre Tourismusangebote für Geimpfte und Genesene öffnen. Mecklenburg-Vorpommern erlaubt etwa vollständig geimpften Tagesausflüglern und Zweitwohnungsbesitzern aus anderen Bundesländern wieder die Einreise.

Allerdings könnte es Probleme geben, wenn die ganze Familie in die eigene Ferienwohnung an der Ostsee oder der Seenplatte fahren will und zum Beispiel nur die Mutter bereits vollständig geimpft ist. Dann dürfte nur sie anreisen, stellte Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) klar. Für Kinder ist noch keine Impfung möglich, Kinder unter sechs Jahren werden auch nicht getestet.

Mehrere andere Bundesländer kündigten eine vorsichtige Öffnung auch für ungeimpfte Touristen an.

Werden nun extra Schwimmbäder und Restaurants öffnen?

Noch ist nicht vorgesehen, Freizeiteinrichtungen nur für Geimpfte und Genesene zu öffnen. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass das eines Tages kommt – und zwar, bevor die Pandemie ganz überstanden ist. Denkbar wäre, dass dann etwa von Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen oder können, weiterhin ein Negativ-Test verlangt wird.

Wird die Impf-Priorisierung bald aufgehoben?

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Die Reihenfolge war festgelegt worden, um die Menschen mit dem größten Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, zuerst zu schützen und weil Impfstoff zu Beginn sehr knapp war. Jetzt sind die meisten impfwilligen Hochbetagten versorgt und es gibt mehr Impfstoff. Allerdings immer noch nicht genug, um jedem, der will, sofort ein Vakzin zu verabreichen. Nach den Plänen des Bundes soll die Priorisierung spätestens im Juni aufgehoben werden – dann könnten sich alle um einen Termin bemühen. (mit dpa)

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