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Ohne Astrazeneca und ohne Plan

Wer nach dem Fiasko um den Impfstoff Astrazeneca jetzt nicht sofort mit einem neuen Plan kommt, sollte dann am besten sofort abdanken. Ein Kommentar.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn steht in der Corona-Pandemie erneut in der Kritik.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn steht in der Corona-Pandemie erneut in der Kritik. © Kay Nietfeld/dpa

Von Stephan-Andreas Casdorff

Das sind Nachrichten, die keiner hören will, überhaupt: die keiner will. Die keiner brauchen kann. Nicht in dieser Lage in der Corona-Pandemie, schon gar nicht in Deutschland: Thrombosen in Hirnvenen, die in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung mit Astrazeneca aufgetreten sind – und die Impfungen werden ausgesetzt.

Da hilft es wenig, dass Gesundheitsminister Jens Spahn von einer „reinen Vorsichtsmaßnahme“ spricht. Das Vertrauen ist längst angekränkelt, in den Impfstoff wie in den Minister. Dazu ist die Hoffnung doch recht mau, dass die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) noch diese Woche entscheidet. Wer kann das wissen?

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Dass Großbritannien, der Impfeuropameister, und Kanada zu anderen Ergebnissen kommen und den Impfstoff nach ihren Prüfungen und Erkenntnissen für sicher erklären; dass sie ganz entschieden an den Impfungen festhalten; und dass SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach das Vorgehen auf Twitter kritisiert – „auf der Grundlage der vorliegenden Daten halte ich das für einen Fehler“ –, alles das ändert nichts.

Das alles ändert nichts daran, dass Astrazeneca ausfällt. Wer weiß, wie lange. Dabei ist es ja nicht so, als hätte die Bundesrepublik genug an Impfstoff. Nein, das war‘s dann.

Ist diese Regierung kräftemäßig am Ende?

Jetzt bricht Schwarz-Rot, der noch amtierenden, aber zunehmend ausgezehrten Koalition, alles zusammen: Impfstoffbeschaffung gescheitert, Impfstrategie gescheitert, Millionen Dosen liegen herum und kommen erstmal nicht mehr zum Einsatz.

Der Plan, bis Herbstbeginn die Bevölkerung durchzuimpfen, ist ernsthaft gefährdet, wenn nicht schon dahin. Derweil deutet sich allerdings die dritte Welle nicht nur an, sie rollt schon an. Und es gibt trotz des Vorlaufs, trotz der absehbaren Entwicklung, gewissermaßen einer mit Ansage, immer noch keine Idee, wie mit dem Virus zu leben sei. Über den Sommer hinaus, den Herbst, im nächsten Jahr.

Ohne Impfungen wird das auch nichts. Reflexartig kommt das Wort vom „Schließen“. Die Intensivärzte fordern eine sofortige Rückkehr in den Lockdown. Sie fordern also den Lockdown, den wir sowieso schon haben, wieder zu verschärfen.

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Und was entgegnet die Regierung? Besser: Was macht die Regierung? Man kann auf die Idee kommen, dass diese Regierung kräftemäßig am Ende ist. Dass die Handelnden sich in der Verantwortung verbraucht haben. Niemand will ihnen mehr zuhören. Der Glaube an ihre Lösungskraft verfliegt, ist größtenteils sogar schon verflogen. Darum: Wer nicht jetzt sofort mit einem neuen Plan kommt, sollte dann am besten sofort abdanken. Fürs bloße Einschließen braucht es diese Regierung nicht.

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