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Sonderrechte für Geimpfte? Thema verfehlt!

Während erst wenige gegen Corona geimpft sind, wird in der Politik schon darüber gestritten, ob Geimpfte wieder in Restaurants gehen dürfen. Ein Kommentar.

© dpa

Erst wenige Menschen haben in Deutschland eine Corona-Schutzimpfung erhalten. Etwas mehr als ein Prozent der Gesamtbevölkerung sind dadurch geschützt. Eine erschreckend niedrige Zahl. Es ist paradox: Während sich viele Senioren und deren Angehörige zu Recht über das komplizierte und nervenaufreibende Anmeldesystem für Impftermine aufregen, wird in der Politik schon darüber gestritten, ob Geimpfte wieder in Restaurants und Kinos gehen dürfen.

Die Debatte über eine Lockerung der Freiheitseinschränkungen für Geimpfte geht an den vorherrschenden Sorgen der meisten Menschen vorbei. Impfstoffe sind nach wie vor Mangelware. Zur Prioritätengruppe 1 gehören Mitarbeiter des Gesundheitswesens und der Altenpflege sowie Heimbewohner und über 80-Jährige. In Sachsen sind dies insgesamt 457.000 Menschen. Es wird noch Monate dauern, diese große Gruppe mit Impfstoff zu versorgen. Die meisten der Hochbetagten werden, wenn sie denn endlich geimpft sind, sicher nicht als erstes in die Restaurants stürmen. Ein Gang an die frische Luft oder ein Familientreffen liegt ihnen vermutlich sehr viel mehr am Herzen. Daran dürfte kaum jemand etwas auszusetzen haben.

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Bis die gesamte Bevölkerung ein Impfangebot erhält, werden noch Monate vergehen. Bundesgesundheitsminister Spahn spricht schon nicht mehr vom 2. Quartal des Jahres, sondern von September. Ob es dann überhaupt noch viele Kneipen, Gaststätten und Kultureinrichtungen gibt, darf, wenn der Lockdown noch lange aufrechterhalten wird, bezweifelt werden.

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Es liegt auf der Hand, dass Geimpfte, soweit von ihnen keine Ansteckungsgefahr ausgeht, nicht eingeschränkt werden dürfen. Sie nehmen deshalb keine „Sonderrechte“ in Anspruch. Private Dienstleister wie Fluggesellschaften werden aus guten Gründen überlegen, ob sie nur Passagiere befördern, die andere nicht anstecken können. Aber noch geht es um etwas anderes: Wie kann das Impfen beschleunigt werden und wer kann für mehr Tempo sorgen? Das Thema muss, wenn an diesem Dienstag Ministerpräsidenten und Kanzlerin beraten, ganz nach oben auf die Tagesordnung.

E-Mail an Karin Schlottmann

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