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Corona: Die Angst vor der Klinik

Krebspatienten trauen sich wegen der Pandemie oft nicht ins Krankenhaus. Das Pirnaer Klinikum warnt vor fatalen Folgen - und ermutigt Betroffene.

Der Pirnaer Oberarzt Marcus Klabes: Je eher eine Leukämie erkannt wird, desto besser sind die Überlebenschancen.
Der Pirnaer Oberarzt Marcus Klabes: Je eher eine Leukämie erkannt wird, desto besser sind die Überlebenschancen. © Helios Klinikum Pirna

Die Corona-Pandemie hat eine sehr negative Begleiterscheinung: Viele Patienten mit anderen Beschwerden, auch jene mit Krebs-Symptomen, trauen sich aus Angst vor einer Corona-Infektion nicht mehr ins Krankenhaus, um die Symptome diagnostizieren oder Krebsleiden therapieren zu lassen.

Dies belegt auch eine Studie des Krankenhaus-Konzerns Helios. Dabei verglich ein Ärzteteam die stationären Aufnahmen für alle Tumordiagnosen und -behandlungen in den Helios-Kliniken während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 mit denen des Vorjahres. Dabei zeigte sich ein Rückgang der Behandlungen um zehn bis 20 Prozent.

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"Das bereitet uns große Sorgen, denn die Konsequenzen von ausgebliebenen oder erst verspätet begonnenen Therapien lassen sich noch nicht vollumfänglich absehen. Wir können nur an alle Patienten appellieren, Untersuchungstermine und Behandlungen wahrzunehmen“, sagt Marcus Klabes, Oberarzt der Fachbereiche Hämatologie und Onkologie am Pirnaer Klinikum auf dem Sonnenstein.

Man habe sich, so Klabes, frühzeitig auf die Corona-Situation eingestellt, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Die Gefahr, die durch eine zu spät diagnostizierte Krebserkrankung bestehe, sei weitaus größer.

Blutkrebs beginnt eher unspezifisch

Daher laufen am Pirnaer Klinikum auch während der Pandemie die Krebstherapien weiterhin sicher und ohne Verzug weiter, so auch im Fachbereich Hämatologie und Onkologie bei Erkrankungen des Blutsystems und Tumoren der inneren Organe.

Denn die lebensnotwendige und unmittelbare Behandlung einer Krebserkrankung dürfe laut der Klinik durch die Angst vor einer möglichen Corona-Infektion nicht verzögert werden.

Denn für Patienten erweist sich vor allem die Leukämie - der sogenannte Blutkrebs - als besonders tückisch. Die Beschwerden, mit denen Betroffene zu Beginn einer Leukämie-Erkrankung in Arztpraxen kommen, sind laut der Klinik zumeist sehr unspezifisch. Sie leiden etwa unter Müdigkeit, Nasen- oder Zahnfleischbluten, geschwollenen Lymphknoten, Schwindelanfällen oder anderen nicht eindeutigen Symptomen. Die Krankheit verläuft fast immer schleichend und beeinträchtig anfangs nur wenig den Alltag der Betroffenen.

"Die Diagnose Leukämie wird zumeist bei Blutuntersuchungen festgestellt, mit denen die unspezifischen Beschwerden abgeklärt werden“, sagt Klabes. Der Oberarzt empfiehlt deshalb: Es sei wichtig, bestimmte Symptome ernst zunehmen und frühzeitig beim Arzt abklären zu lassen. Denn je früher eine Leukämie erkannt werde, desto besser seien die Überlebenschancen.

Leukämie-Risiko steigt im Alter

Jedes Jahr erkranken laut des Robert Koch-Instituts Berlin in Deutschland etwa 13.700 Menschen neu an Leukämie. Es handelt sich dabei zum größten Teil um Erwachsene, das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 71, für Frauen bei 73 Jahren. Die Leukämie wird auch „Blutkrebs“ genannt.

Im Knochenmark bilden sich ständig neue Blutzellen. Ist jedoch der Mechanismus gestört, der dafür sorgt, dass nur so viele Blutzellen gebildet werden, wie der Mensch benötigt, teilen sich die Blutzellen ungehemmt. Sie reifen nicht mehr aus und eine Leukämie entsteht.

Oberarzt Marcus Klabes und sein Team behandelten im Jahr 2020 knapp 300 Patienten im Fachbereich Hämatologie und Onkologie, davon 53 mit der Diagnose Leukämie. „Wir verfügen über hochspezialisierte diagnostischen Verfahren, mit denen wir sehr präzise Diagnosen bei Blutkrebs, bösartige Erkrankungen des Knochenmarks und Störungen der Blutbildung stellen können", sagt der Mediziner. Mithilfe der Biopsie könne man etwa Knochenmark gewinnen, um das blutbildende System in einem Speziallabor untersuchen zu lassen.

Therapien laufen trotz Pandemie weiter

Der Patient mit seiner Krebserkrankung stehe dann bei der anschließenden Behandlung im Mittelpunkt. Es folgen ausführliche Gespräche und Informationen zu notwendigen therapeutischen Maßnahmen. „Es ist dabei selbstverständlich, dass der Patient in die medizinischen Entscheidungen mit einbezogen wird“, sagt Klabes. Man wolle den Patienten die bestmögliche Behandlung anbieten.

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In einer Tumorkonferenz entwickelt der Onkologe deshalb gemeinsam mit Ärzten anderer Fachbereiche für jeden einzelnen Patienten eine optimale Therapie. Das kann je nach Krankheitsbild eine Operation, Chemotherapie, Immuntherapie mit Antikörpern, eine Hormontherapie oder eine Bluttransfusion sein, die am Klinikum Pirna auch während der Pandemie weiterhin durchführt werden.

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