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Was Dresdens neue Corona-Stufe bedeutet

Am Freitag könnte die Corona-Ampel auf Rot springen. Doch bereits jetzt gelten Besuchsverbote und Sperrstunden. Das müssen Sie zur Lage in Dresden wissen.

Die Corona-Ampel steht in Dresden nun kurz vor Rot.
Die Corona-Ampel steht in Dresden nun kurz vor Rot. © Symbolbild: dpa/Arne Dedert

Dresden. Das Dresdner Gesundheitsamt hat am Donnerstag 99 weitere Corona-Fälle für Dresden gemeldet, darunter fünf neue und 94 für die vorangegangenen Tage. Allein für den Mittwoch sind 43 Fälle nachgemeldet worden. Die Corona-Ampel steht nun kurz vor Rot. Sollte diese Schwelle, die 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen markiert, überschritten werden, müssten die Corona-Regeln in Dresden abermals verschärft werden.  

Neue Corona-Fälle in Kitas und Quarantäne an Schule

Die Stadtverwaltung hat am Donnerstag neue Corona-Infektionen in zwei Dresdner Kitas bekanntgegeben. Darüber hinaus sind an einer Grundschule weitere Quarantäne-Anordnungen erlassen worden. Betroffen sind die beiden nebeneinanderliegenden Kitas "Spielkiste" in Seidnitz. Das Gesundheitsamt ordnete Quarantäne für insgesamt 42 Personen an. Sie müssen bis zum 30. Oktober zu Hause bleiben.

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Außerdem ist die Quarantäne an der 41. Grundschule "Elbtalkinder" in Mickten ausgeweitet worden. Dort war am Mittwoch ein Fall gemeldet und zunächst eine Person isoliert worden. Nun müssen insgesamt 48 Menschen zu Hause bleiben. Auch hier teilte die Stadt nicht mit, um wie viele Infektionen es sich handelt und ob Schüler und Lehrer betroffen sind. 

Besuchsverbot mit Ausnahmen in den Kliniken

Ab sofort gilt am städtischen Klinikum sowie am Universitätsklinikum ein generelles Besuchsverbot. Ausnahmen von dieser Regelung sind in begründeten Fällen möglich: Diese sind von Seiten der Patienten oder Besucher aktiv mit der jeweiligen Station abzusprechen. Für alle Ausnahmesituationen gilt: Besucher werden mit ihren Kontaktdaten erfasst, um Infektionsketten zu verfolgen. 

In allen Gebäuden müssen Besucher außerdem einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Sie sollen ausreichend Abstand, mindestens 1,5 Meter, zu Patienten, Pflegepersonal und anderen Personen im Gebäude sowie auf dem Campus des Klinikums einhalten. 

Ambulanztermine am Uniklinikum finden wie gewohnt statt. Wenn möglich sollen ambulante Patienten allein kommen, eine Begleitperson könne beispielsweise außerhalb des Klinikgebäudes warten. Für Kinder gilt, dass sie mit Erziehungsberechtigten kommen dürfen. Alle Personen müssen sich beim Betreten der Gebäude des Uniklinikums ihre Hände desinfizieren.

Bedingungen für Besuche im Pflegeheim

Jede der drei Einrichtungen der Pflegeheime der AWO in Dresden arbeitet mit einem auf die Bedingungen des Hauses abgestimmten Hygienekonzept. Am Beispiel des Senioren- und Pflegeheimes "Albert Schweitzer" in Prohlis heißt das für Besuche: Ein Bewohner kann täglich einen Besucher empfangen, so Sprecher Andreas Szabo. 

Diese müssen frei von Fieber und Erkältungssymptomen sein. Besuche sind vorher anzumelden, als Zeiten gelten täglich 9 bis 12 Uhr und 14 bis 19 Uhr. Pro Besuch, der bis zu 90 Minuten dauern darf, sind das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen, das Einhalten der Abstandregeln und die Händedesinfektion beim Betreten der Einrichtung verpflichtend.

Lokale notieren Kontaktdaten

Laut Landesverordnung müssen Lokale ab einem Inzidenzwert von 35 in der Zeit von 23 bis 5 Uhr komplett schließen und zuvor die Kontakte nachverfolgen. Das Café Oswaldz am Albertplatz reagierte sofort und ab Donnerstag müssen alle Gäste gemäß den Bestimmungen der Stadt vor der Bestellung ihre Kontaktdaten notieren. "Um die Daten sicher zu halten, haben wir Karten, die Sie in eine versiegelte Kartonbox legen können, die nur auf Anfrage von das Gesundheitsamt geöffnet wird", erklärt das Café bei Instagram.

Der Wirt der Bar Holda am Martin-Luther-Platz verhängt eine Maskenpflicht beim Eintritt und bis zum jeweiligen Sitzplatz und erfasst außerdem Name, E-Mail-Adresse und Zeitraum des Besuches der Gäste. Er bittet alle Personen mit Erkältungssymptomen, zu Hause zu bleiben.

In der Dresdner Neustadt war am Mittwochabend der Trubel noch groß. In der Bar "Hoteldebotel" wurde kurz vor Mitternacht die letzte Runde Alkohol ausgeschenkt, danach galt das nächtliche Ausschankverbot. Ab Donnerstag ist dann schon immer um 23 Uhr Schluss. Wie die meisten Kneipen schließen dann auch die Spätis, für die es sich nicht mehr lohnt, länger aufzuhaben, wie eine kurze SZ-Umfrage ergab. 

Ein Appell von Nachtbarkönig Wolle Förster

Multi-Unternehmer und Nachtbarkönig Wolfgang "Wolle" Förster treffen die neuen Regeln vor allem bezüglich seiner Nachtbar Klax. "Mit 'Sushi & Wein' habe ich kein Problem, bis 22 Uhr ist das Geschäft in der Regel durch", sagt er. "Aber für das Klax ist das böse." Deshalb plant Förster, einfach früher zu öffnen. Normalerwiese hat das Klax von 21 bis 5 Uhr geöffnet. "Dann machen wir von 18 bis 23 Uhr auf und wenn keiner kommt, schließen wir vorübergehend ganz." Beim Sushi will er den Lieferdienst aufstocken.

Dann hat Förster  noch einen Appell an die Dresdner: "Wenn ihr schon nicht auf die Politiker hört, hört auf uns Unternehmer: Tragt Maske, haltet Abstand und euch an die anderen Regeln! Sonst ist die soziale Zukunft der Stadt gefährdet." Er habe viele Mitarbeiter im Frühjahr wegen des Lockdowns in Kurzarbeit schicken müssen. 

Diese Änderungen gelten in Hotels

Bei vielen Dresdner Hotels ändert sich erst einmal wenig. Im B&B Hotel Dresden gilt die Maskenpflicht ohnehin schon pauschal. "Wir haben durch die Verordnung keinen Mehraufwand", sagt Mitarbeiter Michael Hentschel. In anderen Hotels und Hostels galt die Maskenpflicht dagegen bislang nur in bestimmten Bereichen, beispielsweise im Empfangsbereich an der Rezeption oder, wie im Taschenbergpalais, beim Betreten des Restaurants. 

In den weiteren Räumen oblag es bisher der persönlichen Verantwortung, sich und andere zu schützen. Mit der neuen Verordnung muss jetzt außerhalb des eigenen Zimmers überall Maske getragen werden, entsprechende Schilder weisen darauf hin.

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"Die letzten zwei Wochen hat man aber gesehen, dass die Gäste schon von sich aus Maske getragen haben", berichtet Max Rothe vom Taschenbergpalais. Allerdings müssten Aktivitäten wie Frühstück oder Aufenthalt im Spa-Bereich jetzt vorab unter Angabe des genauen Zeitraums reserviert werden. 

Für externe Gäste sollen ab nächster Woche QR-Codes zur Erfassung der Aufenthaltsorte bereitstehen, für Gäste ohne Smartphone gäbe es aber auch noch Zettel zum Ausfüllen, sagt Rothe. Die Verhaltensregeln für die Gäste passt das Personal momentan fast täglich an. "Für uns ist das kein Riesenaufwand, aber es verunsichert die Gäste schon. Ein bisschen ist es wie auf einem Kreuzfahrtschiff: jeden Tag ein neuer Hafen."

Das gilt für die Pegida-Gegendemos am Sonntag

Auch für die Demos am Sonntag haben die neuen Regeln Auswirkungen. "Wir haben 1.500 bis 2.000 Teilnehmer angemeldet auf dem Altmarkt", erklärt Viola Martin-Mönnich, die die Demo "Demokratie braucht Rückgrat" angemeldet hat. Zwar dürfen sich mehr als 250 Menschen versammeln, die Teilnehmer müssen aber Mundschutz tragen und es sind nur stationäre Kundgebungen erlaubt. Zudem gilt als Obergrenze für die Zahl der Versammlungsteilnehmer ein Flächensatz von vier Quadratmetern pro Person, um die Abstände zwischen den Teilnehmern besser zu gewährleisten. "Mit den Auflagen passen also 2.000 Menschen auf den Platz", so Martin-Mönnich.

Das passiert, wenn die Ampel auf Rot springt

Erreicht Dresden mehr als 281 nachgewiesene Infektionen binnen sieben Tagen - das sind mehr als 50 pro 100.000 Einwohner -, gilt die Stadt als Risikogebiet. Es wird von einer "epidemischen Ausbreitung" gesprochen. Laut Stadt sind Einschränkungen wie ab dem 20. März möglich. Es kann Ausgangsbeschränkungen geben und alles bis auf Supermärkte und andere Einrichtungen der Grundversorgung könnte geschlossen werden.

Das Land gibt vor, dass Feiern im öffentlichen und privaten Raum nur noch mit Familien  und Freunden und mit maximal zehn Personen erlaubt sind. Gaststätten und Kneipen müssen bereits um 22 Uhr schließen, Bordelle werden komplett geschlossen, Veranstaltungen dürfen nur noch mit maximal 100 Teilnehmern stattfinden - Ausnahmen durch das Gesundheitsamt sind jedoch möglich. Außerdem legt die Stadt fest, wo überall Maske getragen werden muss.

Für Verwirrung stiftet derzeit die Frage, ob Dresden nicht schon längst als Risikogebiet hätte eingestuft werden müssen. Denn durch die nachgemeldeten Fälle ist es bereits dazu gekommen, dass es zum Beispiel am Mittwoch mehr als 50 Neuinfektionen innerhalb der vorangegangenen sieben Tage gab.

Laut Stadtverwaltung spielt das bei der Risikobewertung aber keine Rolle. Die sogenannte Inzidenz, auf der die Corona-Ampel basiert, wird nach der am jeweiligen Tag verfügbaren Datenlage berechnet, heißt es auf der Seite, auf der die täglichen Infektionszahlen bekanntgegeben werden.

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