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Briefe gegen die Einsamkeit zu Ostern

Kinder der 64. Oberschule in Dresden haben für Senioren im Heim Ostergrüße geschrieben. Darin ist zu lesen, was Jung und Alt in diesen Zeiten verbindet.

Mehr als 50 Schülerinnen und Schüler der 64. Oberschule in Laubegast haben Briefe an die Senioren des Caritas-Altenheimes St. Michael geschrieben.
Mehr als 50 Schülerinnen und Schüler der 64. Oberschule in Laubegast haben Briefe an die Senioren des Caritas-Altenheimes St. Michael geschrieben. © Sven Ellger

Dresden. Die Hände auf der selbstgestrickten Decke können viel erzählen - von einem reichen Leben, das nun schon 94 Jahre dauert. Sie gehören Ingrid Armbruster, die an diesem Morgen im weiten Kreis seltener Besucher sitzt. Im Rollstuhl wurde sie auf die Wiese des Caritas-Altenpflegeheims St. Michael in der Dresdner Friedrichstadt geschoben. Da wohnt sie seit fünf Jahren. Das vergangene aber war mit Abstand das ungewöhnlichste.

Besuchsverbote in Seniorenheimen machen vielen alten Menschen und ihren Angehörigen schwer zu schaffen. Betroffen sind auch die rund 90 Bewohner des Heimes, in das nun unerwartet frischer Wind weht - in Form ganz besonderer Ostergrüße.

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Gut 50 Schülerinnen und Schüler der 64. Oberschule haben Briefe geschrieben und bunt gestaltet. "Briefe gegen die Einsamkeit" nennen sie sie und wollen den betagten Adressaten damit eine Aufmunterung bringen.

Die Seniorin Ingrid Armbruster freut sich sehr darüber, dass die Kinder an sie und die anderen Bewohner denken. Auch ihr Osterfest wird nicht wie gewohnt mit viel Verwandtschaft stattfinden.
Die Seniorin Ingrid Armbruster freut sich sehr darüber, dass die Kinder an sie und die anderen Bewohner denken. Auch ihr Osterfest wird nicht wie gewohnt mit viel Verwandtschaft stattfinden. © Sven Ellger

"Wir können gut verstehen, wie sich die Senioren fühlen", sagt Cassandra. Die Elfjährige ist zusammen mit zwei Mitschülerinnen, dem Schulleiter und ihrer Klassenleiterin Maria Weiß von Laubegast nach Friedrichstadt gekommen. Idee der Lehrerin war es auch gewesen, die Mädchen und Jungen diese Briefe schreiben zu lassen.

"Ich habe von der Aktion 'Briefe gegen die Einsamkeit' der Jugendorganisation Young Caritas gehört und ganz toll gefunden", erzählt Maria Weiß. So kam es, dass die Schüler mehrerer Klassen für diese Überraschung sorgten. Nun steht Cassandra zusammen mit ihren Freundinnen Ronja und Nele im Hof des Seniorenheims und hält einen Korb voller bemalter Briefumschläge im Arm.

"Wir beschreiben den Senioren darin, was wir in den vergangenen Monaten erlebt haben, was anders ist und was wir uns wünschen", erzählen die Mädchen weiter. Zwar haben sie alle ihre Eltern und manche Geschwister zu Hause. Doch auch die Kinder durften keinen Besuch von Freundinnen bekommen und ihre Großeltern nicht sehen. "Darum geht es uns sehr ähnlich, obwohl wir noch ganz jung sind."

So anders als den Senioren im Heim geht es den Mädchen und Jungen gar nicht. Denn sie vermissen ihre Omas und Opas, die sie vor Corona schützen müssen.
So anders als den Senioren im Heim geht es den Mädchen und Jungen gar nicht. Denn sie vermissen ihre Omas und Opas, die sie vor Corona schützen müssen. © Sven Ellger

Ingrid Armbruster sitzt unterdessen still in ihrem Rollstuhl, hält ihre Hände auf den Knien und hört den Schülerinnen aufmerksam zu. Später sagt sie mit kräftiger Stimme: "Ich finde es wunderbar, wenn Jung und Alt sich gegenseitig befruchten und wir nicht einfach abgetan werden, nur weil wir schon so viel älter sind."

Sie selbst habe die Zeit des Lockdowns gar nicht als so hart erlebt und leide nicht besonders darunter, keinen Besuch zu haben. "Mein Mann und ich wir waren beide Einzelkinder, deshalb ist uns der Rummel manchmal sogar zu groß." Im Heim habe sie inmitten der anderen Bewohner genug Gesellschaft.

Und doch: Ihre Kinder und die fünf Enkel einmal wiederzusehen, das wäre schön. Bis es wieder so weit ist, dass der Umgang leichter und mit weniger Sorgen verbunden ist, werde sie gut aushalten. Die Zeit bis dahin weiß sich die 94-Jährige zu beschäftigen: "Zum Glück sind meine Augen noch in Ordnung, ich kann fernsehen, die Zeitung lesen und mich mit Kreuzworträtseln beschäftigen."

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