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Fahrlehrer demonstrieren in Dresden

Die Fahrschulen leiden unter dem wochenlangen Corona-Lockdown. Deshalb treffen sich Fahrlehrer am Freitagmorgen zum Autokorso durch Dresden.

Mehr als 170 Fahrlehrer trafen sich am Freitagvormittag zur Demo in Dresden.
Mehr als 170 Fahrlehrer trafen sich am Freitagvormittag zur Demo in Dresden. © Matthias Rietschel

Dresden. Um auf ihre Situation im weiter andauernden Corona-Lockdown aufmerksam zu machen, haben sich am Freitagvormittag Fahrlehrer aus ganz Sachsen zur einer Demonstration in Dresden getroffen.

Rund 180 Fahrschulwagen bildeten auf dem Festplatz an der Pieschener Allee in mehreren Reihen einen Kreis, darunter fünf Lkw und zwei Busse.

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Auch Fahrschüler nahmen an dem Protest teil. Nach einem Hupkonzert sagte Organisator Thomas Adler aus Pirna: "Wir fordern die sofortige Öffnung der Fahrschulen im Freistaat Sachsen."

Es sei nicht nachvollziehbar, warum andere Bundesländer die Fahrlehrer in Theorie und Praxis unterrichten ließen, und nur Sachsen nicht. Auch die Begriffe "Berufsverbot" und "Enteignung" fielen.

CDU-Landtagsmitglied Lars Rohwer versprach, seine Partei werde sich dafür einsetzen, die Öffnung der sächsischen Fahrschulen in der nächsten, nach dem 7. März geltenden Corona-Schutzverordnung zu verankern.

Nach mehreren Redebeiträgen starteten die Fahrlehrer um 11 Uhr zu einem Autokorso durch die Stadt, der unter anderem am Landtag vorbeiführte.

Hintergrund: "Wir Fahrlehrer fühlen uns vergessen"

Sein Auto steht still. Und sein Betrieb auch. Seit Mitte Dezember kann Martin Gebler keinen Fahrschülern mehr das Anfahren zeigen, das Einparken und den Schulterblick. Theorieunterricht könnte der 36-Jährige zwar online geben, doch davon hält er nicht viel. "De facto geht bei mir seit zwei Monaten gar nichts mehr."

Der Fahrschullehrer Martin Gebler will am Freitag bei einer Demo auf seine Lage aufmerksam machen.
Der Fahrschullehrer Martin Gebler will am Freitag bei einer Demo auf seine Lage aufmerksam machen. © Sven Ellger

Seit fünf Jahren arbeitet Gebler als Fahrlehrer, 2019 machte er sich mit seiner "Drive Factory" mit Sitz in der Altstadt selbständig. Inzwischen hat er zwei Angestellte. In diesem Jahr soll ein weiterer Fahrlehrer dazustoßen. "Zurzeit hängen bei mir 70 Fahrschüler in der Warteschleife", sagt er.

"Unsere Situation ist das eine, aber auch die Schüler kommen nicht weiter." Zwei seiner Schützlinge hätten einen Tag vor ihrer praktischen Prüfung gestanden, als der zweite Lockdown verhängt wurde.

Dass das öffentliche Leben bei den zuletzt hohen Inzidenzzahlen in Sachsen zeitweise komplett heruntergefahren werden musste, ist für Martin Gebler verständlich gewesen. Nicht verstehen können er und viele seiner Kollegen aber, dass inzwischen Fahrlehrer in anderen Bundesländern wieder ihrem Job nachgehen dürfen, und das zum Teil in Gebieten mit deutlich höheren Infektionszahlen.

"Nur uns in Sachsen wird das Arbeiten weiterhin praktisch unmöglich gemacht." Nur in gut begründeten Ausnahmefällen erlaube die aktuelle Corona-Schutzverordnung derzeit Fahrten. Die Formulierung sei jedoch so schwammig gewählt, dass sich niemand in die Nesseln setzen wolle. Dazu komme, dass Fahrlehrer in Sachsen derzeit zu wöchentlichen Corona-Tests verpflichtet seien. Auch diese Kosten müsse letztlich er als Inhaber tragen.

Während das Leiden von anderen Branchen in der Öffentlichkeit stark thematisiert werde, blieben die Fahrschulen in der Krise unsichtbar, klagt Gebler. "Wir fühlen uns von unserer Sächsischen Landesregierung im Stich gelassen."

Demo der Fahrlehrer durch Dresden

Persönlich warte er gerade auf die versprochene Dezemberhilfe und habe sich selbst seit November keinen Lohn mehr überwiesen. Die Folge: Vor zwei Wochen wäre er bereits pleite gewesen, wenn es sich nicht in seiner Familie Geld geliehen hätte. "Ich und viele andere werden nicht mehr lange durchhalten, so viel steht fest."

Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, wollten Gebler und Hunderte seiner Kollegen am Freitag in Dresden demonstrieren und sich dafür 10 Uhr mit ihren Autos auf dem Parkplatz an der Pieschener Allee versammeln. Anschließend war ein Autokorso durch die Stadt geplant.

Nicht am Protest beteiligt ist der Landesverband Sächsischer Fahrlehrer, der nur einen Teil der Fahrlehrer im Freistaat vertritt und sich aus Sicht der Demo-Organisatoren zu sehr mit der aktuellen Lage zufrieden gebe.

"Wir fordern die Öffnung unserer Betriebe, da die Ausbildung in Fahrschulen systemrelevant ist und auch im Interesse unserer Fahrschüler, die häufig auf den Erwerb ihrer Fahrerlaubnis angewiesen sind", sagt Gebler.

Bei den Frisören habe das ja zuletzt schon ganz gut geklappt. "Vielleicht werden jetzt auch wir mal gehört."

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