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Dresdner Eltern: "Schließen Sie Schulen mit Infizierten"

Über 20 Dresdner Kitas und Schulen sind von Corona-Fällen betroffen. Geschlossen werden sie aber nicht. Wonach wird entschieden, wer zu Hause bleiben muss?

Seit zwei Wochen sind die Dresdner Schulen und Kitas wieder geöffnet, seitdem werden immer wieder Infektionsfälle bekannt. Quarantäne-Anordnungen halten Eltern aber nicht für ausreichend.
Seit zwei Wochen sind die Dresdner Schulen und Kitas wieder geöffnet, seitdem werden immer wieder Infektionsfälle bekannt. Quarantäne-Anordnungen halten Eltern aber nicht für ausreichend. © Symbolfoto: Sebastian Gollnow/dpa

Dresden. Seit dem 15. Februar sind die Dresdner Kitas und Grundschulen wieder zurück im Regelbetrieb. Neben der Freude der Kinder und Eltern wächst auch die Sorge vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Und tatsächlich: Die Zahlen der Kinder, Lehrer und Erzieher, die aufgrund von Infektionsfällen an ihrer Einrichtung in Quarantäne müssen, steigt weiter an.

Wie viele Corona-Infektionen gab es in den vergangenen zwei Wochen an Kitas und Schulen?

Mindestens 27 Corona-Infektionen hat es seit Wiederaufnahme des Regelbetriebs in den Dresdner Kitas, Schulen und Horten gegeben. Das ist zumindest die Anzahl an Einrichtungen, an denen Quarantänen wegen enger Kontakte zu einem Infizierten nach dem 15. Februar angeordnet wurden. Am Dienstag kamen mehrere neue dazu.

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Möglicherweise gab es an manchen Einrichtungen auch mehrere Corona-Fälle. Darauf deutet in mehreren Fällen hin, dass jeweils zwischen 30 und 50 Personen nach Hause geschickt wurden. Bei nur einem Infizierten wären das sehr viele, angesichts dessen, dass Kindergartengruppen und Schulklassen immer in derselben Zusammensetzung betreut beziehungsweise unterrichtet werden sollen.

Wie viele infizierte Kinder, Erzieher und Lehrer tatsächlich Kitas und Schulen besuchten, bevor sie positiv getestet wurden, ist aber unklar. Weder das Gesundheitsamt, das Landesamt für Schule und Bildung noch das sächsische Kultusministerium haben eine entsprechende Anfrage der Sächsischen Zeitung bislang beantwortet.

Das Gesundheitsamt argumentiert, es sei nicht leistbar, die sogenannten Indexfälle (Erstinfizierte an einer Einrichtung) zuzuarbeiten. "Und das nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass es mitunter nur einen Indexfall in einer Einrichtung gibt und wir damit einen Rückschluss auf die betreffende Person zulassen", heißt es aus dem Rathaus. Für den Vogtlandkreis teilte das Kultusministerium in der vergangenen Woche nicht nur mit, wie viele Infektionen es dort an Schulen gab, sondern auch, wie sich diese auf Kinder und Lehrer verteilten.

Zu wie vielen Kindern, Erziehern und Lehrern hatten die Infizierten Kontakt?

Diese Zahl teilt das Gesundheitsamt wiederum sehr genau mit. So sind durch Kontakte zu Infizierten seit Regelbetriebsbeginn mehr als 530 Kinder, Erzieher und Lehrer in Quarantäne geschickt worden. Wobei sich für Eltern oft die Frage stellt, nach welchen Kriterien nun ausgewählt wird, wer zu Hause bleiben muss und wer weiterhin die Schule besuchen darf.

Der Vater eines Dresdner Grundschulkindes berichtet zum Beispiel: "Nach nur vier Tagen musste eine Klasse in Quarantäne, da ein Schüler positiv getestet wurde." Die Schule ist der SZ bekannt. Um Rückschlüsse auf den Vater zu vermeiden, der anonym bleiben möchte, wird sie an dieser Stelle aber nicht genannt. Der Mann kritisiert nicht, dass die Grundschulen überhaupt wieder geöffnet sind. Er wundert sich vielmehr, warum die Schüler, die nicht in Quarantäne geschickt wurden, nicht getestet werden.

"Es wurde keine weitere Testreihe durchgeführt, obwohl alle Klassen sich im Essensraum abwechseln und daher gleichermaßen Aerosolen ausgesetzt sind", sagt er. "Warum testet man nicht? Warum schließt man nicht die ganze Schule? Worauf wartet man?"

In weiteren Klassen würden Kinder Erkältungssymptome zeigen und niemand teste. "Ich verstehe nicht, warum man wieder dieselben offensichtlichen Fehler macht wie im November und Dezember, warum das Gesundheitsamt sich versteckt, niemand etwas unternimmt. Das ist frustrierend und absehbar, was daraus resultiert".

Sein Hilferuf an die zuständigen Behörden: "Schließen Sie Schulen mit coronapositiven Schülern oder Lehrern. Testen Sie im schulischen Umfeld, wenn ein positiver Fall auftrat. Handeln Sie, bevor es zu spät ist."

Wonach entscheidet das Gesundheitsamt, wer in Quarantäne muss?

Die Stadtverwaltung macht deutlich, dass nicht jeder Kontakt zu einem Infizierten "relevant" sei. Lediglich enge Kontakte spielten bei der Entscheidung für oder gegen eine Quarantäne eine Rolle. Was aber ist ein enger Kontakt? Zum einen müsse der Zeitraum betrachtet werden, so die Stadt.

Kriterium Nummer eins für eine Quarantäne ist demnach, wenn jemand bis zu 48 Stunden vor dem Auftreten von Symptomen bei der infizierten Person Kontakt mit dieser hatte. Bei symptomlosen Infizierten sind Kontakte bis zu zwei Tagen vor einem positiven Corona-Test relevant.

Kriterium Nummer zwei ist die Art des Kontakts. Deutlich für eine Quarantäne spricht zum Beispiel, wenn Kinder, Erzieher oder Lehrer mehr als 15 Minuten ununterbrochen zusammen gespielt oder miteinander gesprochen haben, ohne Mindestabstand und Mundschutz zum Infizierten.

Bei Schulen gilt: Hat sich ein infizierter Schüler oder Lehrer mehr als 30 Minuten in einem relativ engen Raum mit der restlichen Klasse aufgehalten, so wird diese ebenfalls als enger Kontakt gewertet. Wer direkten Kontakt mit Sekreten einer infizierten Person hatte, zum Beispiel mit Spucke, so spricht das ebenfalls für eine Quarantäne. Und natürlich muss auch das nachweislich infizierte Kind beziehungsweise der infizierte Erzieher oder Lehrer isoliert werden und zu Hause bleiben.

Das Gesundheitsamt betont, die Isolationsmaßnahmen würden individuell erfolgen, je nach Umsetzung des Hygienekonzepts und wie strikt Klassen und Gruppen getrennt waren. "In Abhängigkeit der vorgefundenen Situation kann somit eine komplette Jahrgangsstufe, eine komplette Gruppe bzw. Schulklasse oder auch nur einzelne Personen einer oder mehrerer Klassen oder Gruppen von Isolationsmaßnahmen betroffen sein", teilt die Stadt auf ihrer Internetseite mit.

Wer Kontakt zu einer engen Kontaktperson hatte, darf die Einrichtung weiterhin besuchen. Eltern von Kindern in Quarantäne dürfen arbeiten gehen, sofern die Kinder nicht selbst nachweislich infiziert sind. "Es gelte dann die Faustformel: Ein Kontakt zum Kontakt ist kein Kontakt", so die Stadtverwaltung.

Das Gesundheitsamt richtet sich nach den Empfehlungen des RKI.

Und diese nicht engen Kontakte werden nicht getestet?

Nur jede enge Kontaktperson habe einen Anspruch auf einen kostenfreien Test, so die Stadt. Dieser könne beim Hausarzt oder in einem Testzentrum durchgeführt werden. Als Nachweis diene der Bescheid des Gesundheitsamtes.

Nur wenn es in einer Einrichtung mehrere Corona-Fälle oder ein "unübersichtliches Infektionsgeschehen" aufgrund unklarer Gruppentrennung gebe, werde Kontaktpersonen vor Ort ein Test mittels eines mobilen Abstrichteams angeboten. "Symptomatische Personen müssen sich aber grundsätzlich vom Hausarzt testen lassen, da es sich hier um einen Erkrankungsfall handelt", so das Gesundheitsamt.

Gibt es Pläne, Kinder, Erzieher und Lehrer vor Ansteckungen besser zu schützen?

Um Infektionen schnellstmöglich festzustellen, können sich Lehrer bereits freiwillig und kostenlos testen lassen. Ab dieser Woche ist das auch Erziehern möglich. Das Kultusministerium spricht von einem Test pro Woche.

Durchgeführt werden die Abstriche von geschultem Personal. Die städtischen Kitas haben eigene Mitarbeiter entsprechend darauf vorbereitet, inzwischen gibt es ein Team, das die Tests in den Einrichtungen vornimmt. Zudem wurden medizinische und FFP2-Masken an die Kitas verteilt, bei Bedarf gibt es Nachschub. Regelmäßig getestet wird auch bei den freien Trägern wie den Johannitern und der Diakonie.

"Wir haben alles organisiert, dass die Fachkräfte sich einmal wöchentlich testen lassen können", sagt Diakonie-Sprecherin Natalie Fechner. Gegebenenfalls würden zusätzlich anlassbezogene Tests durchgeführt.

Bei den Johannitern könnten sich Erzieher so oft testen lassen, wie sie möchten. Sie müssen es aber mindestens einmal wöchentlich tun, so Sprecher Danilo Schulz.

Zudem plant das Kultusministerium, an den Schulen Selbsttests für Lehrer und Schüler einzuführen. Es sei eine sehr gute Möglichkeit, Infektionen rechtzeitig zu erkennen. Entscheidend ist nun das Ergebnis der Bund-Länder-Beratungen am 3. März, bei denen eine Schnellteststrategie festgelegt werden soll. Eine Testpflicht gibt es aber nach wie vor nicht.

Wie groß ist bei Lehrern die Impf-Nachfrage?

Grundschullehrer und Erzieher können sich bereits impfen lassen. Sie können seit vergangenem Donnerstag einen Termin im Impfzentrum vereinbaren. Wie das Landesamt für Schule und Bildung auf SZ-Anfrage mitteilt, sind 92,3 Prozent der Lehrer an staatlichen Schulen in Dresden, die sich auf die Abfrage zur Impfbereitschaft zurückgemeldet haben, zu einer Impfung bereit.

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