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Homeschooling in Dresden geht weiter

Bis Ende Januar müssen Schüler daheim lernen, die Ferien sind verschoben. Was das für die Familien bedeutet und welche Tipps der Experte hat.

Die meisten Dresdner Klassenzimmer bleiben noch bis Anfang Februar leer. Vor allem die verschobenen Ferien machen den Familien zu schaffen.
Die meisten Dresdner Klassenzimmer bleiben noch bis Anfang Februar leer. Vor allem die verschobenen Ferien machen den Familien zu schaffen. © Symbolfoto: Sebastian Gollnow/dpa

Dresden. Es wurde hitzig diskutiert, als durchsickerte, dass die Winterferien eventuell ganz gestrichen werden sollen - nun ist klar: Sie werden verschoben und gekürzt. Vom 31. Januar bis 6. Februar haben Sachsens und damit auch Dresdens Schüler frei. Nur wenige Kinder müssen vorher noch einmal die Schulbank drücken: Ab 18. Januar sollen die Abschlussklassen wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren.

Wie reagieren die Eltern?

Für viele Familien kommt die Entscheidung über die verlängerten Schulschließungen nicht überraschend - wohl aber der Beschluss, die Ferien zu verschieben und zu verkürzen. Eine Mutter von drei Kindern, die ehrenamtlich in verschiedenen Dresdner Elternräten aktiv ist, berichtet von vielen Anfragen besorgter und aufgebrachter Eltern. "Uns ist allen bewusst, dass die Regelungen notwendig sind, um das Virus unter Kontrolle zu bekommen, im besten Fall zu stoppen", räumt sie ein. Dennoch könne sie die Sorgen der Eltern sehr gut verstehen, da sie ja selbst unmittelbar von den aktuellen Entscheidungen betroffen ist.

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"Was den Eltern neben dem verlängerten Lockdown, Homeschooling, Homeoffice und fehlender Kinderbetreuung nun extrem zu schaffen macht, sind die veränderten Schulferien." So haben Mütter und Väter ihre Urlaubsplanung bereits im vergangenen Jahr an ihren Arbeitgeber gemeldet oder sind selbständig und haben ihr Unternehmen dementsprechend strukturiert. "Nun ist die Möglichkeit, den Urlaub spontan zu verschieben, natürlich nicht vorauszusetzen."

Es gehe während der Ferien natürlich auch um Zeit mit der Familie und nicht nur um eine Lernpause für die Kinder, so die Elternrätin. "Nun müssen die Kinder ihre Ferien vermutlich alleine verbringen und die Eltern nehmen ihren Urlaub, wenn die Kinder wieder in die Schule gehen müssen." Die Familien hätten in den vergangenen Wochen und Monaten schon eine ganz Menge opfern müssen. "Ihnen nun auch noch die verdiente Familienzeit zu nehmen, ist aus unserer Sicht zu viel."

Was sagen Lehrer zu den verschobenen Ferien?

Matthias Dietze, selbst Lehrer und Bildungsexperte der CDU im Dresdner Stadtrat, ist zunächst froh, dass einige der größeren Schüler demnächst wieder in die Schule dürfen. "Mit Blick auf die anstehenden Prüfungen bin ich über die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichtes in den Abschlussklassen erleichtert." Es stelle die Lehrer natürlich vor eine Herausforderung, digital Klassen zu betreuen und gleichzeitig den Präsenzunterricht an den Schulen abzudecken, während die eigenen Kinder möglicherweise zu Hause ebenfalls der Betreuung bedürfen, sagt er.

Nach der langen Phase des Homeschoolings sei es wichtig, dass so bald wie möglich wieder eine fundierte Vermittlung und Sichtung der Lernergebnisse erfolgt, was nur im Präsenzunterricht möglich sei. "Die Entscheidung, die zweite Ferienwoche zu verlegen, begrüße ich daher", so der Pädagoge. Hier müssten aber jetzt klare Regelungen geschaffen werden, wie mit geplantem Urlaub von Schülern aber auch Lehrern umgegangen werden soll, fordert Matthias Dietze. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte betont, dabei auf Kulanz zu setzen.

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Jens Reichel, Schulleiter des Gymnasium Bürgerwiese, mahnt in Bezug auf die verschobenen Ferien zur Gelassenheit. "Wir müssen erstmal schauen, wie sich das entwickelt." Grundsätzlich sei es wichtig, dass die Infektionszahlen runtergehen und nicht immer wieder Klassen in Quarantäne geschickt werden müssen.

Martin Raschke vom Elternrat versteht die Eltern, die sich über das Ferienchaos ärgern. Dennoch findet auch er: "Eine Woche Ferien sind ein guter Kompromiss". Einerseits bräuchten alle Seiten Erholung, andererseits sei es auch wichtig, dass die Kinder wieder Präsenzunterricht bekommen.

Wie funktioniert das Homeschooling?

Das Romain-Rolland-Gymnasium hat klare Regeln für Schüler und Lehrer während der häuslichen Lernzeit aufgestellt. "Da die Schüler zusätzliche Zeit zum Finden und Lesen der Aufgaben und Materialien benötigen, werden Aufgaben nicht im vollen Umfang der Wochenunterrichtszeit gestellt", heißt es darin.

Tatsächlich gibt es nach wie vor Probleme mit dem digitalen Unterricht: Am Dienstag war die Plattform Lernsax erneut zum Teil nicht erreichbar. Wenn sie funktioniert, soll die Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern am Romain-Rolland aber über diese Plattform erfolgen.

Die Lehrer sind angehalten, immer montags oder spätestens zum Zeitpunkt des regulären Unterrichts für die Schulwoche die Aufgaben bei Lernsax einzustellen. Für die Erledigung der Aufgaben soll ein konkretes Fälligkeitsdatum festgesetzt werden. Für Konferenzen gelten am "Ro-Ro" ebenfalls feste Regelungen: In der Sekundarstufe 1 werden diese Termine im Kalender der Klasse erfasst. Für die Klassen fünf bis sieben sollten nicht mehr als zwei Konferenzen an einem Tag geplant werden. Die höheren Klassenstufen führen ihre Konferenzen zu den entsprechenden Unterrichtszeiten nach dem Stundenplan.

Die 46. Oberschule setzt während der Schulschließung nicht nur auf Betreuung beim Lernen, sondern will auch die seelische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen im Blick behalten. "Besonders in der herausfordernden Zeit des Lockdowns können Streits entstehen, Fragen aufkommen und Gesprächspartner fehlen." Die Schulsozialarbeiter sind deshalb weiter für Eltern und Schüler da.

Jens Reichel, Schulleiter am Gymnasium Bürgerwiese, bestätigt die Probleme mit Lernsax, fordert stattdessen andere Lösungen. Diskutieren über Lernsax führe zu nichts, lieber sollte nach Alternativen gesucht werden, wie etwa die Plattform Schullogin, so Reichel, der dennoch optimistisch ist. "Wir haben seit Sommer Ideen zum Fernunterricht. Derzeit läuft es wesentlich besser, als im Frühjahr."

Elternratsvorsitzender Martin Raschke blickt indes sehr kritisch auf das Homeschooling. Es sei sehr schwer für die Schüler, dass Lernsax immer wieder ausfalle und sich das Lernen dadurch verzögert. "Nicht alle Kinder können sich gleich motivieren, manche machen kaum Schulaufgaben, wenn die Eltern nicht daheim arbeiten können, andere sind sehr diszipliniert".

Außerdem bewertet Raschke es als schwierig, sich allein auf digitale Angebote zu stützen. "Wie soll eine Mutter drei schulpflichtige Kinder mit einem Rechner beschulen?" Es sei außerdem wichtig, zu klären, wie die Notenvergabe vor allem in den großen Klassen laufen soll. "Es geht bei den elften und zwölften Klassen um das Abi. Sie sollten jetzt nicht Punkte im Halbjahr auf Basis von nur einer Klausur bekommen. Denn diese eine kann auch schnell mal versemmelt werden."

Welche Tipps hat der Experte für gestresste Familien?

Viele Eltern stellt die Vereinbarkeit von Homeoffice und Homeschooling vor eine große Herausforderung. Lehrer Matthias Dietze hat Tipps für die Eltern zusammengestellt, wie sie ihre Kinder in der häuslichen Lernzeit gut unterstützen können:

  • klare Anfangs- und Endzeiten
  • Aufgaben vorher besprechen, aber keine Lösungen
  • Aushalten, dass Denkprozesse länger dauern - erst denken lassen, dann helfen
  • viel Lob und kleine Belohnungen
  • Pausen nach jedem Arbeitsblock einlegen
  • Überforderung an den Lehrer signalisieren
  • und vor allem durchatmen, statt Stimme heben

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