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"Das Hygienekonzept ist eine Katastrophe"

Aus Angst vor einer Corona-Infektion haben Dresdner Eltern sich entschieden, ihr Kind doch daheim zu betreuen - statt in einer Kita-Gruppe von 45 Kindern.

Als die Kitas am 15. Februar wieder öffneten, war bei vielen die Erleichterung groß.
Als die Kitas am 15. Februar wieder öffneten, war bei vielen die Erleichterung groß. © dpa

Dresden. Monatelang waren die Kitas geschlossen und die Familien mit ihren Kindern daheim. Die gemeinsame Zeit hatte ihre schönen Seiten. Dennoch: Bei vielen Eltern war sie auch verbunden mit der Anstrengung, sowohl dem Kind als auch dem Job gerecht zu werden.

Als die Kitas am 15. Februar wieder öffneten, war dann auch bei Dresdner Familien die Erleichterung groß, dass sie ihre Kinder wieder in die Betreuung von Erziehern und in die Gesellschaft anderer Kinder geben konnten.

Doch angesichts der Hygieneregeln und Vorgaben zum Infektionsschutz im Kita-Alltag machen sich Eltern inzwischen Sorgen um die Gesundheit der Kinder - und ihrer eigenen. Eine Dresdner Familie hat sich deshalb nun wieder gegen den Kita-Besuch ihres Kindes entschieden.

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Warum gibt die Familie ihr Kind nicht mehr in die Kita?

"Wir haben unsere Tochter zunächst erstmal wieder in die Kita geschickt, aber nun lassen wir sie wieder zu Hause. Das Hygienekonzept dort ist eine Katastrophe", sagt ein Vater, der anonym bleiben möchte. Aus drei Kitagruppen sei eine große gemacht worden und so werden jetzt 45 Kinder von fünf Erziehern betreut, berichtet er.

"Ich verstehe das nicht, Schulklassen werden geteilt, um das Infektionsrisiko zu minimieren, Angestellte werden ins Homeoffice geschickt und hier wird ohne Abstand, ohne Infektionsschutz eine große Infektionsgruppe gebildet", ärgert sich der Vater. Auf seine Kritik habe die Kita-Leitung mit dem Verweis auf das geltende Hygienekonzept reagiert.

Die Angst der Familie ist: 45 Kinder bedeuten bei einem positiven Kind Quarantäne für 45 Kinder plus mindestens einen Elternteil, der die Betreuung übernimmt. "Uns als Eltern sind die Hände gebunden, wir können nichts machen, entweder das Risiko eingehen oder das Kind daheim lassen" sagt er. Ihm sei klar, dass ein Risiko für Infektionen in Kitas immer bestehe, in strikt getrennten Gruppen sei die Gefahr jedoch überschaubar - allerdings nicht bei 45 Kindern, findet der Dresdner Vater.

Welche Regelung gilt dazu aktuell in den Dresdner Kitas?

Auf SZ-Anfrage teilt die Stadt dazu mit, dass es für den eingeschränkten Regelbetrieb keine Regelungen darüber gebe, wie viele Kinder in einer Gruppe betreut werden dürfen. Wichtig sei dabei nur, dass die strikte Trennung der Kinder in sogenannten "Betreuungseinheiten" mit der entsprechenden Anzahl an pädagogischen Fachkräften laut Betreuungsschlüssel eingehalten wird.

Diese Einheiten, also Kindergruppen, könnten von der üblichen Größe abweichen. Es ist also nicht vorgegeben, wie viele Kinder einer festen Gruppe angehören sollen. Grundsätzlich gelte aber - und damit bestätigt sich die Kritik des Dresdner Vaters: Je kleiner die Betreuungseinheiten sind, umso kleiner sei der von einer möglichen Quarantäne betroffene Personenkreis.

Die städtischen Kitas müssten die Betreuung absichern, und das auch bei personellen Ausfällen, betont die Stadt. Das sei nur zu gewährleisten, wenn die Gruppen eine gewisse Grundgröße hätten und ihnen drei bis vier Erzieher zugeordnet seien. In städtischen Horten könne damit eine Einheit, in Absprache mit der Schulleitung, auch aus zwei Klassen bestehen. Auch hätten bauliche Gegebenheiten Einfluss auf die Anzahl der Kinder. Wenn zum Beispiel Gruppen die gleichen Bäder nutzen, würden sie oft zu einer gemeinsamen Betreuungseinheit zusammengeschlossen.

Welche Auswirkungen haben die Regeln noch?

Im eingeschränkten Regelbetrieb darf eine Betreuung von Kindern aus unterschiedlichen Gruppen, wie es frühmorgens oder am späteren Nachmittag in vielen Kitas üblich ist, nicht stattfinden. Da die Kinder in festen Gruppen mit festem Personal betreut werden, ist dieser Betrieb sehr personalaufwändig, so die Stadt.

In fast allen städtischen Kitas komme es daher zu Einschränkungen in den Öffnungszeiten. Wie genau und welche Einrichtungen das betrifft, sagt die Stadt nicht. Das entscheidet jede Kita für sich.

Dennoch würde aber eine Öffnungszeit von acht bis neun Stunden pro Tag in den städtischen Kitas fast überall angeboten. Die Arbeit der Erzieher werde durch die strikte Gruppentrennung und die eingeschränkten Öffnungszeiten beeinflusst. Demnach können Kinder und Fachkräfte bestimmte Räume oder Bereiche innerhalb der Einrichtung nur zu bestimmten Zeiten nutzen. Ein Zusammentreffen von Kindern und Fachkräften aus unterschiedlichen Gruppen ist nicht möglich. So sind auch Ausflüge derzeit nicht erlaubt.

Wie werden Erzieher und Kinder vor Infektionen geschützt?

Seit dieser Woche dürfen sich nach den Lehrern nun auch Erzieher einmal wöchentlich auf das Coronavirus testen lassen. Die städtischen Kitas haben ein eigenes Testteam zusammengestellt, das in den Einrichtungen unterwegs ist und die Schnelltests vor Ort vornimmt. Zudem werden FFP2-Masken verteilt und bei Bedarf nachgeliefert. Auch die freien Träger sind für regelmäßige Tests mit geschulten Mitarbeitern gewappnet.

Diskutiert wird zudem immer wieder, ob entsprechende Lüftungsanlagen in den Einrichtungen installiert werden sollen, die die Viren aus der Umgebungsluft filtern. Während das Schulverwaltungsamt in Luftreinigungsgeräten aus verschiedenen Gründen keine Option sieht - unter anderem sei eine Installation an den Decken der Klassenzimmer aus statischen Gründen nicht möglich - hat sich auch der städtische Eigenbetrieb Kindertagesstätten schon vor längerer Zeit mit diesem Thema befasst. Auch, weil es eine Flut von Firmenangeboten dazu gegeben habe.

Letztlich spricht sich auch der Eigenbetrieb gegen den Einbau von Luftfiltern aus. Zum einen seien diese ein zusätzliches und von den Kindern erreichbares Elektrogerät in den Gruppenräumen - und damit eine Gefahrenquelle, denn die Kleinen könnten sich unter anderem daran stoßen. Zudem spielen die finanziellen Mittel eine Rolle, denn zur Anschaffung kommen Kosten für den Filtertausch, die Wartung und Überwachung, so die Einschätzung.

Unabhängig von Corona gebe es in Kitas seit Jahren eine Anweisung zum Lüften: Innerhalb einer Stunde muss ohnehin eine Stoßlüftung erfolgen.

Auf Sächsische.de möchten wir ganz unterschiedliche Erfahrungsberichte von Corona-Infizierten aus Dresden teilen. Wenn Sie die Erkrankung bereits überstanden haben und uns davon erzählen möchten, schreiben Sie uns an [email protected]ächsische.de.

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