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Dresden impft Obdachlose und Flüchtlinge

Die Stadt und die Wohnheime bereiten Impfungen für Wohnungslose und Flüchtlinge vor. Warum diese den Impfstoff von Johnson & Johnson erhalten sollen.

Flüchtlinge gehören zur Prioritäten-Gruppe 2 beim Impfen.
Flüchtlinge gehören zur Prioritäten-Gruppe 2 beim Impfen. © Symbol-/Archivbild: Swen Pförtner/dpa

Dresden. Sie schlafen eng zusammen in einem Raum, Abstand halten können sie selten. Flüchtlinge und Menschen ohne Wohnung in Dresden leiden wie alle anderen unter den Folgen der Pandemie. Eigentlich gehören sie zur Impfpriorisierungsgruppe 2, die schon lange dran ist mit dem Impfen. Doch nun soll es endlich auch für die Betroffenen losgehen.

Wie werden die Impfungen organisiert?

Die Impfung in den Dresdner Flüchtlingsunterkünften befindet sich gerade in Planung, teilt die Stadt mit. "Es wurde am 18.4. bereits in einer ersten Einrichtung die Impfung angeboten. Weitere Einrichtungen folgen in den nächsten Tagen bzw. sind derzeit in Planung", so Dr. Frank Bauer, Amtsleiter im Gesundheitsamt auf SZ-Anfrage.

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Sämtliche Übergangswohnheime für Wohnungslose und Geflüchtete seien seitens des Sozialamtes angeschrieben worden. "Es wurde das Angebot unterbreitet, dass mobile Impfteams des Impfzentrums in die Einrichtungen fahren, um vor Ort zu impfen. Die Planung und Koordination wird durch das DRK realisiert", so Bauer. DRK-Sprecherin Ulrike Peter bestätigt, dass die Planung laufe.

"Wir sind gerade in der Abstimmung mit der kommunalen Ebene. Es wird geprüft, inwiefern Obdachlosenunterkünfte sowie Einrichtungen für Geflüchtete mit Johnson & Johnson geimpft werden können", so das Sächsische Sozialministerium. Der Impfstoff biete sich für Einrichtungen mit hoher Fluktuation an, da nur eine einmalige Impfung notwendig ist. Bewohner von Obdachlosen-Einrichtungen können sich auch individuell einen Termin im Impfzentrum holen, so das Ministerium.

Den Einrichtungen werden seitens des Impfzentrums die erforderlichen Unterlagen in verschiedenen Sprachen zugesandt mit der Bitte, diese ausgefüllt zum Impftermin vorzulegen. Sollte zum Impftermin auch ein Dolmetscher notwendig werden, ist das möglich, so die Stadt. Auch Menschen ohne Impfpass und Krankenkassenkarte können die Impfung erhalten, betont das Ministerium.

Wie wichtig sind die Impfungen?

"Es ist für die Menschen sehr wichtig, geimpft zu werden, auch für diese, die nicht in Heimen der Stadt wohnen", sagt Rosi Scharf von der Heilsarmee Dresden, die sich um wohnungslose und obdachlose Menschen kümmert. Für viele der Menschen ohne Wohnung sei es aktuell sehr schwer, da viele Hilfsangebote wegen der Pandemie wegfallen. "Wir können Essen auch nur to go anbieten." Die Betroffenen könnten sich nicht in den eigenen vier Wänden isolieren.

So sieht das auch Grünen-Stadträtin Tina Siebeneicher. "Viele der Wohnungslosen haben Vorerkrankungen, daher müssen sie geschützt werden vor einem Ausbruch in einem Wohnheim."

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Die Priorität einer Impfung für Flüchtlinge betont auch Ingolf Ulrich, Sprecher der Landesdirektion, die verantwortlich ist für die Erstaufnahmeeinrichtungen in Dresden. "Die Landesdirektion Sachsen hat großes Interesse an einer möglichst umfassenden Impfung der Bewohner in den Erstaufnahmeeinrichtungen. Dies betrifft sowohl die frühzeitige Impfung von Neuzugängen als auch die möglichst gebündelte Impfung der bisherigen Bewohner."

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