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Corona in Dresden: "Rasante Zunahme von Patienten"

Die Dresdner Kliniken kämpfen wegen Corona mit deutlich steigenden Patientenzahlen und kommen an ihre Grenzen. Das ist die derzeitige Lage.

Von Julia Vollmer
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Auf einer Covid-Station steht eine Physiotherapeutin am Bett einer Patientin.
Auf einer Covid-Station steht eine Physiotherapeutin am Bett einer Patientin. © dpa-Zentralbild

Dresden. Mit den steigenden Zahlen an Corona-Neuinfektionen in Dresden mehren sich auch die Krankenhauseinweisung von Covid-Patienten. Die Überlastungsstufe kommt näher. So ist die derzeitige Lage in Dresdens Kliniken.

Wie viele Klinikbetten sind in Dresden belegt?

Die Betten in den Dresdner Kliniken füllen sich rasend schnell. Das Uniklinikum meldet 89 belegte Betten auf Normal- und Intensivstation. "Wir schaffen jeweils neue Kapazitäten, so wie sie benötigt werden", erklärt das Klinikum. "Dabei ist klar: Jedes Bett, welches mit einem Covid-Patienten belegt werden muss, fehlt an anderer Stelle für die Patienten mit anderen Erkrankungen."

Um wie viele Plätze noch aufgestockt werden könnte, lasse sich nicht pauschal sagen. "Die Kapazitäten sind knapp. Mit zunehmender Anzahl an Covid-Patienten auf Normalstation und ITS werden wir weitere Kapazitäten reduzieren und Stationen schließen müssen", betont das Krankenhaus.

Im Städtischen Klinikum werden Stand Donnerstag 56 Patienten auf Normal- und 20 Patienten auf Intensivstation versorgt. "Mit nur geringer Verzögerung zu den steigenden Wocheninzidenzen sind auch die Patientenzahlen in unserem Klinikum gestiegen", berichtet Sprecherin Viviane Piffczyk. Die Bereiche für Covid-19-Patienten hätten sich zügig gefüllt. Das Klinikum hat derzeit vier Normalstationen und zwei Intensivbereiche ausschließlich für Corona-Patienten.

"Auch im Diakonissenkrankenhaus erleben wir zurzeit eine rasante Zunahme von Menschen, die wegen Covid-19 stationär behandelt werden müssen. Die Entwicklung ist dabei deutlich dynamischer als im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres", sagt Sprecher Victor Franke. In dieser Woche habe seine Klinik die Zahl der Betten, die für Corona-Patienten vorgehalten werden, auf 14 erhöht. "Diese Kapazitäten sind bereits wieder voll belegt. Ab dem Wochenende erweitern wir die Anzahl auf 20 Covid-Betten", so Franke.

In den kommenden Wochen müssten voraussichtlich deutlich mehr Menschen mit einer Covid-19-Infektion behandelt werden. "Wir sind darauf vorbereitet, unsere Kapazitäten an die aktuelle Entwicklung anzupassen. Dazu stehen wir ständig in enger Abstimmung mit den anderen Krankenhäusern", sagt Franke.

Wie viele Patienten sind nicht geimpft?

"Auf der Intensivstation sind fast alle Patientinnen und Patienten ungeimpft - die wenigen geimpften Patienten auf der ITS haben stets schwere Vorerkrankungen", so die Antwort aus dem Uniklinikum. Auf den Normalstationen zeige sich ein gemischtes Bild, aber auch dort würden sich die Impfdurchbrüche ganz überwiegend durch schwere Vorerkrankungen oder ein hohes Lebensalter ohne entsprechende Boosterimpfung erklären lassen.

"Die Mehrheit der von uns aufgenommenen Covid-19-Patienten ist ungeimpft", sagt auch Prof. Dr. Sebastian Schellong, Chefarzt der 2. Medizinischen Klinik, zu der die Covid-Intensivstation am Standort Friedrichstadt gehört. Wer trotz Impfung einer Krankenhausbehandlung bedarf, habe eine meist zusätzliche Vorerkrankungen oder Risikofaktoren. Die Verläufe seien dementsprechend auch schwerer. Daher, so Schellong, führe an Impfung bzw. Booster-Impfung kein Weg vorbei, sowohl zum Eigenschutz wie zum Schutz aller anderen.

Wie belastet sind die Mitarbeiter in den Kliniken?

"Bei einer höheren Dynamik als im Dezember 2020 sind gleichzeitig die Rahmenbedingungen schwieriger. So sind viele Mitarbeiter nach der langen Zeit der Pandemie erschöpft und verfolgen den schnellen Anstieg von Covid-Patient mit großer Besorgnis", so Victor Franke vom Diakonissenkrankenhaus in der Neustadt. Dort versuche man die Belastung das Personal so erträglich wie möglich zu gestalten und dabei aus Erkenntnissen der vergangenen Wellen zu lernen. Bereits jetzt hat die Klinik eine Station geschlossen, um dem erhöhten Pflegeaufwand im Covid-Bereich gerecht zu werden.

"Die Lage in unseren Krankenhäusern ist angespannt aber stabil", sagt Michael Junge, Pflegedirektor im Diakonissenkrankenhaus. "Wir sehen der spürbaren Zunahme an Covid-Patienten daher mit Sorge entgegen." Er wünscht sich eine noch größere Solidarität der Menschen, um die vor uns stehende Anstrengung gut bewältigen zu können. "Deshalb ist es wichtig, dass sich alle Menschen impfen lassen, wenn noch nicht geschehen, und Kontakte spürbar reduzieren. Nur so kann die vor uns, und insbesondere den Pflegenden, liegende Zeit überhaupt geleistet werden", betont er. Jeder Geimpfte reduziere die Wahrscheinlichkeit, schwer zu erkranken und im Krankenhaus behandelt werden zu müssen sehr deutlich und helfe damit den Pflegenden ganz direkt.

Müssen andere Eingriffe verschoben werden?

"Bis Freitag dieser Woche fahren wir die Betten für planbare Operationen um 40 Prozent zurück. Eine zweite Station wird für Corona-Patienten geräumt", sagt Dr. Hans Bödeker vom St.-Joseph-Stift. Als Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin ist er von der Covid-Problematik in höchstem Maße betroffen. "Weil wir Platz und Personal für die Covid-19 Patienten schaffen müssen, gibt es weniger Ressourcen für andere Patienten." Sein Ziel sei es, alle dringend zu behandelnden Patienten weiterhin aufzunehmen. "Die Situation ist deutlich angespannter als zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr. Leider wurde in unserer Region der derzeit wirksamste Schutz gegen Corona, die Impfung, nicht in so großem Umfang angenommen, wie es möglich und sinnvoll gewesen wäre", so der Mediziner.

Andere Länder wie Frankreich, Spanien, Portugal oder Italien seien in ihren Maßnahmen gegen Corona wesentlich konsequenter gewesen und stünden jetzt deutlich besser dar. "Wir werden leider in den nächsten Wochen den Preis dafür zahlen müssen, die vierte Welle mit der hochinfektiösen Delta-Variante auf die leichte Schulter genommen zu haben."