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Die Folgen einer illegalen Party in Dresden

Etwa 60 Menschen haben am Wochenende im Vereinslokal einer Dresdner Gartensparte trotz Corona gefeiert. Was den Gästen und dem Pächter nun droht.

Hier haben in der Nacht zum Sonntag etwa 60 Personen illegal gefeiert.
Hier haben in der Nacht zum Sonntag etwa 60 Personen illegal gefeiert. © Archiv: Benno Löffler

Dresden. Diese Party ist Gesprächsthema. Bei der Polizei, weil ein Polizist verletzt wurde, als die Beamten sie aufgelöst haben. Im Ordnungsamt, weil dort auf einen Schlag knapp 50 Anzeigen wegen Regelverstößen eingingen. Und in der Stadt, weil die Teilnehmer sich und eine große Zahl anderer Menschen in Gefahr gebracht haben.

Die Feier fand in der Nacht zum Sonntag statt, im Vereinslokal einer Gartensparte an der Saalhausener Straße in Dresden-Naußlitz. "Frohe Stunde" ist der Name der Sparte. Die frohen Stunden im Vereinslokal endeten mit einem Polizeieinsatz. Denn die Partygäste haben gegen alle geltenden Corona-Regeln verstoßen: Sie haben in einer großen Gruppe gemeinsam gefeiert, obwohl das gerade verboten ist, keiner hielt Abstand, keiner trug eine Maske und die Sperrstunde, ab der in Dresden ein Ausgangsverbot herrscht, war auch schon vorbei.

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Spartenvorstand nimmt Stellung

Daniel Geier, der Pächter des Lokals, gehörte nicht zu den Feiernden. Gegen ihn hat die Polizei auch kein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Er war nach eigenen Angaben nicht bei der Feier dabei, gehörte also auch nicht zu dem knappen Dutzend Partygäste, das verschwunden war, bevor die Polizei zugegriffen hat.

Auf SZ-Anfrage berichtete Geier am Sonntag, er habe an diesem Abend bis 23.30 Uhr für den Winterdienst der Bahn gearbeitet und von der Party nichts gewusst. An diesem Dienstag war er kein zweites Mal zu den Vorwürfen zu sprechen. Geier muss damit rechnen, dass er Ärger vom Vorstand der Gartensparte bekommt.

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Zwar war auch die Vorsitzende Renate Fleischer nicht für die SZ zu sprechen, schriftlich verwies sie aber auf eine Stellungnahme des Vorstands auf der Internetseite der Gartensparte. "Von diesem Ereignis distanziert sich der Vorstand", heißt es dort. Es habe sich weder um eine Vereinsveranstaltung noch um eine Feier gehandelt, die von Gartenpächtern organisiert und vom Verein geduldet wurde. "Offensichtlich hat das Fehlverhalten des Vereinshauspächters ermöglicht, dass unbefugte Dritte die Schlüssel erhielten und statt bei Renovierungsmaßnahmen zu helfen, eine Party organisiert haben."

Stadtverband will mehr wissen

Daniel Geier hat am Sonntag selbst von diesem "Fehler" berichtet. Der Schlüssel für das Haus wurde draußen versteckt gelagert, sagte der 19-Jährige, der das Vereinsheim erst seit knapp drei Monaten betreibt. "Freunde und Bekannten" hätten davon gewusst, so konnten sie in das Haus gelangen. Der Spartenvorstand prüft jetzt, wie dieses "Fehlverhalten" vereinsrechtlich zu ahnden ist.

Dabei wird er vom Stadtverband Dresdner Gartenfreunde beraten. Dessen erster Vorsitzender Frank Hoffmann erklärte am Dienstag, die Polizei untersuche derzeit, wer für das Öffnen des Vereinslokals und die Party verantwortlich ist. Der Stadtverband habe einen Anwalt beauftragt, dazu Akteneinsicht zu nehmen. Außerdem würden "vereins- und pachtrechtliche Konsequenzen geprüft", sofern es sich bei einzelnen Partyteilnehmern um Vereinsmitglieder handele. Sie müssten mit einer Abmahnung oder auch mit einer Kündigung ihres Unterpachtvertrags rechnen. Und Vereinsfremde müssen mit einem Verbot rechnen, die Anlage künftig betreten zu dürfen.

Dresdner Polizei plant Kontrollen

Was das konkret für den 19-jährigen Vereinsheim-Pächter heißen kann, ließ Hoffmann offen. Wenigstens für sein "Fehlverhalten", den Schlüssel nicht bei sich gehabt zu haben, sondern ihn in einem Versteck zu lagern, das auch andere Menschen kennen, muss er voraussichtlich mit Folgen rechnen. Ob er auch für die illegale Party in seinem Lokal eine Mitverantwortung hat, müssen Polizei und Ordnungsamt prüfen.

Dem Polizisten, der bei dem Einsatz in der Nacht zum Sonntag verletzt wurde, geht es inzwischen wieder gut. Als seine Kollegen Pfefferspray einsetzten, um die rebellierenden Partygäste zu bändigen, bekam auch er etwas davon ab. Er sei bei dem nächtlichen Einsatz auf der Saalhausener Straße leicht verletzt worden, teilte Polizeisprecher Marko Laske mit.

Den fast vierstündigen Einsatz beendeten die Beamten dennoch erfolgreich. Jetzt planen sie, das Gartenlokal der Sparte künftig genauer im Blick zu behalten, "damit sich dort nicht ähnliche Vorfälle wiederholen".

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