merken
PLUS Dresden

Corona in Dresden: "Positive Tests häufen sich"

Seit einer Woche können die Dresdner im Kulturpalast kostenlos einen Schnelltest machen lassen. Wie das funktioniert und wie viele Tests positiv ausfallen. Ein Report.

Der Empfangstresen im Coronatestzentrum im Kulturpalast Dresden.
Der Empfangstresen im Coronatestzentrum im Kulturpalast Dresden. © Marion Doering

Dresden. Am Seiteneingang des Kulturpalastes herrscht Aufregung. Eine junge Frau wedelt mit einem Zettel, sie komme gerade aus der Apotheke, erzählt sie aufgeregt, hat dort einen Schnelltest gemacht. "Der ist positiv, und nun wurde ich hierher geschickt." Sie ist an diesem Montag nicht die einzige.

Bis zum Mittag haben die Johanniter im neuen Testzentrum mitten in der Dresdner Altstadt bereits 45 Abstriche für PCR-Tests vorgenommen. Am Nachmittag werden es mehr als 60 sein. Mit dem genaueren Verfahren soll im Labor überprüft werden, ob das Ergebnis des Schnelltests stimmt - und das ist sehr wahrscheinlich. Getestet wird auch, wer direkten Kontakt zu einem Infizierten hatte.

Anzeige
Dynamische Verstärkung gesucht
Dynamische Verstärkung gesucht

Zur Verstärkung ihres Teams sucht die A4RES Gruppe Bautzen motivierte Immobilienkaufleute (m/w/d) für die Verwaltung ihrer Objekte.

Sophie Koch von den Johannitern beruhigt die junge Frau und ruft einen Mitarbeiter, der sie in das Testzentrum begleitet. Wer mit einem positiven Schnelltest kommt, muss in einem separaten Bereich Platz nehmen. Er ist am Montagmittag gut gefüllt, alle Stühle sind besetzt. "Die positiven Tests nehmen deutlich zu", sagt Sophie Koch.

Wie auf einem städtischen Amt: Wer sich testen lassen will, zieht eine Nummer. Auf einem Bildschirm wird angezeigt, welche Nummer zum Test kann und für wen das Ergebnis vorliegt.
Wie auf einem städtischen Amt: Wer sich testen lassen will, zieht eine Nummer. Auf einem Bildschirm wird angezeigt, welche Nummer zum Test kann und für wen das Ergebnis vorliegt. © Marion Doering

Auch im Bereich nebenan ist kaum noch Platz. Dort warten gut 50 Menschen darauf, dass ihre Nummer auf einem Bildschirm angezeigt wird. Einige lesen Zeitung, andere schauen durch die großen Fenster auf den Altmarkt, Kinder quengeln. Die Menschen, die hier warten, nutzen im Kulturpalast die Möglichkeit, sich einmal wöchentlich mittels eines Antigen-Schnelltests auf eine Corona-Infektion testen zu lassen. Derzeit gibt es in Dresden etwa 50 dieser Zentren, die vom Gesundheitsamt beauftragt werden.

Neben dem Testzentrum im Kulturpalast, das erst am vergangenen Montag eröffnet hat, betreiben die Johanniter ein Zentrum in Hellerau und eines an der Grenze zu Heidenau. Während dort rund 400 Abstriche täglich gemacht werden, sind es im Kulturpalast im Schnitt 800. Insgesamt waren es im "Kulti" knapp 4.800 Tests in den ersten sieben Tagen, am Wochenende war die Nachfrage mit 600 Tests nicht ganz so hoch, wie erwartet.

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Montags und freitags nutzen die Dresdner das Schnelltest-Angebot verstärkt, hat Roy-Udo Heim beobachtet. Er koordiniert die Tests im Kulturpalast nun seit einer Woche, inzwischen laufe alles reibungslos, die Wartezeiten haben sich von fast einer Stunde auf 15 bis 30 Minuten reduziert, so Heim. Acht bis zehn Mitarbeiter sind im Kulturpalast im Einsatz, und die haben an den starken Tagen alle Hände voll zu tun. "Am vergangenen Freitag haben wir hier 1.011 Tests durchgeführt."

Sophie Koch und Roy-Udo Heim von den Johannitern kümmern sich im Kulturpalast um einen reibungslosen Ablauf bei den Schnell- und PCR-Tests.
Sophie Koch und Roy-Udo Heim von den Johannitern kümmern sich im Kulturpalast um einen reibungslosen Ablauf bei den Schnell- und PCR-Tests. © Marion Doering

Auch Roy-Udo Heim stellt fest, dass immer mehr von ihnen positiv ausfallen. Bevor die Johanniter in den Kulturpalast umgezogen sind, waren sie gut zwei Wochen in einem Zelt in der Dresdner Messe untergebracht. "Da hatten wir täglich fünf bis acht positive Tests, in der vergangenen Woche waren es zehn bis 15 am Tag." An diesem Montag sind es schon mehr als 60.

Das zeige doch, wie wichtig es ist, dass mit den Schnelltests auch jene Infektionen erkannt werden, von denen der Infizierte gar nichts merkt und die er sonst an andere Menschen weitergeben würde, sagt Sophie Koch. Im Testzentrum bekommt nur einen Abstrich, wer keine Symptome hat. Fühlt sich jemand krank, muss er für einen PCR-Test zu seinem Hausarzt gehen.

Das Wichtigste zum Coronavirus in Dresden:

Gesund und vor allem neugierig, wie das mit dem Schnelltest funktioniert, ist Juliane Stark. Mit ihrem Mann und ihrem Baby ist die junge Frau am Montag aus Cotta in die Altstadt gekommen, um sich auf das Coronavirus testen zu lassen. "Wir wollten uns das mal anschauen, und hier im Kulturpalast musss man sich vorher keinen Termin dafür holen", erzählt die Mutter. In den meisten der 50 Testzentren ist das so spontan indes nicht möglich, auch aus Platzgründen.

Im weitläufigen Foyer des Kulturpalastes können sich die Wartenden aber gut verteilen, das System mit den Wartenummern funktioniert wie auf einem Amt. Mitgebracht werden muss für den Schnelltest nur der Ausweis, für den PCR-Test ist auch die Krankenkarte nötig. Dort, wo normalerweise die Gäste der Dresdner Philharmonie das Foyer betreten und ihre Jacken und Mäntel an der Garderobe abgeben, stehen jetzt acht Kabinen. Die Mitarbeiter in Vollschutz nehmen dort die Abstriche vor, dann heißt es für den Getesteten, weitere 15 Minuten warten.

Wo Gäste sonst ihre Mäntel an der Garderobe abgeben, haben die Johanniter acht Testkabinen eingerichtet.
Wo Gäste sonst ihre Mäntel an der Garderobe abgeben, haben die Johanniter acht Testkabinen eingerichtet. © Marion Doering

Angeboten wurde der Standort den Johannitern von der Stadt, die ein gut erreichbares Testzentrum schaffen wollte. Das Zelt in der Messe war ohnehin nur zeitlich befristet nutzbar. "Wir sind sehr glücklich, dass wir hier einen so zentralen Platz in Dresden gefunden haben", sagt Roy-Udo Heim. Die Anbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln passt, auch mit dem Fahrrad ist das Testzentrum gut zu erreichen.

Die Diskussion, die zuletzt in den sozialen Netzwerken aufkam, dass Autofahrer im Zentrum nur schwer einen Parkplatz finden würden, kann er nicht nachvollziehen. "Es gibt mehrere Parkhäuser in der Umgebung, da ist immer etwas frei." Unabhängig davon suche die Stadt derzeit nach weiteren Standorten für größere Testzentren abseits von der Innenstadt, erklärt Heim.

Auch Juliane Stark, die am Montag mit dem Auto zum Test gekommen ist, bestätigt, dass sie in der Tiefgarage unter dem Altmarkt problemlos einen Parkplatz gefunden hat. Für einen bestimmten Anlass braucht sie das negative Testergebnis dieses Mal nicht, erzählt sie. Aber so sei sie vorbereitet, wenn ein Test später etwa für den Restaurant- oder Konzertbesuch nötig sein wird.

Bis zu 1.000 Tests können im Kulturpalast täglich gemacht werden. Noch ist viel Papierkram nötig, doch das Testergebnis kann per App auch digital aufs Handy geschickt werden.
Bis zu 1.000 Tests können im Kulturpalast täglich gemacht werden. Noch ist viel Papierkram nötig, doch das Testergebnis kann per App auch digital aufs Handy geschickt werden. © Marion Doering

Schon jetzt würden aber auch viele kommen, weil sie den Nachweis für einen Kosmetiktermin oder für den Arbeitgeber brauchen, sagt Sophie Koch. Wer regelmäßig Kontakt zu Kunden hat, muss sich einmal wöchentlich testen lassen. Den Nachweis über den Schnelltest kann man sich mit der App Pass4all übrigens aufs Handy schicken lassen. Damit entfällt auch die Wartezeit, bis das Ergebnis da ist.

Weiterführende Artikel

Wo weitere Testzentren in Dresden entstehen

Wo weitere Testzentren in Dresden entstehen

In einigen Stadtteilen müssen Einwohner weite Wege in Kauf nehmen, um kostenfreie Tests zu bekommen. Wo die Wege kürzer werden - der große Überblick.

Wieder Astrazeneca-Impfungen in Dresden

Wieder Astrazeneca-Impfungen in Dresden

Am Wochenende kommen knapp 2.000 Impfwillige ins Impfzentrum Dresden. Dort geht es nach kurzer Zwangspause mit dem Impfstoff Astrazeneca weiter. Ein Report.

Corona: Dresden setzt auf neue Handy-App

Corona: Dresden setzt auf neue Handy-App

In Dresden wurde ein Programm für die Kontaktnachverfolgung in der Pandemie entwickelt: Pass4all. Was es kann und wer es nutzen sollte.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden