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Tanzschulen: "Uns steht das Wasser bis zum Hals"

Die Dresdner Tanzschulen können nicht länger die Füße stillhalten. Für Dana Winter und Sandro Zinke geht es um die Rettung ihres Lebenswerks.

Dana Winter und Sandro Zinke betreiben seit 18 Jahren ihre Salsa-Tanzschule am Trachenberger Platz in Dresden.
Dana Winter und Sandro Zinke betreiben seit 18 Jahren ihre Salsa-Tanzschule am Trachenberger Platz in Dresden. © privat

Dresden. Der große Raum mit dem glänzenden Parkett ist leer. Mit weißem Band abgeklebte Vierecke und Pfeile erinnern an die verzweifelten Bemühungen im ersten Lockdown, weiterhin Tanzkurse anbieten zu können.

Doch seit Herbst tanzt in der Salsa-Tanzschule Sandana am Trachenberger Platz niemand mehr. Die Corona-Schutzverordnung lässt momentan kein gemeinsames Tanzen zu - und auch die kommenden Versionen werden das höchstwahrscheinlich nicht.

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"Wir müssen also weiter mit ansehen, wie unser Lebenswerk zerbröckelt", sagt Dana Winter, die die Tanzschule 2003 gemeinsam mit Sandro Zinke gegründet hat. Seitdem ist sie mit 200 bis 300 Schülern pro Durchgang zu einer der größten Salsa-Tanzschulen in Dresden gewachsen und arbeitet unter anderem mit der TU Dresden zusammen.

Neben Salsa können hier normalerweise auch Discofox, Latinotänze und Cha Cha Cha erlernt werden. Die Choreographien für die hauseigene Sandana-Showtanzgruppe entwickelt die 41-Jährige zum größten Teil selbst.

Doch wann wird all das wieder erlebbar sein können? Im vergangenen Jahr konnte die Salsa-Tanzschule nur von Juli bis Oktober geöffnet werden, und selbst da merkten die Betreiber deutlich die Verunsicherung ihrer Tänzer.

"Ich habe inzwischen keine Kraft mehr, mir immer wieder selbst Hoffnung zu machen", sagt Dana Winter, die sich nun mit einem emotionalen Schreiben an ihre Tanzschüler gewandt hat. Darin beschreibt sie, dass ihre Tanzschule seit Monaten fast keine Einnahmen habe und sie bislang vergeblich auf die staatlichen Hilfen warte. Gleichzeitig müsse sie aber weiterhin die volle Miete bezahlen.

In der Salsa-Tanzschule Sandana erinnern noch die Klebebänder auf dem Parkett an den Versuch, alle Hygieneauflagen zu erfüllen.
In der Salsa-Tanzschule Sandana erinnern noch die Klebebänder auf dem Parkett an den Versuch, alle Hygieneauflagen zu erfüllen. © privat

"Um wenigstens privat überleben zu können, wollte ich den Lebensunterhalt durch einen vorübergehenden Job bestreiten", schreibt sie. Um perspektivisch überhaupt Hilfen bekommen zu können, sei dafür allerdings nur ein Minijob auf 450-Euro-Basis infrage gekommen. "Unsere Situation stellt sich nun so dar, dass wir es nicht einmal mehr zwei Monate schaffen, durch Erspartes zu überleben. Uns steht das Wasser bis zum Hals."

"Es wird noch sehr, sehr lange an die Substanz gehen"

Auch andere Dresdner Tanzschulen blicken sorgenvoll in die Zukunft. Viele versuchen sich mit Onlineangeboten zu helfen, die allerdings kein gleichwertiger Ersatz sein könnten. "Es fehlt einfach das Gefühl Tanzschule", sagt Matthias Fischer vom Tanzstudio Fischer. "Man geht ja auch nicht ins Restaurant, weil man zu Hause nichts zu essen hat."

Im Vergleich zu den Vorjahren sei die Lage in seinem Studio besorgniserregend, allerdings nicht hoffnungslos. Die staatlichen Hilfen kämen hier zwar an. "Sie reichen jedoch nicht, um in Euphorie zu verfallen."

Jaqueline Weise von der Tanzschule Weise verliert zunehmend die Geduld. "Selbst wenn wir den Lockdown überstehen, heißt das ja nicht, dass wir wieder mit der vollen Kursstärke arbeiten dürfen", sagt sie. "Es wird noch sehr, sehr lange an die Substanz gehen." Die nun immer häufiger gehörte Aussage, man sehe Licht am Ende des Tunnels, sei für sie und ihren Berufsstand "der blanke Hohn".

Virtuelles Treffen mit Barbara Klepsch

Der Tanzschule Nebl ist der Vermieter immerhin mit der Stundung der Miete entgegengekommen. "Es wird schon immer schwieriger, aber ich denke, dass das Tanzen niemals verschwinden wird", sagt Kersten Nebl. Es sei einfach eine der schönsten Möglichkeiten, Menschen zueinander zu bringen.

Lange habe Dana Winter von der Salsa-Tanzschule gezögert, ihr Leid nach außen zu tragen, doch nun habe sie nichts mehr zu verlieren. "Die Alternative für uns wäre ein stiller Untergang. Wir sind sicherlich nicht systemrelevant aber könnt Ihr euch ein Leben ohne Tanzkurse oder Tanzveranstaltungen vorstellen?"

Wer ihre Tanzschule unterstützen wollen, könne das vor allem durch die Buchung der neuen Online-Lehrvideokurse tun oder Werbung dafür machen. "Das ist für die nächsten Monate unsere einzige Einnahmequelle."

Um über die Notsituation zu diskutieren, ist für kommenden Mittwoch ein virtuelles Treffen von Vertretern sächsischer Tanzschulen mit etwa 20 Landtagsabgeordneten und Sachsens Kulturstaatsministerin Barbara Klepsch geplant.

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