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Weitere Delta-Fälle an Dresdner Schulen

Insgesamt neun Schulen sind in Dresden von Corona-Infektionen betroffen. In fast allen Fällen handelt es sich um die Delta-Variante. Wie geht es im Herbst weiter?

Insgesamt werden nur noch wenige Corona-Neuinfektionen gemeldet. Von den zwölf bekannten Neuinfektionen an Dresdner Schulen sind jedoch elf auf die neue Delta-Variante zurückzuführen.
Insgesamt werden nur noch wenige Corona-Neuinfektionen gemeldet. Von den zwölf bekannten Neuinfektionen an Dresdner Schulen sind jedoch elf auf die neue Delta-Variante zurückzuführen. © Peter Kneffel/dpa (Symbolfoto)

Dresden. Das Dresdner Gesundheitsamt meldet aktuell zwar nur wenige Neuinfektionen. Doch vorbei ist die Pandemie nicht und an den Schulen in der Stadt gibt es immer wieder neue Corona-Fälle. Auch mit der hochansteckenden Delta-Variante des Virus. Besonders betroffen ist derzeit das Bertolt-Brecht-Gymnasium in der Johannstadt.

Was ist über die Fälle bekannt?

Bereits Mitte Juni ist ein Fall mit der Delta-Variante am Bertolt-Brecht-Gymnasium gemeldet worden. Dieser stand im Zusammenhang mit dem Ausbruch der Mutante im Wohnhaus an der Altenzeller Straße. Nun ist eine weitere Infektion mit dem Coronavirus an der Schule bekannt geworden. "Auch hier ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich um die Delta-Variante handelt", schreibt Schulleiter Marcello Meschke an die Eltern.

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Deshalb befanden sich bis zum Dienstag 29 Personen, die an der Schule lernen und arbeiten, in Quarantäne. Dabei handelte es sich um enge Kontaktpersonen.

Nach Auskunft der Eltern seien alle Kinder, die als enge Kontaktpersonen eingestuft wurden, gesund. Auch die betroffenen Lehrkräfte hätten keine Symptome, "sodass wir zunächst davon ausgehen, dass sie sich nicht angesteckt haben", schreibt Meschke weiter. Die Kinder, die zu Hause bleiben musste, haben in den vergangenen Tagen Aufgaben über die Lernplattform Lernsax erhalten.

Gibt es Fälle an anderen Dresdner Schulen?

Ja, aktuell sind neun Schulen betroffen. Laut Gesundheitsamt gibt es an der 8. Grundschule, der Förderschule "Am Leutewitzer Park", der Uni-Schule, der Robinson-Förderschule und der 46. Oberschule in der Südvorstadt, der Dinglinger-Förderschule und dem Bertolt-Brecht-Gymnasium in der Johannstadt, der 96. Grundschule in Seidnitz und der 120. Grundschule in Prohlis insgesamt zwölf bestätigte Infektionen.

"Davon sind elf Fälle auf die Delta-Variante zurückzuführen", sagt Frank Bauer, Leiter des Dresdner Gesundheitsamtes auf SZ-Anfrage. Vom Bertolt-Brecht-Gymnasium wurden dem Gesundheitsamt im Juni bis zum Stand Dienstagmorgen insgesamt vier positive Fälle gemeldet. Bauer betont, er könne zu den Fällen keine Details nennen. "Hintergrund ist, dass angesichts des erfreulicherweise geringer werdenden Fallgeschehens die Benennung der Delta-Variante, bezogen auf bestimmte Schulen, einer Offenbarung der Diagnose beziehungsweise der festgestellten Virusvariante bei einzelnen Personen gleichkommt." Aus diesem Grund könne er nur die Gesamtzahl mitteilen.

Wie viele Personen befinden sich in Quarantäne?

Laut Gesundheitsamt befanden sich am Dienstag insgesamt 180 Schüler und Lehrer in Quarantäne. Am stärksten betroffen ist aktuell die 120. Grundschule. Dort müssen 67 Personen zu Hause bleiben. An drei der neun Schulen sind noch nicht alle engen Kontaktpersonen ermittelt worden.

Im Vergleich zur Corona-Lage im Winter sind das trotzdem wenige Infektions- und Quarantäne-Fälle. Damals durften zeitweise mehr als 2.000 Schüler, Lehrer, Kita-Kinder und Erzieher die städtischen Einrichtungen nicht besuchen. Aktuell sind dagegen ausschließlich Schulen betroffen. Einen Corona-Fall an einer Dresdner Kita gibt es laut Gesundheitsamt momentan nicht.

Droht im Herbst eine Corona-Welle in den Schulen?

In knapp drei Wochen beginnen die Sommerferien. Doch wie geht es danach weiter? Immerhin breitet sich die Delta-Variante in Dresden aus und die Ständige Impfkommission hat bisher keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ausgesprochen. Droht im Herbst eine vierte Welle, die vor allem in den Schulen grassieren wird?

Jens Reichel, Schulleiter am Gymnasium Bürgerwiese, hat noch keinerlei Informationen zu baulichen Schutzmaßnahmen wie Luftfiltern. "Aktuell weiß ich noch nicht, ob in die Richtung etwas geplant ist. Wir können verlässlich nur auf Lüften und Maske tragen im Herbst setzen."

SPD-Bildungsexpertin Dana Frohwieser blickt mit Sorgen auf das Ferienende. "Nach monatelangen Schulschließungen droht im Herbst das nächste Chaos auf dem Rücken von Kindern und Jugendlichen." Sie bemängelt den bisher fehlenden Willen von Stadt und Kultusminister, Luftfilteranlagen in Kitas und Schulen einzubauen.

"Während die meisten Arbeitgeber ohne Homeoffice-, Masken- oder Testpflicht in der gesamten Pandemie weitgehend unbehelligt weitermachen durften, wurden vielen Kindern und Jugendlichen massive Einschränkungen mit verheerenden Folgen für ihre Entwicklung zugemutet", kritisiert Frohwieser. Es gebe nicht die eine Maßnahme, dieses Virus zu bekämpfen. "Selbst wenn Luftfilteranlagen daher nicht die einzige Lösung sind, sie helfen, und sie schaden vor allem nicht." Müden Kindern fehle im Unterricht häufig einfach die frische Luft. "Und Luftfilteranlagen sind ein Preis, den wir zahlen müssen, wenn wir erneute Schulschließungen verhindern wollen."

Wie begründet die Stadt, dass es bis heute keine Luftfilter gibt?

Im Februar brachten die Fraktionen von Grünen, Linken und SPD gemeinsam einen Antrag für den Einbau von Luftfilteranlagen in den Stadtrat ein. In einer Beschlusskontrolle erklärte die Stadtverwaltung Ende April, dass sie die Anschaffung von Luftfiltern für den Schulbetrieb derzeit nicht plane: „Ob und inwieweit unter den gegebenen Umständen eine Luftreinigung im Sinne des Infektionsschutzgesetzes möglich ist, kann durch den Schulträger nicht beurteilt werden, da hierzu dezidierte Untersuchungen zu Aerosolströmungen erforderlich wären.“ Der Bund hatte im Juni ein Förderprogramm für den Einbau solcher Luftfilter in Schulen, Kitas und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe geschaffen. Bis zu 500.000 Euro pro Einrichtung würde es an Fördermitteln geben.

"Diese Stadt hat genug Gelder für Weihnachtsmärkte, Wirtschaftshilfen, Tourismus und Luxusprojekte wie den Fernsehturm, aber keins für Kinder, und sie schlägt dann auch noch Bundesfördermittel aus?", kritisiert Frohwieser die Antwort der Stadt.

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In der Sitzung des Bildungsausschusses Ende Juni habe die Verwaltung gegen die Filter argumentiert, deren Wirkung wäre nicht erwiesen. Fest installierte Anlagen wären gegenüber mobilen wegen Unfallgefahren besser. Das Bundesförderprogramm wäre schlecht, man müsse das Geld bis Ende 2021 verbauen, hieß es damals, erinnert sich Frohwieser. Die Stadt führte weitere Argumente ins Feld: Das Geld, das Dresden selbst aufbringen müsse, würde dann für andere wichtige Schulbaumaßnahmen fehlen. Außerdem wären für fest eingebaute Lüfter aufwendige Planungen nötig. Dafür fehlten Zeit und Personal. Darüber hinaus funktioniere der Einbau nicht im laufenden Schulbetrieb. Aus Nachhaltigkeitsgründen sollen Lüftungsanlagen nur bei zukünftigen Bau- und Sanierungsmaßnahmen eingeplant werden.

Somit bleibt den Lehrern im Herbst nichts anderes übrig, als durch regelmäßiges Lüften der Klassenräume die Infektionsgefahr zu senken.

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