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Corona: Dresdner Friseure arbeiten am Limit

Die Friseur-Salons müssen ab Mittwoch schließen. Wie sie den Ansturm jetzt meistern und auch im Lockdown weiterhin für ihre Kunden da sein wollen.

Madlen Wenerski war Anfang Mai sehr froh über das Ende des Lockdowns. Dass es der erste von mindestens zweien sein würde, konnte sie damals noch nicht wissen. Nun ist das Schreckgespenst Realität.
Madlen Wenerski war Anfang Mai sehr froh über das Ende des Lockdowns. Dass es der erste von mindestens zweien sein würde, konnte sie damals noch nicht wissen. Nun ist das Schreckgespenst Realität. © Marion Doering

Dresden. Ab Mittwoch müssen bundesweit die Friseure wieder schließen. So hat es die Bundesregierung zum Schutz vor dem Coronavirus beschlossen. Wer also vor Weihnachten noch einmal Waschen, Schneiden oder Färben wünscht, muss sich mehr als beeilen. Die Dresdner Friseure sprechen von einem Ansturm auf ihre Salons.

"Wir waren für Montag und sind für Dienstag komplett ausgebucht", erzählt Christoph Steinigen, Chef des Neustädter Friseurs Director's Cut. Alle wollen sich vor dem Fest noch einmal schön machen lassen, bevor die Läden dann bis mindestens 10. Januar schließen.

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Bis 22 Uhr stehen der Chef und seine Mitarbeiter im Salon in diesen Tagen, um noch möglichst viele Kunden zu bedienen. Er versteht, dass jetzt Maßnahmen dringend nötig sind, trotzdem sei der Zeitpunkt für die Branche sehr ungünstig. "Der Dezember ist einer der umsatzstärksten Monate im ganzen Jahr, bevor der Januar und Februar dann eher etwas abfallen."

Friseure setzen auf Online-Handel

"Ab Donnerstag konzentrieren wir uns dann auf unseren Online-Shop und verkaufen Gutscheine und Produkte wie Shampoo und Conditioner", so Steinigen. Damit es möglichst wenig "Unfälle" mit Selbstversuchen der Kunden gibt, verschickt der Salon auch Haarfärbesets für Zuhause. Darin enthalten: der Farbton, den die oder der Kunde auch im Salon immer nutzt, Pinsel und Becher zum Auftragen. "Im Frühjahr haben einige unserer Kunden auch selbst Hand angelegt mit Schneiden oder Farbe aus der Drogerie, aber wir konnten jedes Missgeschick retten", erzählt der Friseur mit einem Schmunzeln.

Steinigen geht nicht davon aus, dass die Friseure wirklich am 10. Januar wieder öffnen, dafür seien die Infektionszahlen aktuell zu hoch, aber wenn, dann seien sein Team und er vorbereitet. "Anders als im Frühjahr hat die Branche ja jetzt alles angeschafft wie Handschuhe, Plexiglaswände und Einmal-Umhänge und könnte von heute auf morgen wieder starten", sagt er. Bis dahin bummelt sein Team Überstunden ab, nimmt Resturlaub und ein paar Kollegen seien auch in Kurzarbeit.

Friseurinnung kritisiert kurzfristige Entscheidung

Beatrice Kade, Geschäftsführerin der Dresdner Friseurinnung, hat seit vergangenem Freitag unzählige Telefonate geführt. Zur Innung gehören 75 Friseurbetriebe, viele mit mehreren Filialen, die nun mit dem Hin und Her der Corona-Verordnungen ein richtiges Problem haben, so die Innungschefin. Zunächst kam am Freitag die sächsische Verordnung, die den Weiterbetrieb der Salons vorsah, einen Tag später die Entscheidung des Bundes, dass Friseure ab 16. Dezember schließen müssen.

"Viele Betreiber sind mit ihren Mitarbeitern am Sonntag in die Salons gegangen und mussten ihre Kunden anrufen", berichtet Beatrice Kade. Zum einen, um noch einen Termin in den verbleibenden zwei Öffnungstagen anzubieten, zum andern, um Termine nach dem 15. Dezember abzusagen. "Die große Frage ist nun auch, ob Friseure ab 11. Januar wieder neue Termine anbieten können." Viele Kollegen hätten das gemacht - sollte der Lockdown darüber hinaus gelten, wäre diese Arbeit völlig umsonst gewesen.

Beatrice Kade ist verärgert, kritisiert die Arbeitsweise der Regierung, die nicht nachvollziehbar sei und deren kurzfristige Entscheidung nun für die Branche enorme Auswirkungen habe. "Der Dezember ist in unserem Handwerk der wichtigste Monat. Diese Einnahmen fehlen den Betrieben. Und ob und wann die Friseure Corona-Hilfen bekommen, wissen wir nicht."

"Unsere Kunden tragen es mit Fassung"

Dazu komme, dass aufgrund der Abstandsregelungen und Hygienekonzepte die Salons derzeit nicht volle Kraft fahren können. Das heißt, es dürfen nur wenige Kunden gleichzeitig im Salon sein, wodurch den Unternehmen Umsatz verloren geht. Auch Beatrice Kade bestätigt, dass Friseure nun mit längeren Öffnungszeiten und anderen Ideen wie dem Verschicken von Haarfärbesets versuchen ihre Kunden noch so gut es geht zu bedienen und Geld einzunehmen. "Vor allem für die älteren Kunden ist es dennoch ein Problem, wenn der Friseur vier Wochen geschlossen ist."

Bei allem Ärger und Stress - Madlen Wenerski sieht zuerst das Positive: "Unsere Kunden tragen die neue Salonschließung mit Fassung", sagt die Friseurmeisterin. Anlässlich des ersten Lockdowns im Frühjahr hätten sie das Prozedere bereits erprobt. Dennoch sei es eine immense Anstrengung für sie und ihr Team, zunächst jeden einzelnen, der weiter als 15 Kilometer von Dresden entfernt wohnt, anzurufen und abzusagen oder bestenfalls einen Ausweichtermin anzubieten. Als Sachsen die Coronaregeln im Alleingang verschärfte, war genau das geboten. Jetzt betrifft die Schließung des Intercoiffures an der Ostra-Allee noch viel mehr Kunden.

"Wir vergeben nun Termine ab dem 10. Januar, ohne zu wissen, ob wir dann wirklich wieder öffnen dürften." Wenn nicht, beginne der telefonische Marathon von vorn. Am wichtigsten aber sei, dass die angekündigten staatlichen Hilfen endlich greifen. "Rücklagen sind gut und wichtig, aber sie reichen nicht ewig", sagt Madlen Wenerski. Das mache ihr Sorgen.

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