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Deutschland & Welt

Wohl kein Babyboom durch Corona

Die Zahl der Geburten bis August zwar leicht gestiegen, doch ein sattes Plus infolge der Krise lässt sich nicht erkennen. Doch etwas anderes ist auffällig.

Hat die Corona-Pandemie deutlich spürbare Auswirkungen auf die Zahl der Geburten in Deutschland? Nach bisher bekannten Daten nicht.
Hat die Corona-Pandemie deutlich spürbare Auswirkungen auf die Zahl der Geburten in Deutschland? Nach bisher bekannten Daten nicht. © dpa/Sebastian Gollnow

Wiesbaden. In Deutschland sind in diesem Jahr bis August mehr Kinder zur Welt gekommen als im Vorjahreszeitraum. Das Plus beträgt 1,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden unter Berufung auf vorläufige Zahlen mitteilte.

Rund 524.000 Kinder wurden demnach geboren. Ob sich in den Zahlen ein Corona-Effekt zeigt, sei angesichts des nur leichten Zuwachses schwer zu sagen, sagte die Demografie-Expertin im Statistischen Bundesamt, Olga Pötzsch.

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Das gelte auch für eine Auffälligkeit bei den Zahlen, nämlich eine deutliche Zunahme der Geburten von Geschwisterkindern - also zweiten, dritten und weiteren Kindern - zwischen März und April im Vorjahresvergleich.

Die Schwangerschaften begannen im Juni und Juli 2020, als sich die Pandemiesituation nach dem ersten Lockdown zwischenzeitlich entspannt hatte. Im März 2021 seien knapp fünf Prozent mehr erste Kinder als im Vorjahresmonat geboren worden, rund acht Prozent mehr zweite Kinder und rund elf Prozent mehr dritte und weitere Kinder.

"Das ist eine ungewöhnliche Entwicklung, es ist aber unklar, ob sie ein Corona-Effekt ist", sagte Pötzsch. Möglicherweise hätten Eltern, die bereits einen weiteren Kinderwunsch hatten, diesen vorgezogen, weil sie mehr Zeit für die Familie gehabt hätten. Die Zunahme der Geburten von Geschwisterkindern war temporär und hat sich ab Mai 2021 nicht weiter fortgesetzt.

Zunahme der Geburten im Westen, Rückgang im Osten

Auch bei Betrachtung der Gesamtzahlen zeigen sich zwischen den einzelnen Monaten deutliche Unterschiede. Im Januar gab es kaum eine Veränderung im Vergleich zum Vorjahresmonat, im Februar und April einen Anstieg um rund drei Prozent und im März dann um rund sieben Prozent. Von Mai bis Juli sanken die Zahlen dagegen nach Angaben des Bundesamts leicht, für August fehlen noch die Daten für einen solchen Vergleich.

Im ersten Halbjahr verzeichnete Westdeutschland im Vorjahresvergleich ein Plus um 2,6 Prozent, in den ostdeutschen Bundesländern einschließlich Berlins nahm sie dagegen um 2,1 Prozent ab. Beispiel Sachsen: Hier wurden von Januar bis August 2020 exakt 22.387 Jungen und Mädchen geboren. Von Januar bis August 2021 waren es den vorläufigen Zahlen zufolge nur 21.499 Geburten im Freistaat.

Im Osten setze sich damit der rückläufige Trend der vergangenen Jahre fort, wie das Bundesamt mitteilte. Die Zunahme im Westen weiche dagegen von der bisherigen eher stagnierenden Entwicklung ab.

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Die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, hänge auch stark von der Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung ab, sagte Expertin Pötzsch. Bei großer ökonomischer Unsicherheit werde diese aufgeschoben. Möglicherweise könnten weitere Daten aus dem Mikrozensus zum wirtschaftlichen und sozialen Hintergrund der Eltern, die für nächstes Jahr erwartet werden, Aufschluss über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Familiengründung geben. (dpa)

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