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Corona: Droht Tschechien der nächste Lockdown?

Vergangene Woche hat Tschechien die Corona-Regeln gelockert. Doch nun steigen die Zahlen wieder an. Das hat nicht nur für die Wintersportgebiete Folgen.

Der harte Lockdown in Tschechien ist erstmal vorbei - die Hygieneregeln bleiben aber bestehen.
Der harte Lockdown in Tschechien ist erstmal vorbei - die Hygieneregeln bleiben aber bestehen. © Vit Simanek/CTK/dpa

Von unserem Korrespondenten Hans-Jörg Schmidt in Prag

Ministerpräsident Andrej Babiš und andere in der tschechischen Regierung hatten von Beginn an kein gutes Gefühl gehabt. Doch der Druck aus Handel und Gastgewerbe sowie aus dem Schulressort war so groß, dass das Kabinett vergangenen Donnerstag das Land aus dem sechswöchigen Lockdown holte. Geschäfte und Restaurants öffneten wieder, ebenso die Schulen. Die nächtliche Ausgangssperre wurde gleichfalls aufgehoben.

Unglücklicherweise begannen an genau jenem Donnerstag auch die Infektionsraten neuerlich zu steigen. Bis auf einen Tag am Wochenende, wo aber weniger getestet wird, gehen sie wieder hoch. Nicht übermäßig, aber stetig. Am Montag lag der Zuwachs bei den positive getesteten Menschen bei 4.239 und damit um 666 höher als am Montag in der Woche davor. Auch die Zahl der Patienten in den Kliniken erhöht sich. Und die Zahl der Toten seit Beginn der Epidemie hat nunmehr die Grenze von 9.000 überschritten.

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Nun hat zwar die Steigerung der Fallzahlen nichts ursächlich mit dem Ende des Lockdowns in der vergangenen Woche zu tun. Dessen Folgen werden erst zeitversetzt messbar. Die höheren Fallzahlen rühren eher von wachsender Nachlässigkeit beim Umgang mit dem Virus in den Tagen vor der Aufhebung der Schließungsmaßnahmen her. Dennoch: würde die Regierung ihr eigenes Benotungssystem ernst nehmen, dann ist die Lage wieder so schlecht, dass das Land neuerlich in den Dornröschenschlaf geschickt werden müsste.

Hotels sind noch offen

Doch davor schreckt die Regierung bislang zurück, legt stattdessen das Benotungssystem lockerer als bisher aus. Statt beispielsweise die Restaurants und Bars wieder komplett zuzusperren, wie es eigentlich angezeigt wäre, kürzt sie lediglich deren Öffnungszeiten um zwei Stunden. Immerhin ergänzt sie diese Maßnahme um das Verbot, nach 20 Uhr Alkohol aus einem Fenster des jeweiligen Lokals auszuschenken. Pfiffige Wirte hatten im Interesse ihres Umsatzplans auch schon mal Wärmezelte vor ihren Kneipen aufgebaut, wo es dann auch nach Lokalschluss hoch herging. Die Zelte können nun wieder verschwinden: Alkohol in der Öffentlichkeit ist generell untersagt worden. Das bedeutet auch das Aus für Glühwein oder Grog auf den von manchen örtlichen Behörden gestatteten Weihnachtsmärkten.

Der Alkoholgenuss im Verein mit den Fallzahlen ist offenkundig auch der wichtigste Grund, weshalb die Regierung plötzlich wieder zögert, die Skiareale ab dem 18. Dezember zu öffnen, wie das vom Gesundheitsminister etwas vollmundig angekündigt worden war. Anders als etwa in Österreich, wo man nach dem Skifahren wieder heim muss, weil man schlichtweg nirgendwo übernachten kann, sind in Tschechien die Hotels offen. Doch die sind genau das Problem. „Es macht wenig Sinn, wenn es auf den Pisten klinisch rein zugeht und sich die Leute abends dann die Cocktails gemeinsam aus einem Eimer genehmigen“, schrieb eine überregionale Zeitung.

Bisher kaum Kontrollen

Womöglich hängt das Zögern in Sachen Skipisten auch mit der Sorge vor Kritik aus dem Ausland zusammen. Schließlich könnten sich auch von dort Leute auf den Weg etwa ins Riesengebirge machen. Wenngleich die mit einer Tagestour ein hohes Risiko eingehen würden. Touristische Ausflüge fallen nicht unter „dringende Gründe“ zur Einreise nach Tschechien. Und als Deutscher ist man schon anhand des Autokennzeichens leicht zu erkennen. Touristische Reisen gehen nur mit einem aktuellen Negativ-Test und einem ausgefüllten Einreiseformular. Ohne dies drohen 10 Tage Quarantäne.

Womit wir beim Thema Kontrollen und Strafen sind, dem heikelsten Thema überhaupt. „Ein großer Teil der Bevölkerung hat bis heute nicht begriffen, dass es keine Freiheit ohne Verantwortungsbewusstsein geben kann“, formuliert eine Prager Dienstagszeitung. „Dabei müsse doch jedem klar sein, wie traurig es ist, dass der Staat den Restaurants die Öffnungszeiten kürzen und den Leuten das Trinken in der Öffentlichkeit verbieten muss“, weil es offenkundig anders nicht gehe.

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