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Sachsens Händler erwarten Einkaufsstau im Advent

Neue Corona-Regeln können zu Warteschlangen vor Läden führen. Wirte wollen Klarheit für die Weihnachtstage.

Bitte warten – nicht nur Baumärkte bekommen neue Einlassregeln.
Bitte warten – nicht nur Baumärkte bekommen neue Einlassregeln. © Sven Hoppe/dpa

Dresden. Alle Einkaufswagen vergriffen, bitte draußen warten – so sah es Ende April vor dem Hornbach-Baumarkt in Dresden-Kaditz aus. Nächste Woche könnte es erneut zu Außen-Warteschlangen kommen. Die Bundesregierung hat zwar den Händlern vorgeschrieben, mit einem Einlassmanagement gegen „unnötige Schlangenbildungen im Innenbereich“ vorzubeugen. Doch die neuen Corona-Schutzvorschriften verlangen von allen größeren Geschäften auch eine striktere Begrenzung der Kundenzahl – gerade in der Adventszeit. Edeka und Rewe befürchten deshalb Unruhe vor den Eingängen.

Die guten Nachrichten für Sachsens Händler: Sie müssen nicht schließen wie im Frühjahr, und Feuerwerksverkauf bleibt erlaubt. Doch größere Supermärkte, Möbelhäuser und Einkaufszentren werden nun verpflichtet, pro 20 Quadratmeter nur noch einen Kunden einzulassen. Nur für Läden mit weniger als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche genügen weiterhin zehn Quadratmeter pro Person. Manche Buch- und Spielwarenläden regeln den Einlass derzeit schon mit Einkaufskörben.

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René Glaser, Geschäftsführer des Handelsverbands Sachsen, hält die neuen Einlassregeln für „kontraproduktiv“ und versteht auch den Sinn nicht. 1,50 Meter Abstand sei auch mit den bisherigen Regeln möglich. Vor allem vor den Festtagen könnte es nach seiner Einschätzung nun längere Wartezeiten geben. Wer nicht zum Feiern ausgehen dürfe, werde zusätzliche Lebensmittel kaufen. Am Silvestertag müssten die Läden auf Beschluss des Sächsischen Landtags in diesem Jahr bereits um 14 Uhr schließen, der Handelsverband habe vergeblich dagegen interveniert.

Schnäppchentage bleiben unberührt

Die Bundesregierung hat die Bevölkerung aufgerufen, die Weihnachtseinkäufe möglichst auch unter der Woche zu erledigen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, große Menschenmengen in Einkaufszentren müssten vermieden werden.

Die angeblichen Schnäppchentage um den „Black Friday“ bleiben von den neuen Einlassregeln noch unberührt. Ob die neuen Regeln ab Montag oder ab Dienstag gelten, war dem Handelsverband am Donnerstagnachmittag noch nicht klar. Der Bund gab es nicht vor, das Land entscheidet – auch über die Höhe möglicher Strafen. Von Sachsen erwartet Glaser allerdings keine zusätzliche Verschärfung der Regeln.

Er hat von der Bundesregierung den Eindruck, sich über viele Details keine Gedanken gemacht zu haben. Einkaufszentren müssten nun aufwendig mit Personal den Einlass regeln und dabei den Überblick über die Kundenzahl behalten. Dass die Maskenpflicht nun auch vor den Eingängen und auf den Parkplätzen der Läden gilt, ist für Sachsen allerdings nicht neu.

Sachsens Industrie- und Handelskammern (IHK) fürchten wie der Handelsverband, dass die Attraktivität der Innenstädte durch die neuen Einschränkungen beim Einkaufen weiter geschwächt wird. Die Kammern nennen die Verschärfungen „unbegründet“ und fordern das Gegenteil: Ladenöffnung an den Adventssonntagen. In Dresden sind die geplanten einkaufsoffenen Sonntage gerade abgesagt worden, weil der Striezelmarkt als wichtiger Anlass auch nicht stattfindet. Die Handelskammern argumentieren, mit verkaufsoffenen Sonntagen ließen sich „Kundenströme entzerren“ und Abstände besser einhalten.

Ist eine kurze Öffnung sinnlos?

Der Chemnitzer IHK-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Wunderlich forderte, der Wirtschaft mehr Planungssicherheit zu geben. Mindestens drei Tage Vorlaufzeit für neue Regeln seien nötig. Wunderlich wies darauf hin, dass Einzelhändler für ihre möglichen Umsatzausfälle keine November- und Dezemberhilfen vom Staat erhielten. Zudem seien manche Regeln nicht eindeutig oder uneinheitlich, etwa Öffnungsregeln für Nagelstudios und Salzgrotten.

Restaurants und Touristenhotels müssen bis mindestens 20. Dezember geschlossen bleiben. Dass sie danach nur für einige Tage öffnen und dann wieder schließen könnten, ist für Sachsens Kammern und den Gastwirteverband Dehoga keine gute Idee. Die Kammern fordern, die Gastronomie möglichst ab 19. Dezember wieder zu öffnen. Eine Öffnung nur über die Feiertage lohne sich nur in wenigen Fällen und werde von vielen Unternehmen abgelehnt.

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Genauer weiß es der Verband Dehoga: Er hat eine Blitzumfrage unter mehr als 400 Wirten in Sachsen gemacht. 88 Prozent von ihnen gaben an, eine kurze Öffnung vom 21. bis 27. Dezember würde sich „wirtschaftlich nicht rechnen“. Hauptgeschäftsführer Axel Klein sagte in Dresden, es sei „realitätsfremd“, man könnte die Gastronomie für einige Tage öffnen und dann schließen. Nicht nur das Licht müsse wieder angeschaltet werden: Personal, Hygiene und Logistik seien zu beachten. Ein wirtschaftlicher Betrieb über Weihnachten und den Jahreswechsel sei erst mit mindestens 31 Tagen Öffnungszeit möglich. 39 Prozent der Wirte würden allerdings laut Umfrage trotzdem öffnen. (mit dpa)

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