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Warum ein Nieskyer Corona-Proteste organisiert

Sonntagnachmittag ist Demo-Zeit vor dem Rathaus. Gemeinsam statt einsam wollen die Teilnehmer sein.

Vor dem Nieskyer Rathaus findet sonntags ab 16 Uhr der Protest gegen die Corona-Einschränkungen statt.
Vor dem Nieskyer Rathaus findet sonntags ab 16 Uhr der Protest gegen die Corona-Einschränkungen statt. © André Schulze

Die Stadt Niesky hat jetzt ebenfalls ihre Protestbewegung gegen die Corona-Einschränkungen. Ostersonntag traf sich zum ersten Mal eine Menschengruppe vor dem Rathaus der Stadt, um gegen die von der Politik verordneten Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Seit diesem Auftakt wird sich nun jeden Sonntag vor dem Sitz der Stadtverwaltung getroffen. Organsiert wird das Ganze von einem jungen Familienvater aus Niesky, der seinen Namen nur in der Printausgabe der SZ, aber nicht online lesen will.

Er ist 34 Jahre und hat zusammen mit seiner Lebenspartnerin einen Sohn der eineinhalb Jahre jung ist. Um seine Zukunft sorgt er sich, wenn die Einschränkungen aufgrund der Pandemie fortbestehen. "Wir sind beide berufstätig, und auch meine Eltern gehen ihrer Beschäftigung nach. Wer passt auf mein Kind auf, wenn die Kitas mal wieder geschlossen sind?", fragt der Familienvater.

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Betroffen ist jeder

Das ist ein Grund, warum der Nieskyer zu einem stillen Protest am Sonntagnachmittag, 16 Uhr, aufruft. Er demonstriert für die Freiheit und die Zukunft der heranwachsenden Generation, gegen die stückweise Abschaffung der Grundrechte und nicht zuletzt gegen die willkürlichen Maßnahmen der Regierung. Bei der Demo geht es auch und vor allem um den Austausch von Meinungen, Problemen und die Bewerkstelligung des Alltags. Denn betroffen ist jeder. "Klar, zu jeder Demo spreche ich ein paar Worte, und wir haben auch Plakate des Protestes dabei, um auf unsere Situation aufmerksam zu machen", erklärt der junge Mann. Am vergangenen Sonntag fand die zweite Demo statt. Rund 50 Leute beteiligten sich daran, sagt er, die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf 25. Darunter sind nicht nur Nieskyer. Denn die Ankündigung im Internet sorgt für eine Breitenwirkung.

Das ist die Sorge, die Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann umtreibt. Dass der im Kleinen durchgeführte Anti-Corona-Protest zu einem Hotspot für die Stadt Niesky werden kann, weil die Demo von Leuten unterlaufen wird, die andere Ziele als den stillen Protest verfolgen. Beate Hoffmann hat sich am Ostersonntag das Treiben vor ihrem Amtssitz aus angeschaut. "Ich kann die Bedenken und Sorgen der Eltern nachvollziehen. Aber wollen wir weiterhin offene Kindergärten und Schulen haben, müssen wir gewisse Einschränkungen hinnehmen", erklärt sie ihren Standpunkt. Zudem kann sich die Stadt nicht vor den Maßnahmen verschließen oder sie gar außer Kraft setzen, die von der Politik auf höherer Ebene beschlossen werden.

Homeoffice und Kinderbetreuung

Auf die Idee, gegen die Einschränkungen zu demonstrieren, ist der Nieskyer selbst gekommen. "Seit einem Jahr ist Corona das beherrschender Thema in unserer Familie und im Freundeskreis", erzählt er. Dabei meint er auch seine Eltern. Sein Vater betreibt einen Fahrradhandel und sitzt im Stadtrat. Auch er engagiert sich als Abgeordneter für die Stadt und hat seine Meinung zu dem ganzen Chorona-Geschehen. Aber er möchte sie für sich behalten. Und was sein Sohn angeht, sagt er, ist dieser erwachsen genug, um selbst zu entscheiden, wie er mit der Pandemie umgeht.

Der Nieskyer Demo-Organisator ist studierter Wirtschaftsingenieur und als Einkäufer für ein Bautzener Unternehmen tätig. Auf dem Essenstisch im Wohnzimmer hat er seinen Heimarbeitsplatz eingerichtet. Zum Glück ist der Tisch groß genug und bietet Platz sowohl für den Computer samt Bildschirm, als auch für das Einnehmen der Mahlzeiten. Sein Sohn ist noch in einem pflegeleichten Alter. Da lassen sich Homeoffice und Kinderbetreuung einigermaßen gut koordinieren. "Aber was ist mit den Eltern, die zwei, drei Schulkinder zu Hause haben und parallel ihren Job machen müssen?", fragt er sich.

Soziale Vereinsamung nimmt zu

Zwar sind die Bildungseinrichtungen derzeit wieder offen, aber eine soziale Vereinsamung sieht der Nieskyer nicht nur bei den Jüngsten. "Auch die Ältesten leiden unter den Maßnahmen und fühlen sich in ihren Grundrechten eingeschränkt", weiß er aus Gesprächen mit Betroffenen nicht nur auf der Sonntags-Demo. Sein Protest richtet sich auch gegen das Tragen von Masken und Zwang-Tests in Schulen und Kitas. "Besonders kleine Kinder lesen und lernen viel über die Mimik und Gestik anderer Personen. Eine Maske vor dem Gesicht verhindert das und die Tests sind oft unangenehm, von den psychischen und gesundheitlichen Folgen ganz abzusehen ", ist er überzeugt. Auch davon, dass es diese Krankheit gibt. Er leugnet sie nicht. Seine Familie ist bisher davon nicht betroffen. Aber der Druck, der mit der Pandemie auf die Menschen ausgeübt werde, mache ebenso krank wie das Virus selbst.

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