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Johnson & Johnson: Was der Impfstoff kann

Die EU hat den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson zugelassen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Auf den Verpackungen des Präparats von Johnson & Johnson steht der Firmenname Janssen. Bei Janssen handelt es sich um die Pharmasparte des Gesundheitskonzerns.
Auf den Verpackungen des Präparats von Johnson & Johnson steht der Firmenname Janssen. Bei Janssen handelt es sich um die Pharmasparte des Gesundheitskonzerns. © David Zalubowski/AP/dpa

In der EU sind bisher drei Impfstoffe zugelassen. Jetzt folgt nach Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca das Präparat von Johnson & Johnson. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat am Donnerstag den Weg für eine Zulassung frei gemacht und die bedingte Zulassung empfohlen. Nur Stunden später folgte auch die EU-Kommission der Amsterdamer Behörde - der Impfstoff kann damit in der Europäischen Union genutzt werden.

Was macht den Impfstoff des US-Gesundheitskonzerns Johnson & Johnson aus? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Um welche Art Impfstoff handelt es sich?

Janssen, ein Tochterunternehmen von Johnson & Johnson, hat einen Vektorimpfstoff entwickelt. Bei diesen Präparaten werden Teile des Genoms des Coronavirus in einen für den menschlichen Körper ungefährlichen Trägervirus verpackt. Hierbei wird ein Virus genutzt, welches sich nicht weiter vermehren kann. Ähnlich funktioniert das auch bei Astrazeneca, nur wird dort ein anderes Trägervirus verwendet. Das Impfvirus dringt nach der Impfung in menschliche Zellen ein, dort wird dann ein Baustein des Coronavirus produziert. Die Folge ist eine klassische Impfreaktion: Der Körper bildet Antikörper. In der genetischen Zusammensetzung des Präparats ist auch das Gen zur Produktion des Spike-Proteins enthalten. Dieses Protein ist auf mikroskopischen Aufnahmen des Coronavirus als zackenförmiger Ring um das Virus zu erkennen. Es ist dafür verantwortlich, dass das Virus in menschliche Zellen eindringen kann. Die entstehenden Antikörper richten sich somit explizit gegen dieses Protein.

Was sind die größten Vorteile des Impfstoffs?

Alle drei bisher in der EU zugelassenen Impfstoffe müssen in zwei Dosen verabreicht werden. Bei dem von Johnson & Johnson genügt ein Pieks, damit er seine volle Wirksamkeit entfaltet. Außerdem muss der Impfstoff nicht wie die beiden mRNA-Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna bei tiefen Minusgraden lagern. Laut Hersteller hält sich der Impfstoff auch bei Kühlschranktemperaturen ausreichend lange. Damit dürfte er ähnlich wie Astrazeneca auch geeignet für das Impfen in Hausarztpraxen sein.

Wann ist die volle Wirkung erreicht?

Im Zuge klinischer Tests hatte der Hersteller Ende Januar bekannt gegeben, dass der Impfstoff vier Wochen nach Verabreichung einen 66-prozentigen Schutz vor mittleren oder schweren Covid-19- Krankheitsverläufen biete. Die Wirksamkeit gegen schweren Erkrankungen wurde mit 85 Prozent angegeben. Die Werte gelten immer noch als sehr gut. Sie sind vergleichbar mit denen des Präparats von Astrazeneca und liegen etwas unter denen der Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna.

Wirkt der Impfstoff auch gegen mutierte Coronaviren?

Diese Frage stellt sich gegenwärtig bei allen zugelassenen Impfstoffen. Johnson & Johnson hat sein Präparat bereits in Südafrika und Brasilien an Probanden getestet, wo die Mutationen B.1.351 beziehungsweise P.1 grassieren. Laut US-Arzneimittelbehörde FDA zeige der Impfstoff gegen die brasilianische Form demnach eine Wirksamkeit von 66 Prozent, gegen die südafrikanische 64 Prozent. Die Ausbrüche schwerer Covid-19-Verläufe könne überwiegend verhindert werden. Damit gilt für Johnson & Johnson das Gleiche wie für die drei übrigen in der EU zugelassenen Präparate: die bisherigen Daten zeigen eine Verhinderung von schweren Erkrankungen auch bei Infektionen mit Virusvarianten.

Über die Wirksamkeit dieser Impfstoffe gegen Mutationen hat der Dresdner Virologe Alexander Dalpke kürzlich im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de, gesprochen. Demnach führe eine Corona-Impfung zu einer polyklonalen Impfantwort. Das heißt, es werden nicht nur Antikörper gegen eine konkrete Struktur des Virus gebildet, sondern gegen ganz viele verschiedene. Somit führe die Veränderung einzelner oder weniger Teile des Virus infolge einer Mutation im Regelfall nicht zu einer völligen Wirkungslosigkeit von Impfstoffen, sondern eventuell zu einer Abschwächung.

Die ganze Folge des Podcast hören Sie über diesen Player. Mehr darüber lesen Sie in diesem Artikel: Wie wirken Impfungen gegen Mutationen?

Mit wie vielen Impfdosen kann Europa rechnen?

Die EU-Kommission hat Mitte im Februar bereits 200 Millionen Dosen vorbestellt und sich eine Option auf weitere 200 Millionen Dosen gesichert. Davon würde Deutschland 36,7 Millionen erhalten. Im Falle einer Zulassung könnten bis zu 100 Millionen Dosen bis Juni geliefert werden, hieß es im Februar. Allerdings gibt es inzwischen Befürchtungen, dass das Unternehmen nicht rechtzeitig liefern könne. Der Hersteller sicherte zu, dass er sich an die Absprachen halten und ab April liefern werde.

Wie "beliebt" ist der Impfstoff in Deutschland?

Vor die Wahl gestellt, welchen in der EU bereits zugelassenen oder nicht zugelassenen Impfstoff sich die Deutschen verabreichen lassen würden, sagen einer Umfrage von Sächsische.de und Civey zufolge, dass sie zu 5,7 Prozent (sächsische Befragte zu 5,5 Prozent) Johnson & Johnson nehmen würden. Am beliebtesten ist der Umfrage zufolge Biontech/Pfizer mit 45,9 Prozent (sächsische Befragte mit 34,4 Prozent). Für die zweitgrößte Gruppe der Befragten (20,9 Prozent) spielt bei der Impfung das verwendete Präparat keine Rolle (sächsische Befragte mit 18,3 Prozent).

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