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Essen to go am Wochenende gefragt

Das Menü aus der Kiste statt am Tisch serviert: seit November auch in der Sächsischen Schweiz Realität. Es läuft oft besser als gedacht. Beigeschmack bleibt.

Eric Winterstein und Sohn Karl aus Graupa haben am Sonntag zum ersten Mal bei "Zur Post" in Pirna-Zehista bestellt. Roy Kutzer übergibt die Bestellung: Hausgemachte Spinatknödel und Sächsisches Herrensteak.
Eric Winterstein und Sohn Karl aus Graupa haben am Sonntag zum ersten Mal bei "Zur Post" in Pirna-Zehista bestellt. Roy Kutzer übergibt die Bestellung: Hausgemachte Spinatknödel und Sächsisches Herrensteak. © Marko Förster

Das Essen nach Hause holen - das kann das Essen in der Gaststätte nicht ersetzen. Nicht für die Gastwirte und nicht für die Gäste. Trotzdem ist es für beide eine Alternative in Corona-Zeiten. Eine, die unterschiedlich genutzt wird und die beide lieber heute als morgen beenden würden. Viele Gaststätten ziehen sie durch, obwohl es sich nicht wirklich lohnt. Für andere ist es eine nach wie vor wichtige Einnahmequelle, die das Überleben sichert. Sie alle wollen mit ihren Angeboten für die Gäste da sein und signalisieren: Es gibt uns noch.

Drogenmühle Heidenau: Trinkgeld fürs Durchhalten

In der Heidenauer Drogenmühle läuft es besser als gedacht, sagt Chef Burkhard Hammermann. Er sieht die Bestellfreudigkeit der Gäste auch als Anerkennung für die Arbeit in den vergangenen 20 Jahren. Oft werden ganze Menüs bestellt. Und beim Trinkgeld sind die Gäste nicht knausrig. "Damit verbinden sie die Bitte, wir mögen doch unbedingt durchhalten und dass es uns auch weiterhin geben müsse", sagt Hammermann. Der Ertrag helfe auf jeden Fall ein kleines Stück weiter.

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Platzhirsch Pirna: Sonnabends boomt es

Beim Platzhirsch in Pirna wächst die Nachfrage wöchentlich von Donnerstag bis Sonnabend. Der Donnerstag läuft schwach an, aber schon freitags ist eine Steigerung zu merken und sonnabends boomt es immer, sagt Stefanie Hänel. "Viele bewundern uns, dass wir so durchhalten. Wir werden das Angebot, so lange der Lockdown und die Schließung anhalten, beibehalten." Und das Take away gibt auch den Mitarbeitern eine gewisse Regelmäßigkeit. "Sie danken uns das, da wir jetzt an einem Punkt angekommen sind, wo einem die Decke schon mal auf den Kopf fallen kann", sagt Stefanie Hänel von der Leitung.

Gasthof Hillig Bad Gottleuba: Weniger als im Frühjahr

Im Bad Gottleubaer Gasthof Hillig macht man gute Erfahrungen mit dem Essen über die Straße. Aktuell wird zwar etwas weniger verkauft als im Frühjahr, aber das ist wahrscheinlich der Jahreszeit und der Dauer des Ganzen geschuldet, sagt Chefin Juliette Hillig. Das Angebot wechselt jede Woche, sodass keine Langeweile aufkommt für die Gäste, unter denen viele sehr treue Stammkunden sind.

Schlossgaststätte Weesenstein: Abhängig vom Schloss

Die Weesensteiner Schlossgaststätte ist die Gaststätte unterhalb und außerhalb des Schlosses, aber durchaus auch von ihm abhängig. Und so lange das Schloss geschlossen ist, geht es auch in der Gaststätte nur schleppend voran, sagt Gastwirt Axel Prussak. Essen zum Abholen wird dennoch am Wochenende angeboten. "Wenn der Park wieder öffnet, sollte es auch bei uns wieder passen", sagt er. "Also, wir warten einmal ab."

Erbgericht Ulbersdorf: Stammkunden aus dem Dorf

Vor einer reichlichen Woche, am Valentinstag, stieß das Ulbersdorfer Erbgericht an seine Kapazitätsgrenzen. Und auch sonst sieht Familie Enke das Geschäft mit Essen to go positiv. Es laufe sehr gut, wenngleich nicht jede Woche gleich sei. Neben den Hilfen vom Staat tragen die Einnahmen dazu bei, Rechnungen zu begleichen. Nicht mehr und nicht weniger.

Die Kunden sind ein Mix aus Stamm- und immer wieder neuen Kunden. Einige Stammgäste aus dem Dorf bestellen jede Woche, andere kommen auf der Suche im Internet auf den Geschmack, sagt Dominique Enke. Ab und zu liefert er auch aus, wenn es zu schaffen ist und wenn es größere Bestellungen sind, auch über die zehn Kilometer Umkreis hinaus.

Dehoga: Ideen für eine Öffnungsstrategie

Für Essen, das an der Tür verkauft wird, haben Gastwirte aber nicht ihre Gaststätten. Sie wollen servieren, mit den Gästen reden, ihnen einen schöne Zeit bereiten. Und die Gäste wollen mal wieder richtig auswärts essen und im positiven Sinne bedient werden.

Die Dehoga hat bei einem Gespräch mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer am vergangenen Donnerstag Vorschläge gemacht, wie Gäste und Gastgeber wieder zueinander kommen können. Damit eine Öffnung nicht im nächsten Lockdown endet, wurde über praxistaugliche Hygienekonzepte und Stufenpläne gesprochen. Die Nutzung neuer günstiger Testungsmöglichkeiten, eine digitale Kontakterfassung und damit bessere Nachverfolgbarkeit durch die Gesundheitsämter müssen zusätzlich in eine Öffnungsstrategie einbezogen werden, sagte Axel Hüpkes, Präsident des Dehoga Sachsen. So dramatisch die Lager der Gastronomie und Hotellerie ist, so groß sei die Bereitschaft der Unternehmen, an dieser Strategie mitzuwirken.

Hammermanns Freude über das unerwartet gut laufende Bestell- und Liefergeschäft in seiner Heidenauer Drogenmühle wird getrübt. Zwar hat er die Dezember- und Januar-Hilfen erhalten, auch das Kurzarbeitergeld ist gezahlt. Doch nicht nur ihn treibt die Frage um: Wird irgendwann irgendjemand aus dem jetzt gemachten Umsatz vielleicht Rückzahlungen ableiten? "Wie es kommen wird und ob die Hilfsgelder wirklich über den Berg helfen werden, wage ich heute nicht vertrauensvoll einzuschätzen."

Angebote zum Bestellen von Essen in der Region gibt es hier. Für Gaststätten: Wenn sich in Ihren Angeboten Änderungen ergeben, informieren Sie uns bitte unter [email protected]ächsische.de. Auch weitere Angebote nehmen wir in unsere Übersicht gern auf.

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