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Fällt der Urlaub wieder aus? So sichern Sie sich ab

Viele Menschen möchten jetzt Reisen und Ferienhäuser für Ostern oder den Sommer buchen. Aber was, wenn Corona dazwischen kommt? So sorgen Sie vor.

Touristen liegen am Strand auf der Insel La Digue - sie gehört zu den Seychellen im Indischen Ozean vor der Küste Ostafrikas.
Touristen liegen am Strand auf der Insel La Digue - sie gehört zu den Seychellen im Indischen Ozean vor der Küste Ostafrikas. © Sabrina Hentschel/dpa

Von Heike Jahberg

Wenn es draußen dunkel, diesig und kalt ist, träumt man sich gern an schönere Orte. In normalen Zeiten würden die Menschen jetzt ihren Sommerurlaub buchen und sich die Frühbucherschnäppchen der Reiseveranstalter sichern.

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Doch nun sind viele Reiselustige verunsichert. Wegen der Corona-Mutationen hält Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer Osterurlaub in diesem Jahr für unmöglich, und das wo Ferienreisen zu Ostern schon im vergangenen Jahr ausgefallen waren. Ob Kretschmer Recht haben wird, wird sich noch zeigen. Derzeit bekommt Sachsens Regierungschef für sein Vorpreschen heftige Kritik von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller und dem Ministerpräsidenten Reiner Haseloff, die den Osterurlaub jetzt noch nicht abschreiben wollen. Auch die Ferienhausvermieter und der Hotelverband Dehoga kämpfen um die Möglichkeit, Gäste zu Ostern empfangen zu dürfen.

Reisen ins Ausland sind kaum möglich

Doch nicht nur Urlaub in Deutschland steht in den Sternen, auch Reisen ins Ausland sind schwierig. Die meisten Länder sind Corona-Risikogebiete, mit Testpflicht 48 Stunden nach Einreise und Quarantäne. Für Reisende aus Großbritannien, Irland, Portugal, Südafrika, Brasilien, Tschechien, Tirol, Lesotho und Eswatini, in denen besonders ansteckende Virusmutationen um sich greifen, sind Einreiseverbote beschlossen. Deutsche Staatsangehörige dürfen aus diesen Gebieten einreisen, müssen jedoch für 14 Tage in Quarantäne, auch ein negativer Coronatest kann diese Zeit in Berlin nicht abkürzen.

Weitere beliebte Urlaubsländer, darunter Spanien, gelten als Hochrisikoländer. Hier braucht man schon für die Einreise nach Deutschland einen aktuellen, negativen Coronatest. Um die Quarantäne nach der Einreise aus Virusvarianten-, Hochrisiko- und Risikoländern zu beenden (frühestens ab dem fünften Tag), ist ein zweiter negativer Coronatest nötig.

Pro Person fallen zweimal Testkosten an, bei einer vierköpfigen Familie sind das schnell 400 Euro und mehr. Und niemand weiß, wie es mit Corona weitergeht. Die Reiseveranstalter reagieren: Sie wollen den Kunden die Angst vor der Buchung mit neuen flexiblen Angeboten nehmen.

Kontrolle am Flughafen: Wer aus einem Virusvarianten- oder Hochrisikoland nach Deutschland einreist, braucht einen aktuellen negativen Coronatest.
Kontrolle am Flughafen: Wer aus einem Virusvarianten- oder Hochrisikoland nach Deutschland einreist, braucht einen aktuellen negativen Coronatest. © Boris Roessler/dpa

Gratisstorno für Buchungen im Februar

Die Rewe-Touristiktochter DER Touristik (Dertour, Jahn Reisen, ITS, Meiers Weltreisen) erlaubt Kunden, die bis zum 31. Oktober verreisen wollen, ihre Reise kostenlos zu stornieren oder umzubuchen. Bei Flugreisen geht das bis 14 Tage vor der Abreise, bei Urlaub mit eigener Anfahrt bis sieben Tage vorher. Das Angebot sollte ursprünglich Ende Januar auslaufen, ist aber bis zum 28. Februar verlängert worden.

Flexibilität gegen Aufpreis

Ab März müssen Gäste für die zusätzliche Flexibilität zahlen und ein Flexpaket dazu buchen. Die Kosten richten sich nach dem Reisepreis. Für eine Flugpauschalreise bis 2.000 Euro sind es 79 Euro. „Mit diesen neuen flexiblen Angeboten ermöglichen wir unseren Gästen eine sorgenfreie Urlaubsplanung“, betont Mark Tantz, Geschäftsführer von DER Touristik Deutschland. „Besonders für Familien, die nur in Ferienzeiten verreisen können, ist die frühzeitige Planung und Buchung wichtig.“

Denselben Weg schlägt auch die Tui ein. Wer sich die Option sichern will, bis 14 Tage vor Reiseantritt eine Flugpauschalreise von Tui oder airtours kostenfrei umzubuchen oder zu stornieren, muss dazu allerdings schon heute den teureren Flextarif wählen. Gegenüber dem Normalpreis führt das zu Mehrkosten von 39 Euro bei einer Reise bis 2500 Euro.

FTI Touristik führt ab Februar einen Flexplus-Tarif ein, der eine kostenlose Stornierung der Reise bis 15 Tage vor Reisebeginn oder eine Umbuchung bis 14 Tage vor geplanter Abreise erlaubt. Für das Upgrade fallen drei Prozent des Gesamtreisepreises an.

Achten Sie auf die Ausnahmen

Auch wenn die Angebote gut klingen, sollte man auf die Details schauen, warnt der Berliner Reiserechtsanwalt Roosbeh Karimi. Von den kostenlosen Stornierungs- und Umbuchungsmöglichkeiten, die DER Touristik Frühbuchern bis Ende Februar anbietet, sind nämlich einige Reisen ausgenommen, darunter Travelix, sogenannte X- und Paus-Produkte oder Kreuzfahrten.

Den Flextarif der Tui gibt es für Ltur-, X-Tui-Reisen, Fly & Mix und Kreuzfahrten nicht. Bei FTI gilt der Flexplus-Tarif nur für ausgewählte Linienflug-Arrangements und nicht für X-Buchungen.

Hinzu kommt: Wer sich für eine Umbuchung entscheidet, muss möglicherweise zuzahlen. Wenn die neue Reise teurer ist als die ursprünglich gebuchte, müssen Kunden die Differenz tragen. Das können einige Hundert Euro sein. Vor der Buchung sollten Reisewillige die Konditionen daher genau lesen und das Kleingedruckte vergleichen. Notfalls sollte man lieber ein paar Euro mehr für mehr Schutz ausgeben.

Urlaub an der Küste: Beliebte Quartiere etwa auf Rügen sind schon jetzt für den Sommer gut gebucht.
Urlaub an der Küste: Beliebte Quartiere etwa auf Rügen sind schon jetzt für den Sommer gut gebucht. © Carsten Rehder/dpa

Warum Sie lieber eine Pauschalreise buchen sollten

Auf keinen Fall, betont Karimi, ersetzen die Angebote der Veranstalter die gesetzlichen Schutzvorschriften. „Wenn ein Urlaubsgebiet als Risikogebiet eingestuft wird, können die Kunden kostenfrei stornieren.“ Verbraucher sollten sich nicht verunsichern lassen, wenn Unternehmen behaupten, die Corona-Pandemie sei inzwischen allgemeines Lebensrisiko und berechtige nicht zum kostenfreien Rücktritt von der Reise.

Auch wer jetzt einen Mallorca-Urlaub für den Sommer buche, könne später kostenlos stornieren, wenn die Insel dann noch immer oder schon wieder Corona-Risikogebiet ist. „Veranstalter und Urlauber gehen ja davon aus, dass die Reise angetreten werden kann“, sagt Karimi.

Fällt die Reise wegen Corona ins Wasser, gibt es das Geld zurück. Wer eine Reise buchen will, ist daher derzeit gut beraten, einen Pauschalurlaub zu buchen, also eine Reise, bei der ein Veranstalter mindestens zwei Leistungen aus einer Hand anbietet (etwa Flug und Hotel). Bei Buchungen auf eigene Faust ist es dagegen komplizierter.

Kann ich die Ferienwohnung kostenlos stornieren?

Klar ist: Wer eine Ferienwohnung auf Sylt oder Rügen bucht, muss nicht zahlen, wenn es vor Ort ein behördliches Beherbergungsverbot gibt. Sind touristische Übernachtungen verboten, darf der Vermieter die Wohnung nicht den Gästen überlassen. Wer schon gezahlt hat, kann sein Geld zurückverlangen oder sich – freiwillig – auf einen neuen Termin umbuchen lassen.

Einige Agenturen bieten für Ferienwohnungen ein kostenloses Stornorecht

Schwieriger ist es, wenn wie im vergangenen Oktober nur Menschen aus bestimmten Risikoregionen (wie damals Berlin) nicht anreisen dürfen, das Ferienhaus aber anderen frei steht. „Die Rechtslage ist unklar“, warnt Karimi. Er rät dazu, solche Fragen bei der Buchung mit dem Vermieter zu klären und das schriftlich festzulegen.

Einige Agenturen räumen inzwischen für bestimmte Objekte ein kostenloses Stornorecht ein, allerdings läuft das häufig mehr als einen Monat vor Reiseantritt aus. „Das schützt nicht vor kurzfristigen Verschlechterungen der Lage“, warnt Karimi.

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Viele Menschen dürften ihren Sommerurlaub wohl auch in diesem Jahr wieder in Deutschland verbringen. Beliebte Orte wie Sankt Peter-Ording oder Grömitz sind für den Sommer bereits sehr gefragt, heißt es bei der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein. Für das Frühjahr herrsche dagegen „große Zurückhaltung“. Das, sagt Sprecherin Manuela Schütze, ändere sich aber schnell: Sobald wieder gereist werden könne, werde „zügig gebucht“.

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