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Corona: Fasching fällt aus

Die Pandemie zwingt die Karnevalsclubs im Landkreis Bautzen in dieser Saison zum Verzicht. Vor allem aus zwei Gründen.

Beim Schirgiswalder Faschingsumzug taugte die drohende Corona-Pandemie im Februar noch zur Belustigung. Jetzt führt sie zur Absage fast aller Veranstaltungen.
Beim Schirgiswalder Faschingsumzug taugte die drohende Corona-Pandemie im Februar noch zur Belustigung. Jetzt führt sie zur Absage fast aller Veranstaltungen. © René Plaul

Bautzen. Eigentlich wäre jetzt der richtige Zeitpunkt für den Beginn der Faschingsvorbereitungen. In nicht einmal einem Monat würden die Narren der Region die fünfte Jahreszeit einläuten und bis in den Februar hinein feiern. In diesem Jahr aber hört man vonseiten der Karnevalsvereine ungewöhnlich oft nüchterne Töne statt närrischer Schenkelklopfer. Der Grund dafür ist so offensichtlich wie frustrierend: Corona bremst die Narren aus.

Noch im vorigen Winter waren die Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Pandemie beim Schirgiswalder Faschingsumzug vereinzelt Gegenstand von Hohn und Spott. Heute diktieren sie die Möglichkeiten. Die schwinden und lassen am Ende nur eine Option zu. Die heißt Absage. 

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Leicht haben es sich die Verantwortlichen dabei nicht gemacht. Torsten Paul erzählt, wie es zu der Entscheidung kam: Vergangene Woche, so der Vorsitzende des Schirgiswalder Faschingsclubs, habe es eine Sitzung mit der Stadtverwaltung von Schirgiswalde-Kirschau und dem Gesundheitsamt des Landkreises Bautzen gegeben. Gegenstand des Gesprächs sei die bevorstehende Faschingssaison gewesen. "Wir hätten sämtliche Veranstaltungen planen dürfen, hätten aber mit dem Risiko leben müssen, dass sie infolge steigender Fallzahlen trotz gültigem Hygienekonzept abgesagt werden müssen", schildert Torsten Paul die Quintessenz der Beratungen.

Hygienevorschriften gehen an der Realität vorbei

Zwei Fallstricke hätte es gegeben, hätten die Schirgiswalder Narren sich trotz dieser Warnung entschieden, die Faschingssaison wie gewohnt zu begehen: Zum ersten wäre der Planungsaufwand enorm gewesen. "Wir hätten in der Körse-Halle in Kirschau jedem Gast drei bis vier Quadratmeter Raum geben müssen, wären also am Ende bei einer maximalen Besucherzahl von 150 gelandet", rechnet Torsten Paul vor.

Und damit nicht genug: Wer wo wann gesessen hat und wie das Barpersonal vor einer potenziellen Ansteckung geschützt wird - all das hätte der Faschingsclub dem Gesundheitsamt nachweisen müssen. Und überhaupt: "Tanzen wäre sowieso verboten", so Paul. Gleiches hätte gegolten, wären die Schirgiswalder Narren von der Körse-Halle in ein Zelt gezogen: "Weil es dort bessere Belüftungsmöglichkeiten gibt, wären die Regelungen etwas lockerer gewesen", erzählt Paul. Aber auch das hätte seinen Preis gehabt: "Wir hätten die Zeltplanen offen lassen müssen. Aber wir sprechen hier über Veranstaltungen im Winter - das geht nicht."

Eine verrückte Umzugsidee ist auch nicht umsetzbar

Auch der Faschingsumzug im Februar fiel den unerfüllbaren Hygiene-Vorschriften zum Opfer: Einen Eingang zur und einen Ausgang von der Umzugsstrecke habe das Gesundheitsamt gefordert, so Torsten Paul. Alles das hätte kontrolliert und dokumentiert werden müssen. Diese Vorgabe aber gehe an der Realität vorbei: "Manche treten doch nur aus der Tür und sind schon beim Umzug", schildert der Faschingspräsident die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort.

Selbst die verrückteste aller Ideen, nämlich die, die Umzugswagen auf die Straße zu stellen und die Schaulustigen daran vorbeilaufen zu lassen, sei nicht umsetzbar gewesen. "Das ist trotz aller Vorsichtsmaßnahmen eine unkontrollierte Sache. Wenn dort was passiert, können wir als Verein schließen. Immerhin haften wir mindestens finanziell - und das zum Teil mit Privatvermögen", so Torsten Paul, der damit den zweiten bedenkenswerten Punkt in der Faschingsplanung anspricht: das Geld.

Zahlreiche Faschingsclubs sagen Saison ab

Finanzen und Planungsaufwand - diese beiden Argumente bekommt allenthalben zu hören, wer sich in den Faschingsclubs der Region zum Stand der Karnevalsplanungen umhört. 70 statt 150 Gäste etwa hätte der Steinigtwolmsdorfer Karnevalsclub Birkgut im Weifaer Erbgericht nach den Vorgaben des Gesundheitsamtes begrüßen dürfen, erzählt Vizepräsident Joachim Burkhardt und folgert in Anbetracht von Kosten für Saalmiete und Ausschankerlaubnis: "Als Verein stehen wir das finanziell nicht durch."

Ernst klingt auch der Vorsitzende des Bischofswerdaer Faschingsclubs Uwe Barkow, der sagt: "Die Faschingsveranstaltungen abzusagen, gebietet allein die Vernunft. Narr zu sein, bedeutet nicht, auf Krampf lustig zu sein. Wir tragen auch Verantwortung." Ebensolche Töne kommen aus Großpostwitz, wo der Männergesangverein alljährlich die Faschingsveranstaltungen organisiert. Vorstandsmitglied Jens Gabriel findet: "Würden wir die Hygienevorschriften einhalten, müssten wir die Hälfte der Gäste draußen stehen lassen. Da ist es doch vernünftiger, gleich alles abzusagen."

Schlüsselübergaben sollen stattfinden

Immerhin: In Steinigtwolmsdorf, Großpostwitz und Bischofswerda läuft die Vereinsarbeit weiter. Die Funkengarden trainieren. Programme werden auf die Beine gestellt. Wann die zur Aufführung kommen, lassen sich die Narren offen. Viele von ihnen planen immerhin, die traditionelle Schlüsselübergabe am 11. November im Freien stattfinden zu lassen. Ein Hoffnungsschimmer kommt zudem aus Schirgiswalde, wo der Karnevalsclub im kommenden Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert: "Wir könnten uns vorstellen, einen Sommerfasching zu veranstalten", stellt Torsten Paul vorsichtig in Aussicht.

Optimistischer sind derzeit nur noch die Narren aus Königsbrück. Auf deren Internetseite heißt es unter Vorbehalt: "Der 40. Königsbrücker Faschingsumzug am 13. Februar 2021 soll stattfinden!"

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