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Corona: So läuft die Notbetreuung in der Kita

Markierte Wege für die Eltern, abgesteckte Parzellen auf dem Spielgelände und Grüße am Zaun: So meistert die Kita in Lichtenberg die schwierige Zeit.

Sie haben während der Notbetreuung ihren extra Spiel-Bereich im Freien: die Kleinen in der Kita Entdeckerland in Lichtenberg.
Sie haben während der Notbetreuung ihren extra Spiel-Bereich im Freien: die Kleinen in der Kita Entdeckerland in Lichtenberg. © René Plaul

Lichtenberg. Es ist ruhig an diesem Morgen in der Kindertagesstätte Entdeckerland in Lichtenberg. Die Kinder sind alle in ihren Zimmern, auch die Mitarbeiter. Gerade bringt ein Vati seinen Sprössling, er geht schnurstracks zum Gruppenzimmer mit der Garderobe davor. Kein Umweg, kein Schwatz auf dem Flur. Die Wege sind genau festgelegt. Der Vater trägt einen Mund-Nasen-Schutz. Er hilft seinem Kind beim Ausziehen und klopft dann an der Zimmertür. Schnell wird geöffnet, und der Kleine huscht rein. Der Vati bleibt an der Tür, ruft noch schnell ein Tschüss hinterher - kein Kontakt zur Erzieherin oder zu anderen Kindern, höchstens ein kleiner Gruß und ein Lächeln.

Das ist jetzt Alltag im Entdeckerland wie in vielen anderen Kindertagesstätten in Sachsen, die im Corona-Lockdown auf Notbetreuung umgestellt haben. Seit dem 14. Dezember gilt die Schutzverordnung, die die Regeln für die Notbetreuung festlegt, zum Beispiel, welche Eltern ihr Kind in den Kindergarten geben dürfen, weil sie in systemrelevanten Berufen arbeiten. Dazu zählen unter anderem Polizisten und Berufsfeuerwehrleute, Mitarbeiter in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Apotheken, Arztpraxen, dem Bestattungswesen, im Bildungsbereich oder im Nahverkehr. Gleiches gilt auch für Beschäftigte im Handel, wenn der Partner auch in einem systemrelevanten Bereich arbeitet.

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Viele Eltern arbeiten in wichtigen Berufen

"Im ländlichen Bereich, eben auch in Lichtenberg, ist die Arbeitslosigkeit insgesamt recht niedrig. Es sind also nicht viele Leute zu Hause", weiß Kita-Chefin Sandra Klengel. Dazu komme, dass viele Eltern in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern der näheren Umgebung arbeiten. Daher sei der Bedarf an der Notbetreuung sehr hoch. "Etwa 60 Kinder kommen täglich in den Kindergarten. Das ist ungefähr die Hälfte aller angemeldeten", sagt Sandra Klengel. In der Zahl enthalten sind Krippe, Kindergarten und Hort.

Trotz weniger Kinder bleibt die Zahl der Beschäftigten gleich. "Das muss auch so sein, um die Corona-Bestimmungen umsetzen zu können", erklärt die Kitaleiterin. So gibt es feste Gruppen mit immer den selben Erziehern. Auch die Räume sind für jede Gruppe immer die selben. "Im Früh- oder Spätdienst kann man also nicht die Kinder zusammenlegen", sagt Klengel. Das bedeute auch, dass für jede Gruppe die Mitarbeiter in zwei Schichten eingeteilt werden müssen. "Das ist manchmal gar nicht so einfach, vor allem dann, wenn jemand Urlaub hat, erkrankt ist oder sich zum Beispiel in Quarantäne befindet."

Mitarbeiter positiv getestet

Bis Ende letzten Jahres habe es in der Einrichtung nur einen positiven Corona-Fall gegeben. Das hat sich seit voriger Woche geändert. Nun gibt es vier positiv getestete Mitarbeiter und weitere Gruppen in Quarantäne.

Im Entdeckerland kümmern sich 20 pädagogische Mitarbeiter und zwei Hauswirtschafterinnen um die Kinder. Außerdem gibt es einen Hausmeister. Besonders froh ist Sandra Klengel, dass in der Kita auch drei männliche Auszubildende im Einsatz sind, die alle in diesem Jahr ihren Abschluss machen. "Das ist eine echte Hilfe, auch wenn es jetzt in der Notbetreuung nicht einfach mal so möglich ist, von einer Gruppe in die andere zu wechseln." Auch bei den Azubis müsse man sich an die Corona-Regeln halten.

Den Größeren der Kita in Lichtenberg gehört an diesem Tag der Rodelhang - und sie haben jede Menge Spaß.
Den Größeren der Kita in Lichtenberg gehört an diesem Tag der Rodelhang - und sie haben jede Menge Spaß. © René Plaul

Im Außenbereich der Kita wurden Parzellen abgesteckt, in denen sich jeweils nur die Kinder einer Gruppe mit ihren Erzieherinnen aufhalten. Die Gruppen können aber tageweise die Parzellen wechseln, damit jedes Kind auch mal am Klettergerüst, im Sandkasten oder auf der Roller-Strecke spielen kann. "Zum Glück haben wir ein großes Freigelände, so dass es da überhaupt keine Probleme gibt", sagt Sandra Klengel.

Die Situation sei derzeit für alle Beteiligten nicht einfach, aber die Eltern würden Verständnis zeigen. "Sie wissen, dass es im Moment nicht anders geht, und sind froh, dass sie ihre Kinder in die Einrichtung bringen können", sagt die Kita-Chefin. Natürlich gebe es derzeit keine persönlichen Elterngespräche, aber man bleibe per E-Mail oder Telefon im Kontakt. Auch hätten schon Kinder, die jetzt zu Hause sind, selbst gemalte Bilder geschickt oder die Größeren einen kleinen Brief geschrieben. Die Mädchen und Jungen in der Kita würden ihre Spielgefährten vermissen. "Ihnen die Situation zu erklären, ist manchmal nicht einfach", sagt Sandra Klengel.

Sandra Klengel ist die Leiterin der Kita Entdeckerland in Lichtenberg. Die Mitarbeiter grüßen mit großen Bildern am Zaun die Kinder, die derzeit nicht in den Kindergarten kommen können.
Sandra Klengel ist die Leiterin der Kita Entdeckerland in Lichtenberg. Die Mitarbeiter grüßen mit großen Bildern am Zaun die Kinder, die derzeit nicht in den Kindergarten kommen können. © René Plaul

Eine besondere Aktion haben sich die Mitarbeiter der Einrichtung fürs neue Jahr ausgedacht. Sie hängten A-4-Plakate mit Fotos von sich und ein paar Wünschen an den Zaun der Kita - gut sichtbar für alle. So grüßen sie die daheimgebliebenen Kinder. Inzwischen wurden auch Grüße oder kleine Bilder von Kindern, die nicht in die Kita können, an die Plakate geheftet - ein kontaktloser Austausch sozusagen.

Auch die Vogelhochzeit wurde im Entdeckerland gefeiert - anders als sonst. Die Hochzeitsgesellschaft kam aus einer Gruppe. Die Kinder probten für ihr Programm und zeigten es dann jeder anderen Gruppe einzeln auf der Bühne im Saal, mit genügend Abstand.

Aber die Zeiten werden wieder andere werden. Das wissen auch die Mitarbeiter der Kita. Und dann wird es bei der nächsten Vogelhochzeit in mehreren Gruppen eine Braut und einen Bräutigam geben, die gemeinsam mit den Gästen, den Eltern und vielleicht sogar den Großeltern singen und tanzen.

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