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Bei Kartograf Rolf Böhm geht alles noch mit Hand

Die handgezeichneten Karten des Bad Schandauers Rolf Böhm sind der Renner bei Touristen. Doch die kamen 2021 nicht so reichlich in die Sächsische Schweiz.

Von Anja Weber
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Kartograf Rolf Böhm aus Bad Schandau ist Sachsens einziger professioneller Landkartenzeichner.
Kartograf Rolf Böhm aus Bad Schandau ist Sachsens einziger professioneller Landkartenzeichner. © Steffen Unger

Rolf Böhm aus Bad Schandau ist Sachsens einziger professioneller Landkartenzeichner - und das mit voller Leidenschaft und aus Überzeugung. Er sitzt dafür nicht nur an seinem Arbeitstisch. Nein, Rolf Böhm ist unentwegt in der Natur unterwegs, nimmt alles auf, was er sieht, seien es urwüchsige Bäume, seltene Pflanzen oder auch so manche Kuriositäten.

Via Internet verkauft er seine Karten weltweit. In der Urlaubsregion Sächsische Schweiz sind sie bei Touristen eine liebe Erinnerung oder ein Geschenk für die Daheimgebliebenen. In diesem Jahr nun kamen die Touristen nicht so in Scharen wie noch 2020, inzwischen dürfen diese gar nicht mehr kommen. Und das bekommt auch Rolf Böhm zu spüren.

Ist er unterwegs, entgeht ihm so gut wie nichts: verwunschene, einsame Pfade, verschwundene oder auch zerschunden Wege, plötzlich fehlende Beschilderung, der Borkenkäferfraß. Sogar Sitzgelegenheiten und Schutzhütten notiert er sich, um sie dann in seine Karten einzutragen. Gasthäuser und Sehenswertes neben den Strecken nimmt er ebenfalls mit auf. Denn es sind nicht nur einfach so Wanderkarten. Sie enthalten zahlreiche nützliche Tipps für Wanderer. Auch das ist ein Grund, weshalb sie so beliebt sind. Und dann natürlich wegen ihrer Originalität. Das ist kein Wunder, denn Rolf Böhm ist selbst ein Original - und keiner, der sich unterkriegen lässt. Klar, Corona setzte auch ihm zu, es reiße den Umsatz fürchterlich runter. Doch arbeitslos ist er trotzdem nicht.

Neue Wandertafeln für Saupsdorf und Gohrisch

Für seine Karten ist er nicht nur in der Sächsischen Schweiz unterwegs, auch im Osterzgebirge oder im Zittauer Gebirge. Ebenso zeichnet er Karten von einzelnen herausgehobenen Gebieten beziehungsweise für Wandertafeln. Einiges davon entsteht in Lohnarbeit. Und solche Kundenaufträge mit Umsatz außer der Reihe sind gerade in dieser Zeit willkommen.

Derzeit sind es drei größere Aufträge, an denen er arbeitet. Dazu gehört eine Wandertafel für den Sebnitzer Ortsteil Saupsdorf. Elf Arbeitsschritte sind notwendig, bis die Wandertafel fertig ist. Bei anderen sind es noch mehr. Seine Arbeitsschritte muss er den Auftraggebern regelmäßig vorlegen, damit der seine Hinweise mit einfließen lassen kann oder noch etwas korrigiert oder erweitert werden kann.

Immer mit spitzer Feder am Werk, Kartograf Rolf Böhm aus Bad Schandau.
Immer mit spitzer Feder am Werk, Kartograf Rolf Böhm aus Bad Schandau. © Steffen Unger
Das meiste Werkzeug hat er schon lange in Gebrauch. Seit über 30 Jahren entstehen handgezeichnete Karten aus seiner Feder.
Das meiste Werkzeug hat er schon lange in Gebrauch. Seit über 30 Jahren entstehen handgezeichnete Karten aus seiner Feder. © Steffen Unger
An Material ist schon so einiges zusammengekommen.
An Material ist schon so einiges zusammengekommen. © Steffen Unger

Eine weitere Karte zum Botanischen Garten in Bad Schandau hat er ebenfalls in Arbeit. Und natürlich war er auch dazu mehrmals vor Ort, um alles detailgetreu wiederzugeben. "Bei dieser Karte ist jeder Baum drauf", sagt er. In den Anfängen steckt er mit einer Detailkarte vom Kurort Gohrisch. Doch schon jetzt kann er verraten, dass da "jede Felsspalte mir drauf ist".

Liebeserklärung an den Winter im Elbsandsteingebirge

Seit über 30 Jahren zeichnet Rolf Böhm nun schon seine Wanderkarten. Dafür ist er auch im Winter unterwegs, besonders gern in der Sächsischen Schweiz. Das hat gleich mehrere Gründe. "Auf den Bäumen ist kein Laub. Man kann wunderbar weit durch den Wald blicken und ferne Berge erkennen, die man im Sommer niemals sehen kann." Und er sieht sogar "irisches Licht" in den Wäldern der Sächsischen Schweiz. Aus seiner Sicht hängt das damit zusammen, dass im Winter die Sonne tiefer steht. Strahlen, die durch die Bäume brechen, bescheinen zum Beispiel ein Moospolster. Und das sehe dann genauso grün wie in Irland aus. Sein wichtigster Hinweis: Man muss ganz genau hinschauen, um die Winterschönheiten in der Sächsischen Schweiz zu erkennen.

Zeit dazu kann man sich nehmen. Denn die Wintertage im Elbsandsteingebirge sind ruhig, still, nur wenige Menschen sind unterwegs. "Im Winter gehst du einfach irgendwohin raus. Und es ist ganz leicht, einen ganzen Tag lang keinem Menschen zu begegnen", sagt Böhm. Für ihn ist das eine willkommene Gelegenheit, die Gedenken zu sortieren, den Blick zu schärfen und die Natur aufzusaugen - für eine neue Wanderkarte.