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Die Jagd nach dem Friseurtermin

Während sich Kunden in Heidenau, Neustadt oder Bad Gottleuba auf einen baldigen Haarschnitt freuen, haben Friseure noch ganz andere Sorgen.

Vor dem Klappern der Scheren kommt das Klingeln der Telefone: Bei Friseurmeisterin Anja Neupert-Evers in Gottleuba füllt sich das Bestellbuch.
Vor dem Klappern der Scheren kommt das Klingeln der Telefone: Bei Friseurmeisterin Anja Neupert-Evers in Gottleuba füllt sich das Bestellbuch. © Karl-Ludwig Oberthür

Ich habe einen Friseurtermin: Das kommt derzeit einem Lottogewinn gleich. Wer schnell war und Glück hatte, ist schon in der ersten Märzwoche dran. Viele Friseure vergeben inzwischen schon Termine für die zweite und dritte Woche.

Wie man bei noch geschlossenen Salons zu einem Termin kommt, dafür gibt es verschiedene Wege. Annett Friedrich, Inhaberin des Salons König in Heidenau, bietet ihren Kunden alle möglichen Kanäle an: E-Mail, Telefon, Facebook und Instagram. Zu den aktuellen Konditionen gibt es Aushänge am Laden.

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Silvia Michel aus Königstein wiederum ruft alle zurück, deren Nummern sie auf dem Telefon hat. Eine Rufumleitung wie im Frühjahr hat sie für ihren Salon diesmal nicht eingerichtet. Die war teuer geworden, sagt sie. Anja Neupert-Evers hatte schon begonnen, Termine in ihren vier Salons in Bad Gottleuba und Heidenau für Ende Februar anzunehmen, mit der Maßgabe, dass die sich automatisch um eine Woche verschieben. Online-Termine gibt es bei Anja Neupert-Evers "leider nicht". Das jetzt einzurichten, sei auch eine Kostenfrage und habe aktuell keine Priorität. "Außerdem ist es schöner, mit den Kunden zu reden."

Das sind die Hygieneregeln beim Friseur

Die Neustädterin Anke Anton indes hält sich mit der Vergabe der Termine noch zurück und will erst am Donnerstag starten. Bis dahin hofft sie auf mehr Klarheit zu den Bedingungen für die Öffnung. Für Kunden ändert sich im Prinzip nichts im Vergleich zu der Zeit nach dem Frühjahrslockdown. Es bleibt bei Maskenpflicht, weder Warten im Salon noch Kaffeeausschank sind erlaubt.

Die Friseure haben diesmal noch mehr zu beachten. Das beginnt bei der Regel, dass sich nur eine Person pro zehn Quadratmeter in einem Raum aufhalten darf. Die hatte es im Frühjahr zunächst auch gegeben, sie war dann aber auf den 1,50-Meter-Abstand reduziert worden. Die zehn Quadratmeter bedeuten für einen 50-Quadratmeter-Salon fünf Personen, also zwei Friseusen und drei Kunden im besten Fall. Das ist zum Beispiel bei Anja Neupert-Evers die Hälfte von dem, was in Bad Gottleuba und Heidenau möglich wäre. Halb so viel Kunden heißt aber auch: doppelt so lange auf einen Termin warten.

Das müssen Friseure und Fußpflegebetriebe ab 1. März beachten:

  • Pflicht zum Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes für Beschäftigte und Kunden;
  • Aktualisierung und Umsetzung des vorhandenen Hygienekonzepts. Dazu gehören Abtrennungen und nur eine Person pro zehn Quadratmeter Ladenfläche, die wiederum Teil der für alle geltenden allgemeinen Arbeitsschutzordnung sind;
  • Kontaktdatenerhebung der Kunden;
  • Terminmanagement zur Vermeidung von Kundenansammlungen. Warten im Salon ist verboten;
  • Pflicht zur wöchentlichen Testung auf das Nichtvorliegen einer Infektion mit dem Corona-Virus Sars-CoV-2 für Mitarbeiter und Betriebsinhaber.

Die nächste Forderung betrifft die Arbeitszeit. Wo möglich, sollten am besten Schichten organisiert werden. Zum einen, um vielleicht doch ein paar Kunden mehr bedienen zu können, vor allem aber, um im Falle einer Positiv-Testung nicht den ganzen Laden zumachen zu müssen. Der Salon König in Heidenau wird künftig von 7 bis 20 Uhr geöffnet haben.

Wer bezahlt die Corona-Tests der Friseure?

Die Tests für die Mitarbeiter müssen die Salons selbst bezahlen, sie werden nicht umhin kommen, die Kosten dafür an die Kunden weiterzugeben. Silvia Michel hat sich für die drei Mitarbeiter und sich selbst Angebote eingeholt. Bei einem Allgemeinmediziner würden sie 120 Euro pro Person, also 480 Euro jede Woche kosten. In einer Apotheke klang das schon anders, sagt sie. Da waren es 35 Euro pro Test beim ersten Mal, jedes weitere Mal 20 Euro.

Annett Friedrich wird selbst testen. Am Freitag hat sie den Schulungstermin, der auch nicht so einfach zu bekommen war. Doch ohne Schulung kein Selbsttesten. Die Tests hat sie in Österreich bestellt. "Dort waren sie am günstigsten."

Die Handwerkskammer fordert eine rasche Klärung, wer die wöchentlichen Tests bezahlt. "Hier braucht es eine Lösung im Sinne der Betriebe – denn: Je mehr die gewerblichen Tätigkeiten durch Kosten und Corona-Bürokratie belastet werden, umso mehr stärkt das die Schwarzarbeit. Das kann und darf nicht das Ziel sein", sagt Sprecherin Carolin Schneider.

Dringend müsse zudem mehr Augenmerk auf die Impfsituation gerichtet werden. Der Weg hin zu mehr Normalität führe zwingend über das Impfen. "Testen, Impfen, Nachverfolgen heißt der Dreiklang, der das beste Mittel gegen die Ausbreitung des Corona-Virus ist", heißt es bei der Kammer. Es fehle auch ein längerfristiges Konzept, wie das Leben und Wirtschaften mit Corona sinnvoll ermöglicht und geregelt werden kann.

Kosmetiksalons sollen öffnen dürfen

Die Freude über die Erlaubnis für die Friseure, wieder arbeiten zu dürfen, mischt sich für manche mit einem unguten Gefühl. "Wir werden so für manche zum Feindbild, weil wir dürfen und andere nicht", sagt eine der Friseurinnen. Auch die Handwerkskammer fordert, dass zum Beispiel auch Kosmetiksalons wieder öffnen dürfen. Und es gibt weitere Bereiche, deren Hygienekonzepte sich im vergangenen Jahr schon bewährt hatten.

Anja Neupert-Evers hofft, dass schnell Routine in die neuen Abläufe kommt. Was, wenn wirklich mal eine Mitarbeiterin positiv getestet wird? Dann sind die Salons vor die nächste Herausforderung gestellt. So weit will Silvia Michel gar nicht denken. Sie hat im Moment nur einen Wunsch: "Lasst uns in Ruhe arbeiten."

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