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Haare runter - Preise rauf

Die Friseure dürfen ab Montag nach wochenlangem Corona-Lockdown wieder öffnen. Und sind einem Dauerfeuer aus Terminwüschen ausgesetzt.

Andrea Hensel musste für die Wiedereröffnung ihrer "Haargalerie Hensel" in Löbau zahlreiche Hygiene-Regeln erfüllen.
Andrea Hensel musste für die Wiedereröffnung ihrer "Haargalerie Hensel" in Löbau zahlreiche Hygiene-Regeln erfüllen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Gefühlt sehnen viele Menschen den 1. März an wie den Tag der Offenbarung. Am kommenden Montag dürfen als eine der ersten Friseure wieder ihre Läden öffnen. So hat man für den langsamen Weg aus dem Lockdown wenigstens die Haare schön - jedenfalls theoretisch. Denn ein Platz auf dem Frisier-Stuhl scheint derzeit schwerer zu ergattern zu sein als ein Impftermin gegen das Virus. Und dann wird der Haarschnitt auch noch erheblich teurer als vor der Krise.

Wer in diesen Tagen bei der "Haargalerie Hensel" am Löbauer Altmarkt anruft, hört mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Besetzt-Zeichen. Auf der Internetseite des Salons und per Facebook hat Chefin Andrea Hensel schon in den vergangenen zwei Wochen die Termine kommuniziert, an denen ihre Kunden telefonisch einen Termin zum Haareschneiden ausmachen können - und das Telefon klingelt unaufhörlich. "Ich hoffe, dass wir dann ab dem 1. März mit der Arbeit gut durchkommen, ohne dauernd ans Telefon laufen zu müssen", sagt sie.

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Die nächsten Wochen komplett ausgebucht

Und über zu wenig Arbeit werden sich Andrea Hensel und ihre sechs Mitarbeiterinnen in der ersten Zeit nicht zu beklagen haben. "Die ersten zwei Wochen sind komplett ausgebucht", sagt sie. Dabei schiebt das Team auch noch Extrastunden, um die Nachfrage bewältigen zu können. "Wir öffnen ab dem 1. März schon morgens um sieben statt wie früher um acht Uhr", sagt die Friseurmeisterin, "und abends hängen wir bis 19 Uhr noch eine Stunde dran."

Dennoch kann Hensel in ihrer "Haargalerie" immer noch wesentlich weniger Kunden bedienen als in Vor-Corona-Zeiten. "Theoretisch könnten wir neun Kunden im Salon bedienen. Aber wegen der Hygiene-Auflagen dürfen immer nur vier gleichzeitig rein", erklärt Andrea Hensel. Sie musste sicherstellen, dass zwischen den Arbeitsplätzen ein Mindestabstand von 1,50 Metern besteht. Kunden müssen sich die Hände desinfizieren. "Da haben wir Laufwege ausgeschildert", sagt sie. Maske ist sowieso Pflicht - für Kunden und Mitarbeiter. "Wir tragen die normalen OP-Masken", sagt Hensel, "weil den ganzen Tag mit einer FFP-2-Maske zu arbeiten, ist eine Zumutung."

Warum der Preis für den Haarschnitt steigen muss

Das verpflichtende Hygienekonzept sorgt für weiteren Aufwand. "Die Arbeitsplätze und das Arbeitswerkzeug müssen etwa nach jedem Kunden desinfiziert werden", sagt Andrea Hensel. Einmal die Woche müssen sich alle Mitarbeiter auf das Corona-Virus testen lassen. "Dafür kommt jeden Freitag in der Mittagspause ein Arzt ins Geschäft. Das kostet pro Person rund 25 Euro", erklärt die Inhaberin.

Weniger Kundenkapazität und gleichzeitig höherer Aufwand - das wirkt sich natürlich auch auf die Preise für den Haarschnitt aus. "Natürlich müssen wir die Preise erhöhen, die ganzen Maßnahmen müssen bezahlt werden", sagt Hensel. Außerdem seien auch die Preise für Material wie Shampoo oder Färbemittel um rund zehn Prozent gestiegen. Konkret steigen die Preise in der "Haargalerie Hensel" für einen Herrenhaarschnitt um zwei Euro, bei den aufwendigeren Damenschnitten fällt die Preissteigerung noch höher aus.

Andrea Hensel verteidigt die Steigerung: "50 Prozent des Umsatzes muss ich für Personalkosten aufwenden. Den größten Teil der Kosten eines Haarschnitts macht also die Arbeitszeit aus." Für einen Damenhaarschnitt seien ihre Mitarbeiter bis zu einer Stunde beschäftigt. Bei einem Einstiegspreis von 45 Euro sei die Handwerkerstunde für die Kunden damit immer noch günstiger als in vielen anderen Gewerken. "Die Zeit, die wir dem Kunden widmen, verdient auch Wertschätzung", sagt sie und wehrt sich gegen Gerüchte, die teils durchs Internet geistern. "Wenn ich da lese, der Preis für den Haarschnitt würde sich verdoppeln, das ist doch kompletter Unsinn. Wir bereichern uns ganz gewiss nicht an der Krise."

Längere Öffnungszeiten wegen Andrang

In der gleichen Situation wie Andrea Hensel steckt auch die Zittauer Friseurmeisterin Romy Hepper mit ihrem "Studio H2O" in der Johannisstraße. "Wir haben den Salon jetzt gerade noch mal zur Baustelle gemacht, um die Arbeitsplätze besser voneinander zu trennen", sagt sie. Und für einen besonderen vom Friseur gewohnten Service, gibt es auch besondere Vorschriften. "Wir wollen wieder Zeitschriften auslegen. Die dürfen die Kunden aber nur lesen, wenn sie dabei Einmal-Handschuhe tragen", erklärt Hepper. Statt wie früher acht Kunden, kann sie erst mal nur maximal vier bedienen. Und diese Plätze werden in der ersten Zeit stets ausgelastet sein.

"Das Telefon läuft derzeit heiß", sagt sie. Auch bei ihr sind in den ersten zwei Wochen keine Termine mehr zu haben. Um möglichst viele Kunden bedienen zu können, hat Romy Hepper jetzt sogar eine 6-Tage-Woche eingeführt. "Wir öffnen jetzt auch montags. Da hatten wir bisher immer Ruhetag", sagt sie. Und am Freitag schneidet ihr Team zwei Stunden länger bis 20 Uhr.

Hohe Mehrkosten für Wäsche und Desinfektion

"Natürlich sind die Preise ordentlich gestiegen, etwa um zehn Prozent", sagt Hepper und nennt neben der gesunkenen Kapazität die größten Preistreiber: Zum einen brauche sie Unmengen Desinfektionsmittel und weil die Mitarbeiter nach jedem Kunden auch den Arbeitskittel wechseln müssten, würden Waschmaschine und Trockner noch öfter laufen - und dadurch natürlich Mehrkosten verursachen. Für die nötigen Corona-Tests hat sich Hepper weitergebildet. "Ich habe extra einen Kurs beim DRK gemacht, damit ich die Tests selbst machen kann", sagt sie. Dadurch würden die Kosten pro Person und Woche nur elf Euro betragen.

Romy Hepper macht den Kunden aber bezüglich der Preise auch Hoffnung für die Zukunft. "Wenn sich alles wieder normalisiert und wir nicht mehr diese Kosten für Desinfektion und Wäsche haben, würde ich auch die Preise wieder anpassen", sagt sie. Jetzt freut sie sich erst mal, dass sie endlich wieder loslegen kann: "Die Kunden wünschen uns per Mail oder auf Facebook alle einen Superstart und freuen sich, dass sie wieder kommen dürfen."

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