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Schwangere sollten sich impfen lassen

Über Grippe- und Corona-Schutz gibt es viele Falschinfos, sagt eine Frauenärztin aus Sachsen. Warum der Pieks in diesem Jahr besonders wichtig ist.

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Eine für die Grippe-Impfung einer Schwangeren vorbereitete Spritze mit dem Vakzin Vaxigrip Tetra 2021/2022· liegt in einer sächsischen Frauenarztpraxis.
Eine für die Grippe-Impfung einer Schwangeren vorbereitete Spritze mit dem Vakzin Vaxigrip Tetra 2021/2022· liegt in einer sächsischen Frauenarztpraxis. ©  dpa/Jan Woitas

Für Schwangere ist eine Impfung gegen Grippe in diesem Herbst laut Experten besonders wichtig. Nach der ausgefallenen Welle vergangene Saison sei in diesem Jahr mit mehr Erkrankten zu rechnen, sagt Cornelia Hösemann vom Berufsverband der Frauenärzte. „Denn das Immunsystem muss erst wieder trainiert werden. Außerdem fällt bei 2- oder 3G-Regelungen die Maskenpflicht weg, so dass Infektionen, die über Tröpfchen verbreitet werden, wieder mehr vorkommen werden.“

Schwangere sind laut der Medizinerin, die auch Mitglied in der Sächsischen Impfkommission (Siko) ist, besonders gefährdet, wenn sie sich mit bestimmten Krankheitserregern anstecken: „Eine echte Influenza in der Schwangerschaft kann lebensbedrohlich sein.“ Bei schweren fieberhaften Infektionen steige die Gefahr für frühzeitige Wehen und eine Frühgeburt.

In ihrer Praxis in Großpösna bei Leipzig werde seit Ende September gegen Grippe geimpft, berichtet Hösemann. Teils bekämen Schwangere gleichzeitig den Piks gegen Covid-19. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Corona-Immunisierung mit mRNA-Vakzinen für ungeimpfte Schwangere seit Mitte September, während sich die Sächsische Impfkommission bereits im Mai dafür ausgesprochen hatte. Daraufhin seien Frauen auch aus anderen Bundesländern in ihre Praxis gefahren.

Frauenärztin Cornelia Hösemann ist Vorstandsmitglied im Berufsverband der Frauenärzte, Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen sowie Mitglied in der Sächsischen Impfkommission.
Frauenärztin Cornelia Hösemann ist Vorstandsmitglied im Berufsverband der Frauenärzte, Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen sowie Mitglied in der Sächsischen Impfkommission. ©  dpa/Jan Woitas

Unwissenheit und Fehlinformationen rund um die Covid-19-Impfung bekommt sie häufig mit. Ungeimpfte Frauen fragt sie nach den Gründen. „Viele haben eine Schwangerschaft geplant und sich deshalb nicht impfen lassen. Das wäre nicht notwendig gewesen.“ Wegen des mRNA-Impfstoffs müsse man sich keine Sorgen machen, betonte Hösemann. Viele Frauen hätten aufgeschnappt, die Impfung mache angeblich unfruchtbar. Sie halte dagegen, dass nach dieser Logik auch die vielen Millionen Corona-Infizierten unfruchtbar sein müssten, was aber nicht der Fall sei.

Manche Menschen glaubten auch, Impfungen in der Schwangerschaft seien generell schädlich für das Ungeborene, sagte Hösemann. Tatsächlich sollen Lebendimpfstoffe wie gegen Masern, Mumps und Röteln in der Schwangerschaft nicht verabreicht werden. Bei sogenannten Totimpfstoffen jedoch, die abgetötete Erreger oder deren Bestandteile enthalten, gebe es keine Bedenken, die Impfreaktionen seien gering, sagte die Ärztin.

Grund für das erhöhte Risiko von Schwangeren bei Krankheiten wie Grippe, Keuchhusten und Covid-19 sei vor allem das Immunsystem, erklärt Hösemann. Es sei gedrosselt, da es sich sonst gegen das Ungeborene richten würde. Die Sauerstoffaufnahme der Mutter sei zudem lebensnotwendig für das Kind. Ist die Atmung der Schwangeren etwa durch eine Lungenerkrankung beeinträchtigt, schädige dies auch das Kind. Bei Impfungen gehe es um den Schutz von Mutter und Kind: Über den Mutterkuchen würden Antikörper weitergegeben, so dass das Baby auch im ersten halben Jahr nach der Entbindung über den sogenannten Nestschutz verfügt. Auch das Stillen trägt dazu bei.

Gegen Grippe und Covid-19 geimpft wird in der Regel ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel – eine reine Vorsichtsmaßnahme, wie Hösemann sagte. In Risikoschwangerschaften sei der Piks auch im ersten Trimenon möglich. (dpa)