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"Mit dem Virus kann man nicht diskutieren"

Gunther Emmerlich ist trotz Pandemie wieder auf Tournee. Eine Station ist Walddorf. So ist seine Sicht auf die Krise, Konzerte mit Einschränkungen und Weihnachten.

Von Romy Altmann-Kuehr
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Gunther Emmerlich ist bekannt für seine Kirchenkonzerte und auch in der Oberlausitz immer wieder zu Gast - hier bei einem früheren Auftritt in der Bergkirche Oybin.
Gunther Emmerlich ist bekannt für seine Kirchenkonzerte und auch in der Oberlausitz immer wieder zu Gast - hier bei einem früheren Auftritt in der Bergkirche Oybin. © Archivfoto: Sächsische Zeitung

In diesem Jahr gibt es in der Walddorfer Kirche wieder ein Adventskonzert. Am 1. Advent ist Gunther Emmerlich mit seinem Ensemble zu Gast. Der Sänger und Moderator ist nicht zum ersten Mal in der kleinen Dorfkirche. Und auch in anderen Orten der Oberlausitz ist er mit seinen Programmen schon zu Gast gewesen. Dennoch ist diesmal einiges anders - pandemiebedingt. Mit seinen Adventskonzerten ist Gunther Emmerlich derzeit und noch bis kurz vor Weihnachten in ganz Deutschland unterwegs. Wie die Auftritte unter Pandemie-Bedingungen funktionieren und was Zuschauer in Walddorf beachten müssen, sagt der Sänger im Interview.

Herr Emmerlich, wie geht es Ihnen?

Das ist eine merkwürdige Zeit, das muss man schon sagen. Aber ich ringe ihr das Beste ab. Ich gehöre nicht zu denen, die auf Demos jedweder Art gehen. Mit dem Virus kann man nicht diskutieren. Und ich meine: Wenn das Haus brennt, ist alles andere als zu löschen ziemlich dämlich. Unter den derzeitigen Umständen geht es mir gut, ich habe wieder Veranstaltungen, kann unterwegs sein.

Wie haben Sie als Künstler die letzte Zeit erlebt?

Natürlich sind auch bei mir Veranstaltungen aufgrund der Pandemie abgesagt worden. Aber das ging ja allen Künstlern so, da fühle ich mich nicht schlecht behandelt. Ich habe immer arbeiten können, wenn auch gebremst. Ich habe die Zeit des Lockdowns zum Beispiel genutzt, mich hingesetzt und ein neues Buch geschrieben. Ich glaube, ein Problem mancher Kollegen ist, dass sie immer gesellschaftliche Aufmerksamkeit genießen: Man steht auf der Bühne und wird bejubelt, man dreht einen Film, gibt Konzerte. Irgend etwas ist immer los. In solchen Ausnahmesituationen, wie wir sie jetzt erlebt haben, muss man aber eben auch mal ohne das alles zurechtkommen. Ich persönlich müsste nicht mehr arbeiten. Ich will aber noch was machen und bin dankbar, dass ich es kann.

Wie erleben Sie das Publikum jetzt? Sind die Menschen froh, dass es wieder Veranstaltungen gibt?

Ja, sehr. Die Leute sind dankbar, dass etwas passiert. Das spürt man ganz deutlich. Ich aber auch. Ich weiß gar nicht, wer sich immer mehr freut: das Publikum oder ich. Es gab ja die Sorge, dass die Leute sich das Ausgehen abgewöhnen. Das ist definitiv nicht der Fall. Die Freude ist deutlich erkennbar. Und ich freue mich genauso, wieder vor Publikum aufzutreten.

Wie aufwendig sind die Konzerte unter Corona-Bedingungen? Was ist zu beachten?

Das wird überall unterschiedlich gehandhabt, je nachdem wie die Lage vor Ort ist. Wir sind deutschlandweit unterwegs, das ist in jedem Bundesland anders geregelt. Mal gibt es Veranstaltungen mit 2G, mal 3G, mal mit weniger Publikum. Ich begrüße dann immer die Gäste mit: "Wir sind restlos ausverkauft, aber trotzdem schlecht besucht." So wird es auch in Walddorf sein. Es steht eine begrenzte Platzkapazität zur Verfügung, damit genug Abstand eingehalten werden kann.

Verstehen Sie mich nicht falsch, wenn ich da so locker rede. Ich finde furchtbar, was zurzeit passiert. Aber wie gesagt: Das Virus lässt nicht mit sich reden. Wie müssen alles tun, dass wir das hinter uns lassen. Und ich bin dankbar, dass vieles wieder stattfinden kann - eben unter bestimmten Voraussetzungen.

Was erwartet die Konzertbesucher in Walddorf?

Es gibt vorweihnachtliche Musik zu hören, auch barocke Musik, zum Beispiel von Bach und Händel. Wir haben eine tolle Besetzung dabei: Pascale Schmidt ist eine Sopransängerin, die auch schon an der Semperoper war, daher kenne ich sie. Sabina Herzog mit dem Cello, Johann Plietzsch an der Trompete und der Organist Matthias Suschke sind ebenfalls dabei. Zwischen den Darbietungen trage ich weihnachtliche Geschichten vor - von berühmten Leuten und auch von mir selbst, aus meinen vier Büchern. Zum Programm gehören auch ein paar Spielszenen - eben alles, was man von einem Weihnachtsprogramm erwarten kann. Denn die Menschen haben tatsächlich gewisse Erwartungen und Vorstellungen, was sie im Advent hören wollen. Und diese Erwartungen will ich nicht enttäuschen. Ich hatte mal den Ehrgeiz, ein ganz anderes Weihnachtsprogramm zu machen. Das war keine gute Idee. Die Menschen lieben eben ihre Rituale.

Apropos - wie steht es um Ihre Rituale zur Weihnachtszeit? Wie werden Sie die Feiertage verbringen?

Indem ich mich zerteile - ich habe zehn Enkelinnen! An Heiligabend bin ich bei meiner Tochter und ihrer Familie, sie hat drei Mädchen. Am 1. Weihnachtsfeiertag feiere ich mit meinem Sohn und dessen Familie. Wir machen Thüringer Klöße und seine Schwiegereltern bringen die Gans mit. Das ist eine lieb gewonnene Tradition bei uns.

Das Konzert mit Gunther Emmerlich und seinem Ensemble findet am 1. Advent, dem 28. November, in der Kirche Walddorf statt. Beginn ist 17 Uhr, Einlass ab 16 Uhr. Karten im Vorverkauf: Pfarrämter Eibau und Walddorf, Blumenhäusel Eibau, Buchhandlung Fiedler Neugersdorf.