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Corona-Gurgel-Tests in Dresden verfügbar

Auf dem Gelände des Clubs "objekt klein a" in Dresden werden ab Mittwoch besondere PCR-Tests angeboten. Das sind die Vorteile der Methode.

Wollen die Corona-Lage mit Gurgeltests in den Begriff bekommen - und arbeitslosen Kulturschaffenden helfen: Tino Götz, Marvin Heinemann,  und Natalie Brindle (v.l.nr.)
Wollen die Corona-Lage mit Gurgeltests in den Begriff bekommen - und arbeitslosen Kulturschaffenden helfen: Tino Götz, Marvin Heinemann, und Natalie Brindle (v.l.nr.) © Palais Pallet e.V.

Dresden. In Hamburg und Köln gibt es sie schon seit Ende des vergangenen Jahres, nun sind sie auch in Dresden möglich. Die Rede ist von PCR-Tests auf eine Corona-Infektion, die ohne Abstrich gemacht werden.

Am Mittwoch öffnet der Dresdner Kulturverein Palais Pallett e.V. auf dem Gelände des Technoclubs "objekt klein a" in der Meschwitzstraße 9 seine Teststation.

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Was steckt hinter der neuen Testmethode?

Axel Strehlitz, Betreiber mehrerer Clubs auf der Hamburger Reeperbahn, ist der Begründer des sogenannten "Corona-Freepass" (zu Deutsch "Corona-Freikarte). Strehlitz wandte sich im Herbst 2020 an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, das intensiv zu epidemiologischen Fragen rund um das Coronavirus forscht.

Sein Ziel: eine Möglichkeit finden, wie Clubs sicher wieder öffnen können. "Ein Professor hat mir dann bestätigt, dass die Gefahr, jemanden nach einem negativen PCR-Test anzustecken, für 36 Stunden nicht besteht", sagte Strehlitz kurz vor Weihnachten in einem Interview mit dem ZDF.

Deshalb baute er Anfang Dezember mitten auf der Reeperbahn eine Teststation auf, die Corona-Tests unkompliziert und ohne lange Wartezeit ermöglichen sollte. Dabei kommen PCR-Tests zum Einsatz, bei der der Getestete 20 Sekunden lang mit einer Kochsalzlösung gurgelt. Anschließend spuckt er die Lösung in einen verschließbaren Becher

Öffnen können die Clubs zwar bis heute nicht, doch die Methode, die auch in Wien und Köln in den vergangenen Monaten intensiv erprobt wurde, hat das Potential herkömmliche Tests abzulösen.

Was sind die Vorteile?

Der offensichtlichste Vorteil des Gurgel-Tests: Viele Menschen empfinden einen Rachen- oder Nasenabstrich mit einem Wattebausch als sehr unangenehm. Würgereflex und Schmerzen könnten bisher so manchen davon abgehalten haben, sich auf Corona testen zu lassen - mit der Folge einer höheren Dunkelziffer nicht bemerkter Infektionen.

Bei dem neuen Angebot handele es sich außerdem um "einen richtigen PCR-Test, der nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts 'Goldstandard' sei". "Die zahlreich im Umlauf befindlichen Antigen-Tests, auch Schnelltests genannt, reagieren lediglich auf Proteine des Virus und sind weniger sensibel", sagt Natalie Brindle.

Das Wichtigste zum Coronavirus in Dresden:

Die 28-Jährige, die eigentlich an der TU Dresden gefährdete und politisch verfolgte Wissenschaftler betreut, sieht es als weiteren Vorteil, dass das kooperierende Labor in Stendal mit dem sogenannten Pooling-Verfahren arbeitet. "Dabei werden mehrere Proben in einem Durchgang (Pool) getestet. In unserem Fall nutzt das Labor 5 Proben. Das spart Zeit und Ressourcen, denn man muss nur noch ein Fünftel an Durchläufen starten", heißt es auf der zugehörigen Website.

Wenn ein Pool negativ ist, seien auch alle 5 Proben negativ. Wenn ein Pool positiv anschlage, würden die zurückbehaltenen Reste der entnommenen Proben einzeln nachgetestet. Möglich ist das, weil das Labor durch das Gurgeln Becher mit viel Flüssigkeit bekommt.

Ist das Gurgel-Verfahren sicher?

Das Robert-Koch-Institut betont, dass noch relativ wenige Erfahrungswerte zu den neuen Tests vorliegen. Aber: "Für Rachenspülwasser deuten wenige Veröffentlichungen auf eine mit nasopharyngealen Abstrichen vergleichbare Sensitivität der PCR hin", schreibt das Institut.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt die Methode als Alternative zum Abstrich. Bisher deuten jedenfalls nahezu alle Untersuchungen darauf hin, dass der PCR-Gurgeltest ähnliche Ergebnisse liefert. Wissenschaftler der Uni Wien bezeichnen das Verfahren ebenfalls als "verlässliche Alternative".

Allerdings warnt das RKI auch vor Fallstricken: Durch das Gurgeln werden nämlich vermehrt Aerosole freigesetzt und wer mit zu viel Lösung gurgle, verfälsche ebenfalls das Ergebnis.

Beim neuen Testzentrum habe man diese Probleme aber bereits von vornherein mit bedacht, betont Natalie Brindle. Zwar seien die Mitarbeiter kein medizinisches Personal, doch das brauche es auch gar nicht.

"Alle, die im Testzentrum arbeiten, wurden vorher in Hamburg am Bernhard-Nocht-Institut geschult und achten genau darauf, dass mit der richtigen Menge 20 Sekunden lang gegurgelt wird", erklärt Brindle. Das Infektionsrisiko sei sogar geringer als in normalen Testzentren.

"Denn die Leute führen den Test bei sich selber durch, in einem offenen Pavillonzelt. Es gibt keinen direkten Kontakt, unsere Mitarbeiter gehen auf Abstand, erklären und beobachten, ob alles richtig gemacht wird."

Kosten, Organisation und Benachrichtigung

Um den Corona-Gurgeltest am "objekt klein a" zu machen, müssen sich die Interessenten vorher online auf einer neu eingerichteten Internetplattform anmelden und einen Termin vereinbaren. "Damit reduzieren wir das Infektionsrisiko in großen Warteschlangen", sagt Nathalie Brindle.

Der Test kostet pro Person 34,95 Euro und werde innerhalb von 24 Stunden von dem auf das Verfahren spezialisierten Labor des Mediziners Walter Hauke im sachsen-anhaltinischen Stendal analysiert und befundet. Zurzeit kann der Test nur online mit Kreditkarte bezahlt werden, bald soll auch PayPal als Zahlungsmethode möglich sein.

Über das Ergebnis werden die Getesteten per SMS benachrichtigt, zusätzlich bekommen sie ein PDF in deutscher und englischer Sprache zugeschickt. Der Grund: Bei den meisten internationalen Reisen ist inzwischen ein englischsprachiger PCR-Test Einreisevoraussetzung. Auch für Pendler und Rückkehrer sei das eine große Erleichterung, meint Brendle.

Insgesamt liege die Testkapazität in der Meschwitzstraße bei 200 Tests pro Tag, je nach Resonanz plant das Team, auf 400 Stück aufzustocken. "In Hamburg wurden teilweise bis zu 1.000 Personen am Tag getestet", sagt die 28-Jährige.

Warum der Kulturverein jetzt ein Testzentrum betreibt? Zum einen wolle man, dass sich jeder einen Test leisten könne. "Präventives Testen zu einem günstigen Preis könnte bei wieder sinkenden Infektionszahlen einen künftigen Exit aus dem Lockdown markieren", sagt Brindle.

Zum anderen wolle man Arbeit schaffen. Das zehnköpfige Team des Testzentrums bestehe zum großen Teil aus Kulturschaffenden, die während der Pandemie ihren Job verloren haben. Corona bald ein Ende zu setzen - dafür wollen sie selbst aktiv werden.

Terminanmeldungen und alle Informationen zum Testzentrum gibt es unter www.dresden.coronafreepass.de. Öffnungszeiten: Mo bis Fr 7.30 Uhr bis 12.30 Uhr, Sa/So 15 Uhr bis 19 Uhr.

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