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Weihnachten bei der Corona-Heldin

Im Frühjahr gehörte die Pirnaer Postbotin Dominique Janowski zu denen, die das Leben trotz Krise aufrecht hielten. Jetzt ist sie zu Hause. Aus gutem Grund.

Nächstes Jahr ist die Familie größer: Dominique Janowski und ihre Tochter Leni Annemarie schmücken den Weihnachtsbaum vorm Haus.
Nächstes Jahr ist die Familie größer: Dominique Janowski und ihre Tochter Leni Annemarie schmücken den Weihnachtsbaum vorm Haus. © Daniel Schäfer

Als im Frühjahrs-Lockdown die Straßen wie leergefegt waren, war Dominique Janowski weiter wie immer mit ihrem roten Postmodern-Fahrrad unterwegs. In Pirnas Altstadt trug die 33-Jährige Post und Päckchen aus. Sie hatte keine Angst, aber war doch vorsichtig. Jetzt versucht sie, möglichst wenig rauszugehen. Arbeiten geht sie schon seit September nicht mehr. Seit dem Tag, an dem sie wusste, dass sie schwanger ist. Ihr Arbeitgeber und sie selbst entschieden: Kein Risiko.

Mit Corona-Maske alles etwas schwieriger

Mit dem Kind im Bauch in der Stadt raumlaufen, das hatte der Pirnaerin vor acht Jahren bei ihrer ersten Tochter keine Sorgen bereitet. Aber jetzt beim zweiten Kind ist eben alles anders. Wenn sie mit der Maske einkaufen geht, merkt sie, dass sie kurzatmiger ist. So das schwere Fahrrad fahren bzw. schieben zu müssen, treppauf, treppab zu laufen, das kann sie sich eigentlich gar nicht vorstellen.

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Im Frühjahr trug Dominique Janowski in der wie ausgestorben wirkenden Pirnaer Altstadt die Post aus. Seither hat sich vieles geändert. Auch bei ihr persönlich.
Im Frühjahr trug Dominique Janowski in der wie ausgestorben wirkenden Pirnaer Altstadt die Post aus. Seither hat sich vieles geändert. Auch bei ihr persönlich. © Daniel Schäfer

Tochter Leni redet schon mit dem Baby, das höchstwahrscheinlich eine kleine Schwester wird. Das wollte Dominique unbedingt wissen. "Ich konnte das nicht aushalten", sagt sie. Nicht nur wegen der Vorfreude, die wäre bei einem Jungen genauso groß gewesen. Aber sie ist praktisch veranlagt und denkt an Kleidung und Spielzeug. Klar auch von Leni ist noch einiges da. Die redet schon mit dem Baby, fragt es, wie es ihm geht. Die Mama fragt sie, ob sie das Baby dann auch wickeln, streicheln und auf den Arm nehmen darf. "Natürlich, das darfst du alles", sagt Dominique Janowski dann.

Es war der Wunsch von ihr und ihrem Lebensgefährten, dass Leni noch ein Geschwisterchen bekommt. Der Zeitpunkt ist Zufall. Die größte Sorge ist, dass der Vater bei der Geburt nicht dabei sein könnte. Das bewegte auch die Schwangeren, die im Frühjahr entbunden haben. In der Regel erlaubten das die Kliniken. Nur Besuche nach der Entbindung waren nicht erlaubt. Das würde ich überstehen, sagt Dominique Janowski. Das größte Geschenk ist ein gesundes Kind. Und wenn es sich an den Termin hält, erblickt es einen Tag vor Dominiques Geburtstag das Licht der Welt.

Aggressivität nimmt in Corona-Situation zu

Wenn sie doch mal am Tage raus muss, zum Arzt oder in die Apotheke zum Beispiel, achtet sie auf Abstand und Mundschutz und was so dazugehört. Schon im Frühjahr hatte sie auch immer Desinfektionsmittel bei sich und wusch sich bei jeder Gelegenheit die Hände. Mit der Zeit ist das Gewohnheit geworden. Nur an manche Verhaltensweisen anderer kann sie sich nicht gewöhnen. Zum Beispiel die wachsende Aggressivität mancher Menschen.

"Erst vor wenigen Tagen in der Apotheke. Da wollte ein Mann nur vorgehen und etwas fragen, da schimpfte schon eine Frau. Es haben doch alle jetzt nicht einfach, sagt Dominique. Ein bisschen Verständnis füreinander und Rücksicht sollten doch nicht so schwer sein. Gerade jetzt, gerade weil Weihnachten und weil Corona-Zeit ist.

Homeschooling und viele Fragen einer Achtjährigen

Noch bleibt ihr viel Zeit zu Hause. Am Anfang ging Leni noch zur Schule. Inzwischen ist sie zu Hause. Keiner weiß, wie das im Januar weitergeht. Dominique versucht, sie immer etwas zu beschäftigen und abzulenken. Mutter und Tochter nutzen die Zeit, Leni ist mit ihren acht Jahren in dem Alter, in dem sie vieles schon versteht, aber auch viele Fragen hat. Zum Baby und zu Corona, zu dem, was gerade alles passiert.

Dominique und ihr Lebensgefährte versuchen, ihr vieles zu erklären. Keine Angst machen vor dem Virus, aber auch nicht unvorsichtig sein oder es auf die leichte Schulter nehmen. Am Ende hilft eben am besten, so wenig wie möglich rauszugehen. Spazieren geht sie eher abends mal eine Runde. Es gab eine Zeit, da wollte sie überhaupt nicht raus. Die Sorge war einfach zu groß. Das hat sich ein bisschen gegeben, trotzdem vermeidet sie jedes nicht notwendige Verlassen ihres Zuhauses.

Weihnachtswünsche in Corona-Zeiten

Weihnachten geht vorüber, Corona wird noch eine Weile unser aller Begleiter bleiben. Im Frühjahr hatte sich Dominique Janowski bald wieder Normalität gewünscht, dass der Virus verschwindet oder zumindest fest im Griff gehalten wird. Beides wird sich wohl so schnell nicht erfüllen. Der größte Wunsch ist inzwischen einfach, dass alle gesund bleiben.

Lenis Weihnachtswünsche wurden in der Familie aufgeteilt und werden auch nicht alle auf einmal erfüllt. Mal sehen, welcher Weihnachtsmann die Batik-Maschine bringt. Damit will sie ihre T-Shirts und später die vom Baby verschönern. Jetzt aber wurde erst mal der Weihnachtsbaum geschmückt. Gefeiert wird immer nur im kleinen Kreis mit ihren Eltern. Nächstes Jahr gehört ein neuer kleiner Mensch dazu. Das ist ein Stück Weihnachten. Die Weihnachtsgeschichte ist die Geschichte von Frieden und Liebe und Leben und Hoffnung.

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