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Corona: „Mein erstes ruhiges Weihnachten“

Über die Festtage dürfen Hotels Gäste aufnehmen, die nicht bei Verwandten unterkommen können. Die Begeisterung darüber hält sich im Rödertal in Grenzen.

Sebastian Dietrich gehört das Hotel „Zwei Linden“ in Ottendorf. Er wird über die Feiertage nicht öffnen. „Das lohnt sich nicht“, sagt er.
Sebastian Dietrich gehört das Hotel „Zwei Linden“ in Ottendorf. Er wird über die Feiertage nicht öffnen. „Das lohnt sich nicht“, sagt er. © Archivfoto: Sven Ellger

Radeberg. Wenn es auf die Festtage zugeht, „ist das bei uns immer Stress ohne Ende“, erzählt Torsten Göpner. Ihm gehört das Wachauer Erbgericht, ein gemütlich-rustikaler Restaurantbetrieb, zu dem auch eine kleine Pension gehört. Und jetzt? „Ich werde in diesem Jahr mein erstes ruhiges Weihnachten haben“, sagt Göpner, der schon viele Jahre in der Branche arbeitet.

Wenn man ihn hört, weiß man allerdings nicht, wie man den Tonfall in seiner Stimme einordnen soll. Ist es Sarkasmus oder ein Anflug von Erleichterung, weil man in diesen Tagen zur Ruhe kommt? An Weihnachten die Familie besuchen und abends im Hotel übernachten: In Sachsen soll das doch trotz der hohen Infektionszahlen, trotz etlicher Landkreise, die mittlerweile zu Hochrisikogebieten mutiert sind, möglich sein. Wie einige andere Bundesländer hat der Freistaat seine Corona-Verordnung entsprechend angepasst. Das heißt für jemanden wie Torsten Göpner, dass er vom 24. bis 26. Dezember Gäste aufnehmen darf.

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Damit wenigstens ein wenig Geld in die von Corona gebeutelten Kassen kommt. Oder? „Klar nehme ich Leute auf und bei mir gibt es auch ein Frühstück“, erzählt Göpner lachend. Ist allerdings die Frage, ob überhaupt jemand buchen wird.

Auch im Radeberger Hotel „Sportwelt“ wird man über die Festtage übernachten können. Man habe darüber nachgedacht, ob das Sinn mache, erklärt Geschäftsführer Jens Richter. Aber weil man ja ohnedies einen Außer-Haus-Verkauf anbiete und über die Festtage auch Personal da sei, habe man sich entschlossen, den Hotelbetrieb für den erlaubten Zeitraum vom 24. bis 26. Dezember zu öffnen. 44 Betten hat das Vier-Sterne-Sporthotel.

Wird es voll werden? Eher nicht, meint Jens Richter. Die Buchungsresonanz sei doch „ziemlich mau“. Die Nachricht, dass Beherbergungsbetriebe in Sachsen über die Weihnachts-Feiertage nun doch Gäste aufnehmen dürfen, hat beim sächsischen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga nicht gerade für überschwängliche Begeisterung gesorgt. Was daran liegt, dass sich das auf zwei Übernachtungen abgespeckte Weihnachtsgeschäft für die wenigsten Hoteliers lohnen wird. Und, so Axel Klein, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga Sachsen, das liege auch daran, dass etliche zu Weihnachten ihren Betrieb nicht öffneten, weil entweder das Personal freigestellt oder in Kurzarbeit sei.

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Ein Pensionsbesitzer aus Radeberg erzählt davon, dass die Verunsicherung bei vielen Menschen in Sachen Übernachtung an den Festtagen gegenwärtig hoch sei. Was ihn aber nicht wundert. Zuerst sei die Rede davon gewesen, dass Hotels vom 23. bis 27. Dezember öffnen dürfen, dann habe man die Übernachtungsmöglichkeiten auf die Festtage reduziert. „Da überlegt sich man sich einen Besuch bei der Verwandtschaft schon.“

Wer da vielleicht auf die Idee kommen sollte, dieses Übernachtungsangebot für einen Kurzurlaub zu nutzen, dürfte auf jeden Fall schlechte Karten haben. Denn das wird in den Pensionen und Hotels kontrolliert. Darauf weist auch Sportwelt-Geschäftsführer Jens Richter hin. „Wer bei uns absteigt, muss uns schriftlich bestätigen, dass er die Verwandten besucht.“ Diese Kontrollpflicht sei allen Betrieben auferlegt worden, so Richter weiter.

Dabei, das schränkt Dehoga-Chef Axel Klein ein, könne es nicht die Aufgabe der Hoteliers sein, zu kontrollieren, mit welchem Ziel die Gäste anreisten. Der Hotelier habe nur die Möglichkeit, den Gast abzufragen, müsse darauf vertrauen, was ihm derjenige sage, erklärt Klein weiter. Es gehe ja bei der Regelung nur darum, dass Hotels für Familienangehörige offenstehen sollen, die ihre Nächsten besuchen wollen, aber nicht in deren Wohnung oder Haus unterkommen könnten.

Wie viele Hotels und Pensionen in Sachsen an Weihnachten geöffnet haben, kann Klein nicht einschätzen. In anderen Bundesländern, in denen die Hotels an Weihnachten geöffnet sind, wie etwa Hessen, bieten bis zu 40 Prozent der Beherbergungsbetriebe Übernachtungen an.

"Im Dorf hat meist jeder Platz für seine Gäste"

Auch aus Sicht von Sebastian Dietrich, dem das kleine Hotel „Zwei Linden“ an Ottendorfs Peripherie gehört, macht es keinen Sinn, einen Hotelbetrieb für zwei Übernachtungen zu öffnen. „Wir sind doch hier auf dem Dorf“, erklärt er. Da hätten die meisten Einwohner in ihren Heimen doch wohl sicher genug Platz für ihre Gäste. Da brauche es sicher keine Hotelübernachtung, findet Dietrich, der seine Situation - sein Restaurant musste er ja coronabedingt Anfang November schließen - damit beschreibt, dass es „eigentlich nur noch besser werden kann“.

Eine Sichtweise, der sicher auch der Wachauer Torsten Göpner zustimmen wird. Für die Beherbergungsbetriebe, für gastronomische Einrichtungen werde es sicher dann wieder rosiger aussehen, wenn „die Spargelzeit losgeht“. Die beginnt in den hiesigen Breiten zumeist Mitte oder Ende April. Lange Zeit noch bis dahin.

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