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Corona-Angst: Einfach mal ins Kopfkissen schreien

Hypnotiseur Ralf Kröhne aus Haselbachtal berät Menschen in Partnerkrisen oder wenn sie abnehmen wollen. Doch jetzt dominieren andere Probleme.

Ralf Kröhne aus Haselbachtal führt seine Fachpraxis für Hypnose, Coaching,
psychologische Beratung und Bioenergetik in Dresden seit elf Jahren. Die Corona-Krise macht sich auch auf seiner Beratungscouch bemerkbar.
Ralf Kröhne aus Haselbachtal führt seine Fachpraxis für Hypnose, Coaching, psychologische Beratung und Bioenergetik in Dresden seit elf Jahren. Die Corona-Krise macht sich auch auf seiner Beratungscouch bemerkbar. © René Plaul

Haselbachtal/Dresden. Angst beherrscht die Welt - und ein Stück Ausweglosigkeit. Das hat Ralf Kröhne  in den letzten Monaten bei seinen Klienten bemerkt. Corona ist allgegenwärtig - in Familien, Freundeskreisen, auf Arbeit und in persönlichen Gesprächen. Und diese diffuse Angst sitzt auch täglich mit im Behandlungszimmer von Ralf Kröhne, macht sich auf dessen beigefarbener Couch breit.

Wer den Weg in seine Hypnose-Fachpraxis nach Dresden findet, hat Probleme. In Nicht-Corona-Zeiten meistens  in der Beziehung, mit dem Selbstwertgefühl, mit übergroßer Eifersucht, Lernblockaden, alten Wunden. Oder aber die Menschen kommen zu Kröhne, weil sie sich das Rauchen abgewöhnen oder gesund abnehmen wollen.  Manch einer will auch seine Prüfungsangst überwinden, ein nächster quälende Schuldgefühle loswerden. 

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"Die Menschen stehen plötzlich unter Druck"

Vielfältig sind die Problemfelder, mit denen Ralf Kröhne zu tun hat. Und Covid-19 brachte eine ganze Menge weiterer mit sich. "Man merkt seit März schlagartig: Die Menschen stehen plötzlich unter Druck, verspüren eine innere Unruhe, die es in diesem Ausmaß noch nicht gab. Und ihre Zukunftsängste steigen", sagt der Mann aus Haselbachtal. In Gesprächen kommt alles hoch. "Viele sind einfach nur froh, dass man ihnen Gehör schenkt, Ängste ernst nimmt."

Zum Beispiel saß bei ihm eine Frau, die weinend berichtete, dass sie ihr Kind angeschrien hat, nur weil es  Wasser verschüttet hatte. Die besorgte Mutter kannte sich vor dem Lockdown nicht so jähzornig. Und da war eine Tochter, die ihre Eltern wochenlang nicht besuchen durfte, weil sie Risikopatienten sind, und deren Schuldgefühle ins Unermessliche stiegen. Oder der Vater, der nach Feierabend viel zu viel trank und sich Sorgen machte, wie es weitergehen würde, wenn die Pandemie ewig dauert...

"Bekommt man eine Sache erklärt, wird sie erträglicher"

Für den Mentaltrainer aus dem Haselbachtal steht fest: In der Krise wird den Leuten immer noch zu wenig erklärt. "Man setzt den Menschen Regeln und Verordnungen vor, und sie erleben dadurch einen Machtverlust - auch über die eigenen Gefühle. Das macht ihnen zusätzlich Sorgen." 

Doch Angst sei häufig ein blockierendes Gefühl. Jeder erlebe sie anders: Die einen krakeelen sie draußen auf der Straße heraus, andere verfallen in Schockstarre und vereinsamen.  "Verbote bauen Druck auf. Bekommt man eine Sache aber verständlich erklärt, wird sie erträglicher!" Der Mensch brauche dringend eine Vorstellung davon, was ihn am Ziel erwartet und wie der Weg dahin aussehen kann. 

Ralf Kröhne ist kein Psychologe. Auch kein Psychotherapeut. Der 49-Jährige ist Mentaltrainer und bietet Hypnose-Sitzungen an. 80 Prozent seiner Klienten finden auf Weiterempfehlung zu ihm. Früher war er Friseurmeister, betrieb zwei Salons in der Landeshauptstadt. "Ich  habe meine Arbeit geliebt, es machte Spaß, eine Firma zu führen. Aber ich spürte auch immer: Das kann nicht alles gewesen sein", erzählt er. 

Mit 23 Jahren hatte er den Meister in der Tasche, mit knapp 35 orientierte er sich noch einmal um.  "Ich war immer nah dran am Menschen, als Friseur erfährt man viel. Da gab es oft Gespräche - zum Beispiel über plötzlichen Haarausfall." Ralf Kröhne wollte mehr über das diffizile Zusammenspiel von Körper und Seele wissen. Verschiedene naturheilkundliche und psychologische Ausbildungen folgten. 

"Die Akzeptanz von Hypnose ist gewachsen"

Mittlerweile führt er seine Fachpraxis für Hypnose, mentales Coaching,  psychologische Beratung und Bioenergetik in Dresden seit  elf Jahren. Fundiertes Wissen und der ständige Austausch mit anderen praktizierenden Hypnotiseuren und Hypnose-Schulen sind ihm wichtige Voraussetzung, um professionell im psychologischen Bereich zu arbeiten. 

Die Menschen würden sich zunehmend für das Thema interessieren und an bislang unbekanntes Terrain herantasten. "Die Akzeptanz von Hypnose ist mit den Jahren stark gewachsen, viele Klienten suchen nach Alternativen. Auch wenn anfangs oft die Angst vor dem Unbekannten überwiegt", sagt Kröhne. 

Vor allem die Vorstellung, unter der Hypnose die Kontrolle zu verlieren, bereitet den meisten Unbehagen. "Dabei ist Hypnose ein sehr selbstbestimmter Prozess. Bei mir kann man auch Selbsthypnose erlernen. Das wenden beispielweise Studenten an, wenn sie konzentriert arbeiten müssen oder Prüfungsstress haben", erklärt der Hypnotiseur. 

"Einfach mal ins Kopfkissen schreien"

Auch in der Corona-Krise könne damit gut daheim gearbeitet werden.  Es gebe einfache Programme ähnlich der Meditation. "Die Hypnose ist ein Zustand der Entspannung bei gleichzeitiger Konzentration", erklärt Ralf Kröhne. Sie optimiere den Geisteszustand. Die Leute sollten sich öfter fragen: Was kann ich selbst in dieser Krise tun, um meine Situation zu verbessern? Und muss ich eigentlich immer alle Dinge bewerten?  Wie kann ich lernen, über den unvermeidlichen Dingen zu stehen? 

"Manchmal tut es hier schon gut, über den eigenen Tellerrand zu schauen und anderen zuzuhören", so der Mentalcoach. Und wenn alles nicht hilft? "Einfach mal ins Kopfkissen schreien oder sich einen Box-Sack zulegen!", rät Ralf Kröhne. Danach sei man definitiv ruhiger. Eine gesunde Selbstliebe sei zudem wichtig.

Wenn alles nicht hilft, empfiehlt er dringend, sich an die Telefonseelsorge oder den psychosozialen Notdienst  zu wenden. Um Hilfe zu bitten, sei keine Schande und vor allem nicht unmännlich! "Auch ich kenne natürlich meine Grenzen und vermittle Menschen mit pathologischen, psychischen Problemen an Fachleute weiter", sagt Kröhne.

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