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Impfsprechstunde an der Kapazitätsgrenze

Trotz ausgeklügelter Organisation wird es bei Hausärztin Antje Herbst in Dürrröhrsdorf dauern, bis alle geimpft sind.

Viel Aufwand für die entscheidenden paar Sekunden. Ärztin Antje Herbst schafft 50 Impfungen pro Woche.
Viel Aufwand für die entscheidenden paar Sekunden. Ärztin Antje Herbst schafft 50 Impfungen pro Woche. © Steffen Unger

Antje Herbst und ihr Team haben schon im Januar begonnen, einen Plan fürs Impfen in ihrer Praxis zu machen. Da war noch lange nicht die Rede davon, dass die Hausärzte impfen können. "Wir wollten nicht so unvorbereitet wie die Politik sein", sagt sie. Als es Anfang April so weit war, konnten sie ein fertiges Konzept aus der Schublade ziehen.

In zwei Durchgängen zu je im Schnitt 18 Patienten wird seither mittwochnachmittags geimpft. Dafür haben Ärztin und Schwestern den freien Nachmittag geopfert. Immer sechs Patienten werden im Viertelstundentakt bestellt, nach 18 wird eine halbe Stunde gelüftet, gewischt, desinfiziert. Dann folgt die zweite Gruppe.

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Vertrauen entscheidet beim Hausarzt

Christine Rietzschel ist an diesem Mittwoch eine der Ersten, die geimpft wird. Sie will ihre Kinder in Bayern wieder besuchen können, die sie seit einem Jahr nicht gesehen hat. Nach der Impfung wird sie mit einem Kurzzeitwecker in einen der Praxisräume gesetzt. Die üblichen 20 Minuten Wartezeit hat Antje Herbst bei Christine Rietzschel auf 30 erweitert. Aus Sicherheit wegen Vorerkrankungen. Das war auch der Grund, weshalb die Frau der Impfung bei ihrer Hausärztin zustimmte. Die Nächste: Edith Kessler, 82. Sie hat zwar keine großen Pläne, aber als die Chance für die Impfung bestand, hat sie zugesagt. Der Weg ist günstig, man kennt sich.

Immer noch ungeimpfte über 80-Jährige

Bisher gab es keine akuten Impfreaktionen in der Praxis von Antje Herbst. Dafür hat sie bei Corona alles von Tod bis zu leichten Fällen erlebt. Sie selbst hatte es im Januar erwischt. So, dass sie es nicht noch einmal erleben will. Damals war die ganze Praxis in Quarantäne. Aber nicht erst seit diesem Moment ist die Ärztin erklärte Impfbefürworterin. Warum soll ich eine Krankheit bekommen, gegen die ich mich schützen kann?, lautet ihr Argument.

Immer noch sind Patienten der ersten Priorisierungsgruppe, also den über 80-Jährigen, unter den zu Impfenden. Die Warteliste wächst auch um viele Jüngere, seit sich alle beim Hausarzt impfen lassen dürfen. Antje Herbst achtet trotzdem auf eine Rang- und Reihenfolge. Etwas hilft der Impfstoff von Johnson & Johnson, der im Gegensatz zu den anderen nur ein Mal geimpft werden muss. Die Impfungen damit nimmt Antje Herbst in die übliche Sprechstunde.

Im Kühlschrank von Antje Herbst stehen die verschiedenen Impfstoffe für diesen Mittwoch.
Im Kühlschrank von Antje Herbst stehen die verschiedenen Impfstoffe für diesen Mittwoch. © Steffen Unger

Das Astrazeneca-Imageproblem ist auch in der Dürrröhrsdorfer Praxis zu spüren. Es hält sich zwar in Grenzen, doch von diesem Impfstoff hat Antje Herbst am ehesten was frei. "Aber eigentlich haben wir mit der Frage, wer will was, ein Luxusproblem", sagt sie. Sie bestellt Freitag bzw. Montag den Impfstoff für die übernächste Woche. Donnerstags erfährt sie dann, was sie bekommt. Bis auf einmal, als es weniger Biontech-Impfstoff war, klappte es bisher immer. Montagnachmittag wird geliefert, dann werden alle angerufen und Mittwoch wird geimpft. Auch auf ihre Hausbesuche nimmt sie Impfstoff nach Absprache mit, aber nur Astrazeneca.

50 Impfungen beim Hausarzt, 800 im Impfzentrum

Insgesamt verimpft Antje Herbst pro Woche 50 Dosen. Organisatorisch ist sie damit an der Grenze. Für jede Erstimpfung muss gleich die zweite eingeplant werden, bei der Bestellung und bei der Vergabe der Termine. Im Vergleich zum Pirnaer Impfzentrum, das in der Woche etwa 800 Personen schafft und noch nicht einmal voll ausgelastet ist, sind die 50 Impfungen bei Antje Herbst verschwindend wenig. Dennoch leisten die Hausärzte, die impfen, einen wichtigen Beitrag in der Impfaktion.

Viel Aufwand. Viel Zeit. Und viel Geduld. Vor allem am Telefon. "Manche denken, sie kommen einfach und dann ist es erledigt", sagt Schwester Katrin Ackermann. "Oder sie sagen: Ich muss in den Urlaub fahren." Da erinnert Katrin Ackermann sie dann an den Räderwechsel am Auto. "Da kann man auch nicht einfach in der Werkstatt stehen und sagen, nun machen sie mal."

Impfungen werden bis in den Herbst dauern

Seit der Freigabe der Priorisierung melden sich immer mehr. Auch die, die zunächst skeptisch waren oder seit Januar nichts von sich hören ließen. Die, die sich Ende März anmeldeten, kommen jetzt dran. Die nächsten Erstimpfungstermine sind bei Antje Herbst am 15. Juni. Es wird sich ziehen, auch weil Corona-Erkrankte erst nach sechs Monaten geimpft werden können. Obwohl Hausärzte wie Antje Herbst ihren Praxisalltag umorganisiert haben, wird es Wochen und Monate dauern, bis sie alle geimpft haben. Antje Herbst rechnet für ihre Praxis bis in den Herbst hinein. "Wenn alles läuft." Künftig werde es wohl so werden wie bei der Grippeschutzimpfung, also eine jährliche Auffrischung. "Das spielt sich ein", sagt sie.

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Christine Rietzschels halbe Stunde Wartezeit nach der Impfung ist vorbei. Jetzt schreibt Schwester Katrin noch in die Patientenakte, wann sie die Praxis verlassen hat und dass es ihr gut geht. Die Impfung in einem Impfzentrum war für Christine Rietzschel keine Option mehr, seit klar war, es ist auch beim Hausarzt möglich. Dafür hätte sie auch noch eine längere Wartezeit in Kauf genommen. Auch Edith Kessler geht es gut. Sie verabschiedet sich - "Bis in ein paar Wochen."

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