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Pirna: Impftermin bleibt Glückssache

Die Impfzentren haben keine Angebote und Hausärzte nicht genug Impfstoff. Das DRK warnt Freistaat vor vorschnellen Entscheidungen.

Vor jeder Impfung ist im Pirnaer Impfzentrum ein Beratungsgespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt vorgeschrieben.
Vor jeder Impfung ist im Pirnaer Impfzentrum ein Beratungsgespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt vorgeschrieben. © Daniel Schäfer

Wer auf einen Termin für eine Impfung gegen den Coronavirus wartet, muss weiterhin gehöriges Glück haben, um einen zu ergattern. Über das Impfportal in Sachsen ist weiterhin so gut wie keiner verfügbar.

Im Impfzentrum in Pirna-Jessen und von den zugehörigen mobilen Impfteams sind mit Stand vom 27. April mehr als 40.000 Erstimpfungen verabreicht worden. Etwa 19.000-mal gab es bereits die zweite Impfung. Der Freistaat schließt die Einrichtung zum 30. Juni wieder. Dann sollen nur noch in Dresden, Leipzig und Chemnitz zentrale Einrichtungen erhalten bleiben.

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Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und in ländlichen Gebieten sollen dann 30 mobile Impfteams in Sachsen unterwegs sein. In Freital ist beispielsweise bereits ab Donnerstag ein Impfbus in Zauckerode im Einsatz.

Der Mangel an freien Terminen in Sachsens Impfzentren zeigt, wie groß der Bedarf weiterhin ist.
Der Mangel an freien Terminen in Sachsens Impfzentren zeigt, wie groß der Bedarf weiterhin ist. © Screenshot Impfportal Sachsen

DRK kritisiert Schließung der Impfzentren

Vom DRK, das die Impfzentren in Sachsen betreibt, kommt nun Kritik an der Entscheidung, die planmäßige Schließung der Impfzentren zum 30. Juni durchzuziehen. Das diese Einrichtungen nur für eine begrenzte Zeit gebraucht werden, sei klar. Der Zeitpunkt der Schließung Ende Juni sei aber zu früh.

Zu dieser Einschätzung komme man nach vier Monaten seit Beginn der Impfkampagne aber nicht, weil man die Impfzentren als neues Betätigungsfeld bei DRK entdeckt habe, "sondern weil wir den Frust der Menschen bei der Suche nach einem Impftermin Tag für Tag erlebt haben und weiter erleben", erklärt der Sprecher des DRK Sachsen, Kai Kranich, in einem Facebook-Eintrag. Die Kapazitäten der Impfzentren und der mobilen Teams seien ausgeschöpft. Das Tempo nicht weiter zu erhöhen.

Im Gegenteil. Ab Anfang Juni werden in den Impfzentren nur noch die Zweitimpfungen durchgeführt. Für Erstimpfungen müsste man nach Dresden, Leipzig oder Chemnitz fahren oder sich beim Hausarzt auf die Wartelisten setzen lassen.

Politik weckt erneut Erwartungen

Das DRK befürchtet, dass beim Impfen erneut "Erwartungen geweckt werden, die praktisch nicht umsetzbar sind, weil die Ressourcen dafür fehlen". Immer öfter wird den Menschen von Politikern in Aussicht gestellt, dass sich bald jeder, der will, ohne bürokratische Hürden impfen lassen kann. Geimpfte sollen Stück für Stück ihr altes Leben zurückgewinnen. Wie das ohne die Impfzentren in kürzester Zeit umgesetzt werden soll, sei fraglich.

Kranich verweist insbesondere auf die bevorstehenden Urlaubsmonate Juli und August. In denen stehen die Hausarztpraxen aller Erfahrung nach nicht vollständig für die Impf-Infrastruktur zur Verfügung.

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Auch der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) hatte in der vergangenen Woche die Schließung des Impfzentrums in Pirna für Ende Juni als verfrüht angesehen und einen Protestbrief an seinen Parteifreund, Ministerpräsident Michael Kretschmer geschrieben.

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