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Impffrust in Sachsens Hausarztpraxen

Die Aufhebung der Impfpriorisierung weckt falsche Erwartungen, überfordert Ärzte und verärgert Patienten.

Ein Arzt impft in einer Praxis gegen das Coronavirus: Impfwilige müssen Geduld aufbringen - auch in Sachsen .
Ein Arzt impft in einer Praxis gegen das Coronavirus: Impfwilige müssen Geduld aufbringen - auch in Sachsen . © dpa/Sebastian Gollnow

Dresden. Der ab Montag geplante Wegfall der Impfpriorisierung in Sachsens Arztpraxen hat zu einer Anfrageflut von Impfwilligen geführt. Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, Klaus Heckemann, kritisiert, dass zu große Erwartungen geweckt worden seien. „Denn noch gibt es nicht genügend Impfstoff“, sagt er.

Laut Steffen Heidenreich, dem Vorsitzenden des sächsischen Hausärzteverbandes, bekommen die Ärzte nur selten die Mengen, die sie bestellt haben. „Die Telefone der Praxen sind ständig besetzt“, sagt er. Impfwillige müssten Geduld mitbringen. Doch die hätten viele nicht mehr.

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„Wir erfahren erst am Montagnachmittag, wie viele Personen wir in der laufenden Woche impfen können. Dann beginnt die Terminvergabe“, erklärt ein Hausarzt aus dem Vogtland. Das Personal könne kaum noch etwas anderes tun. Mehr als 200 Namen stünden derzeit auf seiner Warteliste, und täglich kämen neue dazu. Doch nur 18 bis 20 Patienten könne er pro Woche impfen. Deshalb müssten Hausärzte weiterhin eine Priorisierung vornehmen.

Besonders gefragt sind laut Kassenärztechef Heckemann die Impfstoffe von Biontech und Moderna. Davon bekämen die Arztpraxen im Mai deutschlandweit 1,5 Millionen Dosen, im Juni 3,5 Millionen. „Nicht genug, vor allem, wenn die von der sächsischen Impfkommission empfohlene Zweitimpfung innerhalb von drei Wochen realisiert werden soll“, so Heckemann. Erst ab Juli rechnet er mit einer Entspannung.

Astrazeneca sei bei Hausärzten dagegen oft noch ausreichend vorhanden. Für Ingrid Dänschel vom sächsischen Hausärzteverband ist das völlig unverständlich: „Das Risiko einer Hirnvenenthrombose besteht für über 60-Jährige praktisch nicht.“

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Wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) am Dienstag mitteilte, soll künftig in Sachsens Impfzentren auch wieder Astrazeneca an über 60-Jährige verabreicht werden. Erste Termine seien bereits über das Buchungsportal freigeschaltet worden. In den Impfzentren Annaberg, Löbau und Mittweida gebe es noch vereinzelt Termine.

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