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Deutschland & Welt

Ethikratsvorsitzende gegen Teil-Impfpflicht

In Frankreich müssen sich manche Beschäftigte impfen lassen. Ist so etwas auch in Deutschland denkbar? Alena Buyx hat dazu eine klare Meinung.

Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats
Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats © Michael Kappeler/dpa

Berlin. Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, hält eine Corona-Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen in Deutschland für unnötig. Im ZDF-"Morgenmagazin" wies Buyx am Dienstag darauf hin, dass der Ethikrat zwar ganz vorsichtig erklärt habe, unter bestimmten Umständen könnte man über solche berufsbezogenen, sehr eng begrenzten Impfpflichten nachdenken. "Allerdings würde ich sagen, dass diese Umstände gar nicht zutreffen", betonte sie.

Erstens gebe es für die meisten vulnerablen - also besonders gefährdeten - Gruppen andere Möglichkeiten zum Schutz. "Und: Wir haben viel bessere Impfraten bei den unterschiedlichen Berufsgruppen als beispielsweise in Frankreich. Beim Gesundheitspersonal und bei den Lehrerinnen und Lehrern haben wir wirklich super Impfraten. Deswegen glaube ich, brauchen wir das gar nicht."

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Harte Regeln in Frankreich

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte am Montagabend eine Impfpflicht für Personal im Gesundheitsbereich verkündet. Bis Mitte September haben Angestellte in Krankenhäusern und Pflegeheimen nun Zeit, sich impfen zu lassen. Laut Gesundheitsminister Olivier Véran darf ungeimpftes Gesundheitspersonal danach nicht mehr arbeiten und wird nicht mehr bezahlt. In Deutschland hatte der Humangenetiker Wolfram Henn vom Deutschen Ethikrat eine Corona-Impfpflicht für Beschäftigte in Schulen und Kitas gefordert.

Buyx erklärte, der Kollege spreche für sich. "Ich glaube nicht, dass das kommt, weil wir das wirklich nicht brauchen werden." Allerdings mache auch ihr die Situation der jungen Generation Sorgen. Sie verwies darauf, dass es für die 12- bis 17-Jährigen derzeit keine allgemeine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission gibt und für Kinder unter zwölf noch keinen in der EU zugelassenen Impfstoff.

"Man kann ja nicht sagen, wir lassen das Virus jetzt durch diese Gruppen krachen oder wir schauen zu, wie die Schulen wieder zumachen müssen, weil da einfach völlig ungeregelte Infektionen stattfinden", sagte Buyx. "Da muss jetzt unbedingt was passieren, um diese Gruppen auch gut zu schützen."

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Als hochriskantes Experiment bezeichnete sie die Aufhebung fast aller Corona-Auflage in Großbritannien. Klar sei: Je mehr Menschen geimpft seien, umso weniger Aussagekraft habe die Inzidenz. Aber in Großbritannien steige - trotz guter Impfquoten - auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen. "Wir sollten da ein Stückchen zurückhaltender sein und nicht den guten Sommer dazu nutzen, wieder eine große Welle aufzubauen", mahnte Buyx. Bisher sei immer noch eine Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland nicht doppelt geschützt. (dpa)

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