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Wie lange hält die Impfwirkung an?

Die Leserfragen rund um die Corona-Impfung reißen nicht ab. Hier antwortet Dr. Patricia Klein von der Sächsischen Landesärztekammer.

Schützt zu 95 Prozent: die zweite Impfung.
Schützt zu 95 Prozent: die zweite Impfung. © dpa/Bernd Von Jutrczenka

Ich habe mich mit Astrazeneca impfen lassen. Die Meldungen über den Impfstoff haben mich verunsichert. Darf ich darauf bestehen, dass die Zweitimpfung Biontech/Moderna ist?

Grundsätzlich sollte die Zweitimpfung stets mit dem gleichen Impfstoff wie bei der Erstimpfung erfolgen. Eine Ausnahme gilt für Astrazeneca. Hier empfiehlt die Ständige Impfkommission, dass Menschen unter 60 Jahren wegen des teilweise erhöhten Thromboserisikos einen mRNA-Impfstoff, also von Biontech oder Moderna, erhalten. Wer 60 Jahre oder älter ist, hat keinen Anspruch auf Biontech oder Moderna. Das könnte sich möglicherweise ändern, wenn es genügend Impfstoffe gibt.

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Wirkt die Zweitimpfung mit einem anderen Impfstoff genauso gut?

Das ist noch nicht endgültig geklärt. Von anderen Impfstoffen weiß man, dass solche sogenannten heterologen Impfungen oft wirksamer sind. Eine Studie aus Spanien hat dies bereits auch für die Kreuzimpfung mit Astrazeneca und Biontech belegt. Weitere Studien laufen noch.

Ich bin 58 und habe meine erste Astrazeneca-Impfung vor elf Wochen erhalten, nächste Woche ist die zweite fällig. Jetzt muss ich aber drei Tage vor der Impfung zur ambulanten Knie-OP. Kann ich mich danach trotzdem impfen lassen?

Die Empfehlungen der chirurgischen und anästhesiologischen Fachgesellschaften bzw. Berufsverbände sehen einen mindestens einwöchigen Abstand zwischen Wahloperation und Impfung vor. Dabei wird darauf aufmerksam gemacht, dass es wünschenswert ist, vor elektiven Operationen den vollständigen Immunschutz abzuwarten. In diesem Fall ist also zu empfehlen, die Operation auf 14 Tage nach der zweiten Impfung zu verschieben.

Ich nehme die Pille. Wie verträgt sich das mit der Corona-Impfung?

Zu möglichen Wechselwirkungen von Covid-19-Impfungen und der Antibabypille gibt es bisher keine Hinweise. Sie können sich also unbesorgt impfen lassen.

Wann sind Untersuchungsergebnisse zu den Langzeitfolgen der Impfungen zu erwarten?

Langzeitfolgen von Impfungen sind derzeit noch nicht bekannt. Die meisten Nebenwirkungen treten laut Paul-Ehrlich-Institut innerhalb weniger Stunden oder Tage auf, in seltenen Fällen auch mal nach Wochen. Dies gelte auch für die neuen mRNA-Impfstoffe. Die Bestandteile werden schnell im Körper abgebaut und sind dort schon nach etwa zwei Tagen nicht mehr nachweisbar. Langzeitschäden nach Impfungen sind zwar extrem unwahrscheinlich, aber nicht grundsätzlich auszuschließen. Mit der Zulassung endet die Nachbeobachtung der Studienteilnehmer nicht. Sie werden über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren weiter beobachtet. Dies geschieht u. a. auch, um die Dauer der Wirksamkeit der Impfung beurteilen zu können. Die Langzeitdaten zur Impfstoffsicherheit werden in weitergehenden klinischen Studien erhoben.

Warum sind Durchgeimpfte nach einiger Zeit wieder positiv?

Der Impfschutz beginnt ca. drei Wochen nach der ersten Impfdosis, ein vollständiger Immunschutz ist 14 Tage nach der zweiten Impfung erreicht, wobei dieser durchaus individuell verschieden ist. Im besten Fall liegt er bei den mRNA-Impfstoffen bei bis zu 95 Prozent. Das bedeutet aber, dass einer von 20 Geimpften trotz zweimaliger Impfung an Corona erkranken, also positiv getestet werden kann. Allerdings gibt es nach derzeitiger Datenlage praktisch keine schweren oder tödlichen Verläufe nach zweimaliger Impfung, unabhängig vom Impfstoff.

Wie lange hält die Impfwirkung an?

Das ist noch nicht ganz klar. Erste Analysen deuten darauf hin, dass dieser Schutz mindestens sechs bis acht Monate anhält, weitere Studien laufen. Eine Auffrischungsimpfung, möglicherweise sogar jährlich, gilt als sehr wahrscheinlich – nicht zuletzt wegen immer neuer Mutationen. Dies ist bei vielen anderen Impfungen auch der Fall, zum Beispiel Grippeimpfung, FSME, Polio und Tetanus.

Wie verträgt sich die Impfung bei Epilepsie?

Bisher gibt es keine Hinweise auf erhöhte Risiken für Menschen mit Epilepsie. In Einzelfällen, insbesondere bei einer Immunschwäche oder Allergien, kam es nach der Impfung zu epileptischen Anfällen. Betroffene sollten sich vor der Impfung deshalb mit ihrem Arzt besprechen.

Wann wird aus der Notzulassung eine verlässliche Zulassung? Wann ist mit der Vollzulassung der aktuellen Impfstoffe zu rechnen?

Alle fünf Impfstoffe, die derzeit in Deutschland angeboten werden, haben eine sogenannte „bedingte“ Zulassung für ein Jahr der Europäischen Arzneimittelbehörde und des Paul-Ehrlich-Institutes. Das bedeutet, dass die Impfstoffe unter Beobachtung stehen und die Ergebnisse weiterer Studien kontinuierlich überwacht werden. Bedingte Zulassungen unterliegen also einer besonders engmaschigen Kontrolle, bis eine reguläre Zulassung nach einem Jahr erteilt wird.

Wann übernehmen die Hersteller die Haftung für eventuelle Impfschäden und Nebenwirkungen?

Die Schutzimpfungen gegen Covid-19 folgen einer öffentlichen Empfehlung. Deshalb hat das Bundesgesundheitsministerium klargestellt, dass für eventuelle gesundheitliche Schäden, die aus der Impfung resultieren, auch der Staat haftet. Aufgrund der „bedingten“ Zulassung sind aber auch die Hersteller und Inverkehrbringer nicht aus der administrativen und zivilrechtlichen Haftung ausgenommen. Aus diesem Grund hatte sich die EU gegen eine Notfallzulassung entschieden, bei der die Hersteller von allen Haftungsrisiken ausgenommen sind.

Meine Partnerin und ich waren im September 2020 mit Covid-19 infiziert und sind nun geimpft worden. Im Impfausweis steht „vollständig immunisiert“. Wird das überall weltweit akzeptiert, oder verlangen manche Länder trotzdem zwei Impfungen?

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Wenn in Ihrem Impfausweis die Angabe „vollständig immunisiert“ steht, dann sollte das auch überall akzeptiert werden. Der Verzicht auf eine Zweitimpfung nach überstandener Covid-19-Infektion bei Immungesunden wurden von der Stiko und der Siko aufgrund von verschiedenen Studien empfohlen. Voraussetzung ist der Nachweis eines positiven PCR-Tests vor der Impfung. Ein Antikörpertest zum Nachweis einer Erkrankung ist nach der jetzigen Covid-19-Schutzmaßnahmen-Ausnahmeverordnung (Stand 20.05.2021) nicht ausreichend.

Notiert von Steffen Klameth

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