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Corona: So lief der Start bei Impfprio 3

75.000 neue Termine, Tausende Anfragen und zwei System-Updates auf einmal. Das Buchungsportal der sächsischen Impfzentren ist gerade im Stressmodus.

Um davon in einem Impfzentrum eine abzubekommen, muss man sich im Buchungsportal registrieren. Das kann auch mal dauern.
Um davon in einem Impfzentrum eine abzubekommen, muss man sich im Buchungsportal registrieren. Das kann auch mal dauern. © Marijan Murat/dpa (Symbolfoto)

Dresden. Geduld. Die hat man am Mittwochabend gebraucht, wenn man sich einen von 75.000 neuen Terminen in den sächsischen Impfzentren über das offizielle Buchungsportal sichern wollte. Der eine mehr, der andere weniger. In sozialen Medien schreiben manche, sie hätten fünf Stunden in nicht enden wollenden Warteschleifen verbracht. "Ich nur fünf Minuten", schreibt aber auch ein Nutzer auf Twitter.

Neben Zeit, auch das ist Berichten aus Online-Foren zu entnehmen, fordert die Terminbuchung Impfwilligen zudem die Bereitschaft zum Scheitern mit ab. Nicht selten sind auf den letzten Klicks bei der Auswahl von Zeitfenstern die schon sicher geglaubten Termine vor den Augen der Nutzer geplatzt - und eine Fehlermeldung aufgeploppt.

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Der Termin war schon ausgewählt, doch ein Klick auf "weiter" führt verbunden mit dieser Fehlermeldung zurück auf Anfang.
Der Termin war schon ausgewählt, doch ein Klick auf "weiter" führt verbunden mit dieser Fehlermeldung zurück auf Anfang. © Scrennshot: SZ

Doch statt Frustration überwiegt in den öffentlichen Beiträgen auf Twitter, Facebook und Co. das Verständnis für die Betreiber des Buchungsportals. Vielleicht aus Dankbarkeit, weil am Ende bei vielen Tausend Menschen trotz langen Wartens die Bestätigungen ihrer Termine in den Mailfächern gelandet sind. Immerhin rund 20.000 Mal bis Donnerstagvormittag, wie das DRK Sachsen, das die sächsischen Impfzentren und die Terminvergabe organisiert, auf Anfrage von Sächsische.de mitteilt.

Hinzu kämen bis zu diesem Zeitpunkt noch rund 22.000 Registrierungen für die seit Mittwoch neu aufgemachte Prioritätengruppe 3. Impfberechtigt sind nun nämlich auch alle Menschen in Sachsen ab 60 Jahren oder Personen mit diversen Vorerkrankungen. Hinzu kommen Bedienstete von Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr und Angestellte in Bereichen der "kritischen Infrastruktur". Dazu zählen viele Bereiche, unter anderem der Lebensmittelhandel, Telekommunikation und Energieversorgung. Genau zu entnehmen sind die berechtigten Personenkreise in der sächsischen Impfverordnung.

Update war nicht zu verschieben

Dass es zu Verzögerungen bei der Buchung der neuen Termine gekommen ist, bedauert das DRK trotzdem. "Danke für eure Geduld" heißt es in einem Tweet vom Abend. "Es ist schade, dass es mehr geruckelt hat, als gedacht", ergänzt Kai Kranich, Sprecher der Hilfsorganisation, am Donnerstag gegenüber Sächsische.de.

Kranich spricht damit indirekt an, was man bei allen möglichen Unmutsbekundungen mit bedenken sollte: Dass das DRK nicht nur neue Termine einstellt, sondern auch ein Systemupdate zeitgleich vornimmt, war bekannt und öffentlich kommuniziert worden.

Bleibt aber die Frage: Warum legt man das Update ausgerechnet mit der Öffnung der neuen Impfpriorität und der Verfügbarkeit neuer Termine zusammen? Weil es nicht nur um ein, sondern um zwei Updates ging. "Das eine, ein etwas kleineres, betraf das Einstellen der neuen Berechtigungsgruppen," so Kranich. Das sei allein schon für das Öffnen des Registrierungsvorgangs für die neuen Impfberechtigten benötigt worden.

Das andere Update sei etwas größer und schon länger geplant gewesen. Dabei sei es um zahlreiche logistische Dinge gegangen. "Das Buchungssystem und die Abläufe in den Impfzentren hängen eng zusammen", erklärt Kranich So sei etwa am Mittwochabend der gesamte Check-in- und Check-out-Prozess optimiert worden, um bürokratische Aufwände zu minimieren. Mitarbeiter könnten nun anhand von QR-Codes die Impflinge einfacher ein und ausbuchen. "So simpel das klingt, dahinter stecken komplexe Anwendungen."

4.000 bis 5.000 Vorgänge gleichzeitig möglich

Die Updates seien laut dem DRK-Sprecher der Grund für die Störungen bis circa 20.30 Uhr gewesen. "Danach war das Portal einfach stark ausgelastet, jedoch nicht überlastet." Zwischen 4.000 und 5.000 Vorgänge könnten gleichzeitig verarbeitet werden. "Wir sehen, dass die Menschen in der Terminbuchung lange verweilen. Möglicherweise um zu prüfen, ob die vorgeschlagenen Zeitpunkte passen, oder um sich im Privaten abzustimmen" Die Folge: Viele Nutzer hängen vor den jeweiligen Schritten bei Registrierung oder Terminbuchung in Warteschlangen. So sei es auch diesmal gewesen.

Die hohe Auslastung des Buchungsportals hält auch am Donnerstag an. Man solle die Geduld nicht verlieren, wenn es nicht gleich klappt. "Und vor allem nicht die Seite neu laden, wenn man in der Warteschlange steht." Die funktioniere wie ein virtueller Warteraum. "Wenn man neu lädt, verlässt man ihn, und muss von vorn anfangen."

Wer kann, weicht auf Impfzentren im Umland aus

Und dann hat Kranich noch einen Tipp, falls es im gewünschten Impfzentrum bei der Terminbuchung immer wieder Probleme gibt. "Weichen Sie zur Not auch auf Impfzentren im näheren Umland aus." Gerade für die Bewohner von Großstädten ein guter Hinweis.

Wie viele Termine für die nächsten 14 Tage noch zu Verfügung stehen, weist die Web-Applikation Countee aus. Man solle sich von den Zahlen aber nicht täuschen lassen. "Buchbar sind aktuell Termine bis 16. Mai, die werden bei Countee noch nicht angezeigt", sagt Kranich. Wann allerdings mit weiteren Impfstofflieferungen zu rechnen sei, wisse er nicht.

Zum Thema: CoronaCast über Arzt im Impfzentrum

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