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Corona-Impfung: Diese Nebenwirkungen gibt es

Nach Todesfällen geriet der Impfstoff von Astrazeneca in die Schlagzeilen. Doch auch die anderen Impfstoffe können Folgen haben. Die wichtigsten Antworten.

Von vielen heiß ersehnt, von einigen gefürchtet: Corona-Impfung.
Von vielen heiß ersehnt, von einigen gefürchtet: Corona-Impfung. © dpa

Es waren nur einzelne Fälle, die Konsequenzen dafür umso größer: Eine ganze Reihe von Staaten, darunter Deutschland, stoppten Mitte März die Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca. Zuvor hatte es Meldungen gegeben, dass Patienten nach der Impfung eine Hirnvenenthrombose erlitten. Erste Todesfälle wurden bekannt.

Mittlerweile ist klar: Auch die anderen bisher in Deutschland zugelassenen Impfstoffe sind nicht frei von Risiko. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) berichtet über 49.961 bundesweit gemeldete Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen im zeitlichen Zusammenhang mit Covid-19-Schutzimpfungen. Knapp 5.000 Fälle wurden als schwerwiegend eingeordnet. Bei 524 Menschen waren die Folgen so dramatisch, dass sie verstarben.

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Der Sicherheitsbericht wurde bereits am 7. Mai veröffentlicht. Die Öffentlichkeit hat ihn allerdings kaum wahrgenommen. Die Daten umfassen den Zeitraum vom Start der Impfkampagne am 27. Dezember 2020 bis zum 30. April 2021. Bis dahin waren insgesamt knapp 29 Millionen Impfdosen injiziert worden. Im Vergleich zu dieser Menge entspricht das 1,7 Verdachtsfällen pro 1.000 Impfdosen, bei schwerwiegenden Komplikationen 0,2 Fälle je 1.000 Impfdosen.

Welche Impfstoffe sind am häufigsten betroffen?

Die meisten Verdachtsfälle (26.206) wurden zum Impfstoff Vaxzevria von Astrazeneca gemeldet, das entspricht einer Rate von 4,5 je 1.000 Impfungen. Zum Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer gab es 20.160 Meldungen. Da der Impfstoff bereits seit Dezember zugelassen ist und in deutlich größeren Mengen geliefert wurde, beträgt die Melderate hier lediglich 0,9 je 1.000 Impfungen. Bei Moderna berichtet das PEI über 3.073 Verdachtsfälle (1,8) und bei Janssen von Johnson & Johnson über drei Verdachtsfälle (1,4). In rund 500 Fällen waren keine Angaben zum Impfstoff gemacht worden.

Sind Frauen häufiger betroffen?

Ja. Drei Viertel der Meldungen betreffen Frauen. Das PEI vermutet, dass dies auf den höheren Frauenanteil bei den Impfungen zurückzuführen ist.

Welche unerwünschten Reaktionen traten am meisten auf?

Patienten, die mit Comirnaty geimpft wurden, berichteten am häufigsten über Kopfschmerzen, Ermüdung und Schmerzen an der Injektionsstelle. Nach der Impfung mit Vaxzevria kam es vor allem zu grippeähnlichen Symptomen, Fieber und Schüttelfrost. Moderna löst laut Bericht vor allem Reaktionen wie Schmerzen an der Injektionsstelle aus.

Welche schwerwiegenden Reaktionen wurden beobachtet?

„Als schwerwiegende Reaktionen gelten solche, bei denen die Personen im Krankenhaus behandelt werden oder Reaktionen, die als medizinisch bedeutsam eingeordnet wurden“, schreibt das PEI. Dies traf am häufigsten auf Comirnaty von Biontech/Pfizer zu mit 2.386 Fällen, gefolgt von Vaxzevria mit 2.132 Fällen. Bei Moderna wurden 175 schwerwiegende Verdachtsfälle gemeldet. Setzt man die schwerwiegenden Fälle in Relation zu den verimpften Dosen, dann liegt Vaxzevria mit einer Melderate von 0,4 Promille an der Spitze (Comirnaty und Moderna: 0,1). Dagegen werden von Comirnaty vergleichsweise häufiger schwerwiegende Reaktionen gemeldet als nicht schwerwiegende Reaktionen.

Wie lange halten die unerwünschten Reaktionen an?

Über 60 Prozent der unerwünschten Reaktionen waren zum Zeitpunkt der Meldung bereits vollständig abgeklungen oder hatten sich zumindest gebessert.

Was weiß man über die Todesopfer?

Die 524 Todesfälle entsprechen 0,0018 Prozent aller geimpften Personen. Sie waren zwischen 24 und 102 Jahre alt. Am häufigsten ist die Altersgruppe ab 80 Jahren betroffen, das Durchschnittsalter lag bei 82 Jahren. Die mit Abstand meisten Todesfälle (405) traten nach der Impfung mit Comirnaty ein. 48 Todesopfer waren mit Vaxzevria geimpft worden, zehn mit Moderna.

Die überwiegende Anzahl der verstorbenen Patienten litt unter mehreren Vorerkrankungen. Als Beispiele nennt das PEI Krebs- und Herzerkrankungen, Niereninsuffizienz und Gefäßverkalkungen, die vermutlich den Tod verursacht haben. Ein jüngerer Patient sei vermutlich an den Folgen seines Drogenkonsums verstorben. 58 der 524 Todesfälle stehen im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung und sind nicht auf die Impfung zurückzuführen.

Gibt es neue Erkenntnisse zu Vaxzevria von Astrazeneca?

Die Todesfälle nach der Impfung mit Vaxzevria hatten zunächst für großes Rätselraten gesorgt. Mittlerweile scheint geklärt, dass der Impfstoff von Astrazeneca eine Autoimmunreaktion auslöst. Es bilden sich Blutgerinnsel an ungewöhnlichen Orten, gleichzeitig herrscht ein Mangel an Blutplättchen. Die Folge ist eine starke Aktivierung der Blutgerinnung. Mediziner bezeichnen dies als Thrombosen mit Thrombozytopenie-Syndrom (TTS). Allerdings konnten laut PEI „bislang keine spzifischen Risikofaktoren für die Entstehung von TTS identifiziert werden.“ Deshalb sei eine frühzeitige Diagnose und Behandlung wichtig. Typische Symptome wenige Tage nach der Impfung sind demnach Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Beinschwellungen, Schmerzen im Bein oder anhaltende Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.

Der Sicherheitsbericht erwähnt 67 solcher Fälle, die nach der Impfung mit Vaxzevria auftraten. Etwa jeder fünfte Patient verstarb an den Folgen. In der Mehrzahl aller TTS-Fälle handelte es sich um Sinusvenenthrombosen. Die meisten TTS-Fälle traten innerhalb von drei Wochen nach Impfung auf.

Einer aktuellen Information des PEI zufolge ist diese Zahl bis Dienstag dieser Woche auf 94 angestiegen. 42 Meldungen betrafen Frauen im Alter von 20 bis 59 Jahren. In 13 Fällen lag das Alter zwischen 60 und 69 Jahren, in fünf Fällen zwischen 70 und 79 Jahren. In einem Fall gab es keine Information zum Alter. 33 Meldungen betrafen Männer, den höchsten Anteil mit 21 Fällen betraf auch hier die Altersgruppe zwischen 20 und 59 Jahren. Für 17 Menschen endete die TTS mit dem Tod, zehn von ihnen waren Frauen. Die Impfungen mit Comirnaty, Moderna und Janssen hatten laut PEI in Deutschland bisher keine TTS zur Folge. Wegen erster Fallberichte aus den USA zu Janssen hat die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) allerdings beschlossen, dass der Hinweis auf das TTS-Risiko in die Fach- und Gebrauchsinformation dieses Impfstoffs aufgenommen werden sollte.

Wie oft kommt es zu allergischen Reaktionen?

Das Paul-Ehrlich-Institut hat 226 Meldungen als anaphylaktische Reaktion bewertet, überwiegend nach Impfungen mit Comirnaty und hier häufiger nach der ersten Impfdosis. Bei neun von zehn Personen traten die ersten Symptome innerhalb der ersten vier Stunden nach der Impfung auf, darunter bei über der Hälfte bereits innerhalb von 15 Minuten.

Wie zuverlässig sind die Daten des Paul-Ehrlich-Instituts?

Das PEI erfasst alle Meldungen zu Verdachtsfällen von den Gesundheitsämtern. Diese stützen sich auf die Informationen der Impfärzte. Die Ärzte sind gesetzlich verpflichtet, gesundheitliche Beschwerden, die über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehen, namentlich dem zuständigen Gesundheitsamt zu melden. Außerdem erhält das PEI Meldungen von weiteren Institutionen, darunter der Arzneimittelkommissionen der Apotheker und Ärzte, der Zulassungsinhaber sowie von Impflingen und deren Angehören. Doppelmeldungen werden beim PEI zusammengeführt, d. h. sie tauchen in der Statistik nur einmal auf. Das PEI weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass „die gemeldeten unerwünschten Reaktionen im zeitlichen, nicht aber unbedingt im ursächlichen Zusammenhang mit einer Impfung gemeldet werden.“

Wie ist die Situation in Sachsen?

Nach Auskunft des Sächsischen Sozialministeriums haben die Ärzte in Sachsen bis 25. Mai insgesamt 72 Verdachtsfälle von über das übliche Maß hinausgehenden Nebenwirkungen an die Landesuntersuchungsanstalt gemeldet. 46 Fälle betrafen Comirnaty, 19 Vaxzevria und fünf Moderna. Bei zwei Meldungen sei unklar, welcher mRNA-Impfstoff gemeint war. 26 Betroffene mussten im Krankenhaus behandelt werden, neun Patienten im Alter zwischen 57 und 92 Jahren verstarben. Bis Dienstag waren in Sachsen rund 2,3 Millionen Dosen verimpft worden.

Wie bewertet die Sächsische Impfkommission die Todesfälle?

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„Todesfälle im zeitlichen Kontext mit der Impfung sind nicht gleichzusetzen mit Todesfällen durch die Impfung“, sagt der Vorsitzende der Sächsischen Impfkommission (SIKO), Dr. Thomas Grünewald. „Bei einer so hohen Anzahl Geimpfter ist mit einer gewissen Zahl an Todesfällen zu rechnen, wie es auch bei der Beobachtung einer alters- und geschlechtsgleichen Gruppe an Menschen ohne Impfung der Fall ist.“ Demnach falle Vaxzevria mit einer Häufung an Todesfällen mit bestimmten Spezifika – insbesondere TTS – auf. Die vermeintlich hohe Zahl an Todesfällen im zeitlichen Kontext mit der Impfung mit Comirnaty sei der hohen Zahl der Impflinge geschuldet und gehe nicht über die erwartete Zahl von Verstorbenen in der nicht geimpften Bevölkerung gleichen Alters und Geschlechts hinaus.

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