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Kreis Görlitz: Werden Jüngere später geimpft als in Berlin?

Landrat Bernd Lange sieht diese Benachteiligung wegen der aktuellen Regeln für die Verteilung der Impfstoffe. Auch die Lockerungspolitik kritisiert er.

Landrat Bernd Lange (rechts) spricht sich für schnellere Öffnungen aus.
Landrat Bernd Lange (rechts) spricht sich für schnellere Öffnungen aus. © Nikolai Schmidt

Landrat Bernd Lange hat sich für schnellere Lockerungen in bestimmten Bereichen des öffentlichen Lebens ausgesprochen, ohne an den Öffnungsbeschlüssen von Bund und Ländern etwas ändern zu können. Und zugleich seine Sorge erneuert, dass wegen des angewandten Schlüssels zur Verteilung des Impfstoffs in Deutschland jüngere Menschen im Kreis Görlitz später geimpft werden als beispielsweise in Hamburg oder Berlin.

So hätte er die Frisöre schon ab diesem Montag ihre Geschäfte wieder öffnen lassen und nicht erst am 1. März. Er verglich ihre Tätigkeit mit der von Zahnärzten. Das Risiko eines Zahnarztes trotz medizinischer Maske bei einer Zahnbehandlung schätzte Lange als höher ein als beim Haarewaschen und -schneiden.

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Auch den regionalen Tourismus hätte Lange jetzt bei der derzeitigen Pandemie-Lage im Landkreis zugelassen. Am Wochenende war er mit Skiern an der Neiße unterwegs. "Da sind aber keine Loipen. Deswegen wäre ich auch gern in Waltersdorf Ski gelaufen", sagte Lange. Doch touristische Ausflüge über den 15-Kilometer-Radius hinaus sieht auch die neueste Corona-Verordnung Sachsens nicht vor, die seit Montag gilt.

Der Görlitzer Landrat mahnte am Montag vor Journalisten, die Corona-Auflagen nicht zu überziehen, sonst würden die Menschen sie aus Protest ignorieren. Seiner Wahrnehmung zufolge würden die Einwohner des Landkreises Görlitz mittlerweile sehr sorgsam mit den Einschränkungen umgehen. Deswegen sei es wichtig, dass sie auch immer wieder eine Bestätigung durch Lockerungen erhalten, dass "die Politik dieses Verhalten auch zu schätzen weiß".

Keine Sicherheit vor dem Sommer

Von der ultimativen Ansage des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, über Ostern blieben Gaststätten und Hotels geschlossen und auch Theater- oder Kulturveranstaltungen könne es frühestens nach Ostern geben, hält Lange nichts. "Das sollte man sich kurzfristig anschauen und dann auch reagieren", erklärte der Görlitzer Landrat. "Die Menschen brauchen auch Erfolge ihrer Bemühungen."

Eine Sicherheit in der Corona-Pandemie gibt es nach Ansicht von Lange nicht vor Mitte des Sommers - wenn ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist. Allerdings hält er den Verlauf der Impfkampagne wie so viele für katastrophal. Da der Bund den Impfstoff nur nach Einwohnerzahl verteilt, dabei aber nicht das Alter der Bevölkerung berücksichtigt, werden Kreise und Bundesländer mit einem hohen Durchschnittsalter der Einwohner benachteiligt.

Zwar hatte sich Sachsens Sozialministerin Petra Köpping jüngst in einer Debatte im Sächsischen Landtag hinter die Forderung von Lange gestellt, mehr Impfstoffe dorthin zu geben, wo besonders viele Senioren leben. Doch eine Änderung der Vorgaben seitens der Ständigen Impfkommission gab es in diesem Punkt bislang noch nicht. Wenn das aber nicht geschähe, so Lange, dann würden im Landkreis Görlitz viel später Jüngere geimpft als beispielsweise in Berlin oder Hamburg.

Mitte März rechnet der Kreis damit, dass alle Altenheime durchgeimpft sind. Doch dort leben nur knapp 4.000 der 25.000 über 80-Jährigen im Landkreis Görlitz, die zu der ersten Gruppe gehören, die geimpft werden sollen.

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Nach Angaben des DRK könnte sich aber die Durchimpfung der Bevölkerung in Sachsen jetzt beschleunigen. Seit Montag stehen Impfdosen des britisch-schwedischen Unternehmens Astra-Zeneca zur Verfügung, sodass es allein in dieser Woche knapp 18.000 freie Impftermine sachsenweit gab. Doch dürften sie auch im Verlauf des Montags bereits vergeben worden sein.

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