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Bleiben Sachsens Impfzentren doch länger offen?

Bis auf drei Einrichtungen in Dresden, Leipzig und Chemnitz sollen Ende Juni alle Impfzentren schließen. Doch das ist umstritten - bei Medizinern und Politik.

Das Impfzentrum in Dresden soll nach jetziger Planung noch über den 30. Juni hinaus offen bleiben. Die Schließung von kleineren Zentren ist in Sachsen umstritten.
Das Impfzentrum in Dresden soll nach jetziger Planung noch über den 30. Juni hinaus offen bleiben. Die Schließung von kleineren Zentren ist in Sachsen umstritten. © Robert Michael/dpa

Dresden. Die Entscheidung hat viele überrascht. Am Dienstag verkündete Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) das Ende der Impfzentren für Ende Juni. Dass das zentral organisierte Impfen irgendwann nach und nach in der Fläche an niedergelassene Ärzte übergehen soll, war klar. Das abrupte Ende und die Schließung aller festen und temporären Zentren bis auf die drei in Dresden, Leipzig und Chemnitz inklusive der Beibehaltung 30 mobiler Teams sorgte aber für Wirbel.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das in Sachsen seit Dezember die Organisation der Impfzentren stemmt, fühlte sich kalt erwischt. Ziemlich deutlich das öffentliche Statement. Die Impfzentren zu schließen, sei zu früh, heißt es in einer Mitteilung am Dienstag. Und weiter: "Das ist unsere Auffassung. Und zwar nicht, weil wir Impfzentren als neues Betätigungsfeld entdeckt haben, sondern weil wir den Frust der Menschen bei der Suche nach einem Impftermin Tag für Tag erlebt haben und weiter erleben."

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Erik Bodendieck, Präsident der Landesärztekammer und selbst Hausarzt, sieht das ähnlich. Im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie, erklärt er, dass zwar durch die niedergelassenen Ärzte das Impftempo massiv erhöht werden könne, aber: "Die Deadline 30. Juni halte ich nur für sinnvoll, wenn sich die Staatsregierung bis dahin um genügend Impfstoff bemüht." (Anm. d. Red.: Der Podcast erscheint im Laufe des Freitags.)

Parteien mit breiter Zustimmung für längeres Offenhalten

Soweit die Positionen aus medizinischer Sicht. Doch auch auf politischer Ebene ist das Eindampfen der Impfzentren umstritten. Mehrere Landtagsfraktionen hätten in der gemeinsamen und nicht öffentlichen Sitzung des Sozial-, des Bildungs- und des Justizausschusses am Donnerstagnachmittag ein Umdenken gefordert, berichtet die "Freie Presse".

AfD und Linke sollen laut dem Pressebericht für ein längeres Offenhalten werben. SPD und Grüne sollen sich weniger deutlich, aber dennoch einer längeren Öffnung zustimmend geäußert haben. Und die CDU-Fraktion hat einen Vorschlag ausgearbeitet, der eine Schließung der Impfzentren erst Mitte August vorsieht.

SPD verwundert über CDU-Vorschlag

"Ich muss mich schon stark wundern, wenn die sächsische CDU jetzt fordert, die Impfzentren offen zu halten. Schließlich waren es die Unionsvertreter auf Regierungsseite, die schon vor Wochen genau das verhindert haben", schreibt Sachsens SPD-Generalsekretär Henning Homann in einer Pressemitteilung am Freitag.

Homann zufolge hätte die CDU mit Verweis auf die Kosten für die Impfzentren die weitere Offenhaltung verhindern wollen. "Noch am Dienstag ist selbst der Minimalkompromiss mit zwei weiteren Impfzentren im ländlichen Raum im Kabinett an CDU und auch den Grünen gescheitert", so Homann weiter, der ein Revidieren der Entscheidung von Dienstag durch die Meinungsänderung auf CDU-Seite schnell für möglich hält. Dies würde Planungssicherheit für DRK und die Menschen in Sachsen schaffen.

Die Grünen verweisen am Freitag in einer ersten Reaktion darauf, dass ein Ende der Impfzentren zwar von vornherein für Juni geplant gewesen sei, den Ausschlag für die jetzige Entscheidung aber die aktuelle Beurteilung des Sozialministeriums gegeben habe. Und das wiederum ist bekanntlich SPD-geführt. Die drei sächsischen Regierungsparteien schieben sich bei der Frage nach dem Offenhalten oder Schließen der Impfzentren gegenseitig die Verantwortlichkeiten für ein mögliches Scheitern zu.

Sozialministerin offenbar selbst mit Schließung unzufrieden

Die Debatte um die Schließung der Impfzentren ist in vollem Gang. Ob sich die schwarz-rot-grüne Landesregierung noch einmal mit dem Thema intensiv befassen wird, ist allerdings noch nicht klar. Immerhin äußerte sich Petra Köpping in der "Freien Presse", wie es dort heißt, "vieldeutig".

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Köpping sagte dem Blatt, dass der von Mitgliedern des Sozialausschusses geäußerte Wunsch, auch nach dem 30. Juni die Impfung in möglichst vielen Impfzentren anzubieten, eine von ihrem Ministerium vorgeschlagene Variante gewesen sei. Zufriedenheit mit der nun getroffen Entscheidung zur deutlichen Reduzierung der vom DRK geschaffenen Impfstruktur klingt zumindest anders.

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