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Corona: Internet-Falle für Impftermine

Ein Rosenhainer Rentner will sich online für einen Impftermin in Löbau registrieren - und landet auf einer verwirrenden Seite.

Eckhard Kindler zeigt die Internet-Seite, die ihn beim Versuch verwirrte, sich für eine Impfung anzumelden.
Eckhard Kindler zeigt die Internet-Seite, die ihn beim Versuch verwirrte, sich für eine Impfung anzumelden. © Markus van Appeldorn

Einen Termin für eine Corona-Schutzimpfung zu bekommen, ist auch für ab 80-Jährige immer noch Glücksache. Denn trotz sich verbessernden Nachschubs ist besonders der für Senioren vorgesehene Impfstoff von Pfizer/Biontech immer noch Mangelware. Der 82-jährige Rentner Eckhard Kindler aus Rosenhain hatte bisher nicht nur kein Glück - bei ihm kam nämlich auch noch Pech dazu. Bei dem Versuch, sich per Internet für einen Impftermin anzumelden, geriet er auf eine Internet-Seite, deren Adresse der des wahren Impfportals des Freistaats zum Verwechseln ähnlich ist - und den Rentner komplett verwirrte.

Eckhard Kindler nimmt die Gefahr des Corona-Virus ernst - und er weiß, dass eine Impfung den Weg zurück in ein gewohntes Sozialleben ist. "Mein Sohn hat mir dringend geraten, mich impfen zu lassen, weil er mir bei einem Besuch ja nicht die Krankheit ins Haus tragen will", erzählt der Rentner. Sein Sohn lebt in Hessen, der nächste Familienbesuch ist anlässlich seines 83. Geburtstages im März vorgesehen.

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"Gewählt bis mir die Finger weh taten"

Schon vor Wochen machte sich Kindler daher daran, sich in einen Termin im Impfzentrum Löbau zu reservieren. Er besitzt einen Laptop mit Internet-Zugang, vertraute aber lieber erst mal der Telefon-Hotline (0800-0899089). "Ich habe angefangen zu telefonieren. Dann fängt das Band an, einen vollzuquatschen", erzählt er und: "Das habe ich dann so lange gemacht, bis mir die Finger vom Wählen weh taten."

Irgendwann habe er unter dieser Nummer dann tatsächlich jemanden erreicht. "Man hat mir dann dort eine Impfregistriernummer mitgeteilt", schildert Kindler - das aber sei noch lange kein Impftermin. "Ich muss jetzt laufend diese Nummer anrufen, und erfragen, ob man mir unter meiner Registriernummer einen Impftermin zuteilt", sagt er - bis heute ist das nicht der Fall.

Der tückische Fehler bei der Adress-Eingabe

Das Löbauer Impfzentrum selbst rät zur Online-Registrierung über die Termin-Plattform von Freistaat und Rotem Kreuz. Die sei sehr einfach zu bedienen - ältere Menschen sollten sich aber idealerweise von Angehörigen helfen lassen. Ja, das habe er schließlich auch versucht, sagt Eckhard Kindler. "Ich habe am Radio die Internetadresse ,sachsen.impfterminvergabe.de' mitgeschrieben", erzählt er, "aber damit bin ich nicht zurecht gekommen".

Beim Besuch des SZ-Reporters zeigt sich: Bei der Eingabe jener Adresse in seinen Laptop kam es zu einem tückischen Fehler, für den weder Kindler, noch das Internet-Impfportal etwas können. Jedenfalls führte die von dem Rentner eingegebene Adresse auf eine Seite, die nur dem Namen nach etwas mit der Vergabe von Impfterminen zu tun hat - und das auch nur scheinbar. Kindler passierte bei der Eingabe in die Browser-Zeile seines Rechners ein Rechtschreibfehler. Statt "www.sachsen.impfterminvergabe.de" gab er "www.sachsen.imfterminvergabe.de" ein - also ohne das "p" - und landete auf einer nahezu leeren Seite. Die enthält einen Hinweis, dass die Domain noch zu vergeben sei und einige Funktionen, die für Kindler völlig nutzlos waren. Das Problem: Diese Adresse sieht der wahren Adresse des Impfportals zum Verwechseln ähnlich. Die lautet: http://sachsen.impfterminvergabe.de.

Korrekturhinweis 1. März 12.30 Uhr: In einer ersten Version dieses Artikels hieß es, der Rentner habe die Internetadresse ohne den Rechtschreibfehler eingegeben und sei auf jene Seite gelangt. Erst später fiel auf, dass jene Internetseite mit einem Rechtschreibfehler behaftet ist. Die folgende Anfrage an das DRK bezog sich auch auf die Eingabe ohne Rechtschreibfehler. Korrekt ist aber: Die Eingabe auch der fehlerhaften Adresse führt auf Rechnern der SZ ins Leere.

Diese Seite hat nur dem Namen nach scheinbar mit Impfungen zu tun - ihre Adresse ist der des wahren Impfportals zum Verwechseln ähnlich.
Diese Seite hat nur dem Namen nach scheinbar mit Impfungen zu tun - ihre Adresse ist der des wahren Impfportals zum Verwechseln ähnlich. © Markus van Appeldorn
So sieht das wahre Impfportal von Freistaat und DRK aus.
So sieht das wahre Impfportal von Freistaat und DRK aus. © undefined

Wie das Rote Kreuz reagieren will

SZ hat beim für die Impftermin-Vergabe zuständigen Deutschen Roten Kreuz (DRK) angefragt, ob dieses Problem bekannt sei - und wie viele Menschen möglicherweise noch auf diese falsche Internet-Seite gelangt seien. Das Problem ist dem DRK völlig neu. Und man könne im Eigenversuch auch nicht nachvollziehen, was Eckhard Kindler passiert ist. "Bei Eingabe dieser www-Adresse wurde von keinem unserer Rechner diese Seite aufgerufen", informiert Dr. Kai Kranich, Pressesprecher des DRK-Landesverbandes Sachsen. Und die Verwendung des Seitennamens ohne das "www" würde immer auf das Impfportal führen. Tatsächlich konnte die SZ-Redaktion bei sämtlichen Versuchen auf eigenen Rechnern das Gleiche feststellen wie von Kranich geschildert.

Der DRK-Pressesprecher hat dafür zwei mögliche Erklärungen: "Möglicherweise wurde der Rechner des Rentners mit einem Virus verseucht oder er benutzt einen veralteten Browser." Beides Dinge, auf die das DRK keinen Einfluss habe. Dennoch erwägt man eine schnelle und einfache Lösung: "Wir wollen nun wenn möglich diese Domain mieten und mit einer automatischen Weiterleitung auf die richtige Portal-Seite versehen", sagt Dr. Kai Kranich.

Und was Eckhard Kindler betrifft: Der SZ-Reporter hat ihm bei seinem Besuch auf die richtige Seite geholfen und er hat sich umgehend dort für eine Impfung registriert.

Senioren noch längst nicht durchgeimpft

Ungewiss ist freilich, ob der Rentner deswegen auch bis zu dem vorgesehenen Familienbesuch zu seinem Geburtstag auch einen Impftermin bekommen wird - denn noch längst sind nicht alle Menschen im Alter ab 80 Jahren im Landkreis geimpft. Nach Angaben des Landratsamtes leben im Kreis gut 25.000 Menschen dieser Altersgruppe. Mit Stand 22. Februar seien davon die 3.700 Personen, die in Heimen leben, geimpft. Über Senioren, die im eigenen Haushalt leben, könne man keine Angaben machen.

Das indes kann das DRK Löbau, das das Impfzentrum des Kreises in der Löbauer Messehalle betreut. "Es wird immer besser mit dem Impfstoff", sagt die Löbauer DRK-Geschäftsführerin Silke Seliger, "es werden jeden Tag Impftermine über das Portal freigeschaltet, die auch immer ruck zuck vergeben sind." So habe man allein am Wochenende 20./21. Februar 1.500 Impfungen verabreicht, davon 1.105 Erstimpfungen und 267 Zweitimpfungen - der Rest verteilt sich auf mobile Impfteams. Insgesamt seien im Zentrum und von den mobilen Teams seit dem 28. Dezember rund 13.000 Impfdosen verabreicht worden, davon rund 8.600 als Erstimpfung, der Rest bereits als Zweitimpfung. In diesen Zahlen sind allerdings nicht nur Empfänger im Alter ab 80 Jahren enthalten, sondern auch andere Personen aus der ersten Prioritätsgruppe - etwa Pflegepersonal. Mittlerweile würden im Zentrum alle drei in Deutschland zugelassenen Seren verimpft.

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