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Versicherer werben für Police gegen Impfschäden

Verbraucherschützer warnen vor voreiligen Abschlüssen von Versicherungen, die Folgen von möglichen Impfschäden absichern.

Impfschäden sind äußerst selten, daher ist es nicht empfehlenswert, nur für den speziellen Fall eine Versicherung abzuschließen.
Impfschäden sind äußerst selten, daher ist es nicht empfehlenswert, nur für den speziellen Fall eine Versicherung abzuschließen. © Thomas Frey/dpa

Seit dem Start der Corona-Impfungen beschäftigt viele Menschen die Frage, ob gesundheitliche Risiken damit einhergehen. Private Versicherungsunternehmen werben in diesem Zusammenhang nun vermehrt für ihre Unfallversicherungen. Diese sollen gegen die Folgen von möglichen Impfschäden absichern.

Sind Versicherungen gegen Impfschäden zu empfehlen?

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Verbraucherschützer warnen vor voreiligen Abschlüssen. „Hier spielen Versicherungen mit den Ängsten der Menschen“, sagt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW. Die Unfallversicherung sei nur in der Pflicht, wenn der Zusammenhang zwischen der Impfung und einer danach auftretenden Invalidität nachgewiesen werde. Da es äußerst selten zu schwerwiegenden gesundheitlichen Komplikationen infolge einer Impfung kommt und diese zudem nur schwer nachweisbar ist, ist es nicht empfehlenswert, nur für den speziellen Fall eine Versicherung abzuschließen.

Ich habe bereits eine Unfallversicherung. Würde die zahlen?

Wer eine private Unfallversicherung hat, sollte genau in seinen Vertrag schauen. Viele Tarife beinhalten bereits einen solchen Schutz, beschränken ihn aber auf ganz bestimmte Impfungen. Diese sind dann in den Vertragsbedingungen aufgeführt. Wichtig ist, dass die Unfallversicherung nur dann greift, wenn infolge einer Impfung dauerhafte gesundheitliche Schäden nachgewiesen werden. Wie viel die Versicherung zahlt, hängt dann vom sogenannten Invaliditätsgrad ab. Es geht also nicht um die Absicherung gegen geläufige Impfreaktionen wie Rötungen, Fieber oder Schmerzen an der Einstichstelle.

Sind nicht auch andere Versicherungen bei Impfschäden in der Pflicht?

Ja. Die Krankenversicherung, egal, ob privat oder gesetzlich, kommt für die Behandlungskosten auf. Wenn Versicherte infolge eines Impfschadens nicht mehr arbeiten können, zahlt die Deutsche Rentenversicherung eine Erwerbsminderungsrente. Auch die private Berufsunfähigkeitsversicherung greift in einem solchen Fall. Im Todesfall ist die Lebensversicherung in der Pflicht. Hinzu kommt: Da es sich bei der Corona-Impfung um eine empfohlene Impfung zum Schutz der Allgemeinheit handelt, können Geschädigte Ansprüche gegen die Bundesrepublik nach dem Bundesversorgungsgesetz haben. Auch behandelnde Ärzte und Pharmaunternehmen müssen dann unter Umständen haften.

Welche Versicherung empfehlen Sie, um im Notfall gut abgesichert zu sein?

Ratsam sind Versicherungen, die möglichst viele Eventualitäten abdecken. Dazu gehört zum Beispiel die private Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie sichert gegen den Verlust des Einkommens ab, unabhängig davon, ob die Berufsunfähigkeit aufgrund einer schwerwiegenden Erkrankung, eines Unfalls oder eben eines seltenen Impfschadens entsteht. Wer zum Beispiel von seinem Erwerbseinkommen abhängig ist und sich umfassend gegen existenzbedrohende Risiken absichern möchte, ist gut beraten, eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu prüfen. Unfallversicherungen decken Schäden durch Erkrankungen nicht ab und zahlen oftmals nur einen einmaligen Kapitalbetrag anstelle einer Rente.

Wann spricht man überhaupt von einem Impfschaden?

Ein Impfschaden ist laut Robert-Koch-Institut (RKI) die gesundheitliche und wirtschaftliche Folge einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung durch eine Schutzimpfung. Das heißt, es muss sich um eine bleibende Schädigung handeln. Ein Impfschaden liegt dem RKI zufolge auch vor, wenn mit vermehrungsfähigen Erregern geimpft wurde und eine andere als die geimpfte Person geschädigt wurde.

Wie viele Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen sind durch die Corona-Impfungen bislang aufgetreten?

Das Paul-Ehrlich-Institut meldete bis zum 31. Januar 2.846 Verdachtsfälle auf Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen im zeitlichen Zusammenhang mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna. Das entspricht 1,15 Meldungen pro 1.000 Impfdosen. Schwerwiegende Komplikationen traten 0,14-mal pro 1.000 Impfungen auf. Bei mehr als 50 Prozent waren die unerwünschten Reaktionen zum Zeitpunkt der Meldung bereits wieder abgeklungen oder hatten sich gebessert, heißt es. In insgesamt 349 Fällen seien schwerwiegende Reaktionen gemeldet worden, die als medizinisch bedeutsam eingeordnet wurden. Laut Robert-Koch-Institut sind bis zum 31. Januar knapp 2,5 Millionen Impfungen in Deutschland durchgeführt worden.

Wie häufig waren Impfschäden bislang in Sachsen?

Sie sind sehr selten, informiert das sächsische Sozialministerium. 2019 habe es sieben Anträge auf Einstufung als Impfschadensfall gegeben, drei wurden anerkannt. Im Jahr 2018 waren es zwei von zwölf, 2017 zwei von neun, 2016 zwei von 15.

Die meisten anerkannten Impfkomplikationen wurden laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in der Vergangenheit durch Impfungen verursacht, die heute nicht mehr empfohlen werden. Dazu zählen die Impfungen gegen Pocken und Tuberkulose. Auch die Impfung gegen Kinderlähmung wurde früher mit einem Lebendimpfstoff durchgeführt, der vereinzelt bei Kontaktpersonen zu Erkrankungen führte. Heute geschieht dies nicht mehr, weil ein Totimpfstoff verwendet wird.

Welcher Art waren die Impfschäden, die in Sachsen entschädigt wurden?

Nach Information des Kommunalen Sozialverbandes Sachsen wurde zum Beispiel für Impfschäden nach der Schweinegrippeimpfung gezahlt. In einigen Fällen trat dort eine Narkolepsie auf, die sich verschlimmerte. Unter Narkolepsie wird umgangssprachlich eine Schlafsucht verstanden – eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Nach der Grippeschutzimpfung trat ferner sehr vereinzelt das Guillain-Barré-Syndrom auf, so der Kommunalverband. Bei dieser Krankheit kommt es innerhalb von Tagen zu einer aufsteigenden Lähmung. Sie schließt häufig auch die Atemmuskulatur und Hirnnerven ein.

Für ganz Deutschland registriert das Paul-Ehrlich-Institut die gemeldeten Impfkomplikationen und Impfschäden. Im Jahr 2018 habe es 3.570 Verdachtsmeldungen über Impfkomplikationen gegeben, heißt es. 82 davon hätten zu bleibenden Schäden geführt. Die Meldungen reichten vom plötzlichen Kindstod oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Blutungen oder Epilepsie. Allerdings habe es hier häufig keinen ursächlichen, sondern nur einen zeitlichen Zusammenhang zur erfolgten Impfung gegeben.

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