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Politik

Impfstart in Arztpraxen wackelt

Das Tempo der Corona-Impfungen soll durch Einbeziehung der Arztpraxen bald stark anziehen - doch ganz so schnell wie gedacht, geht es wohl nicht.

Erste Arztpraxen in Brandenburg haben mit Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. In Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) öffnete eine von vorerst vier Praxen im Land als Modellprojekt für die Schutzimpfungen.
Erste Arztpraxen in Brandenburg haben mit Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. In Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) öffnete eine von vorerst vier Praxen im Land als Modellprojekt für die Schutzimpfungen. © Hannibal Hanschke/reuters/Pool/dpa

Berlin. Der Start der Corona-Massenimpfungen in Deutschlands Arztpraxen kann sich bis Mitte April verzögern. Das Ziel sei es, frühestmöglich, jedoch spätestens in der Woche vom 19. April damit zu beginnen. Das beschlossen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Mittwoch nach dreistündigen Video-Beratungen als Empfehlung an die Regierungschefs von Bund und Ländern. Einzelne Länder können demnach auch ein "Opt-out" erklären und im April noch nicht routinemäßig in den Arztpraxen impfen. Zudem soll eine neue Impfverordnung mehr Tempo in die Impf-Kampagne bringen. Der bisher Jüngeren vorbehaltene Impfstoff des Herstellers Astrazeneca kann künftig allen gespritzt werden. An den Grenzen zu Corona-Hotspots im Ausland können abweichend von der Impfreihenfolge alle Menschen geimpft werden.

Der Impfstart in den Hausarztpraxen war am Montag zunächst noch für Anfang April vorgesehen gewesen. Nach dreistündigen Beratungen einigten sich die Minister nun auf die 16. Kalenderwoche oder früher - "sollten es die noch zu konkretisierenden Liefermengen der Hersteller für April zulassen". Regierungssprecher Steffen Seibert hatte mitgeteilt, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder zeitnah über die Empfehlungen der Gesundheitsministerkonferenz entscheiden wollen.

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Impfstrategie steht künftig auf zwei Säulen

Die Anlieferungsstandorte der Länder sollen demnach im April wöchentlich mit kontinuierlich 2,25 Millionen Dosen beliefert werden. Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sollen im April vor allem "immobile Patientinnen und Patienten in der eigenen Häuslichkeit" sowie Personen mit Vorerkrankungen impfen. Die Länder sollen dem Bund mitteilen, wie die Aufteilung ihres Anteils auf die Hersteller vorgenommen werden soll. Die Impfzentren sollen bis mindestens Ende September weiter vom Bund finanziert werden.

Der Vorsitzende der Länder-Gesundheitsmister, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern, sagte, künftig stehe die Impfstrategie auf zwei Säulen. "Wir binden ab April die Hausärzte ein, und wir halten an der bewährten Struktur der Impfzentren fest, die die Bundesländer in den vergangenen Monaten aufgebaut haben." In der Anfangsphase im April werde noch nicht genügend Impfstoff zur Verfügung stehen, damit Ärzte im ganzen Land voll durchstarten könnten. "Aber wenn die Lieferungen so kommen, wie der Bund sie uns in Aussicht gestellt hat, dann können wir die Impfungen bei den Ärzten schnell hochfahren."

Durch die neue Impfverordnung soll zudem mehr Flexibilität beim Impfen möglich werden. Sie soll an diesem Donnerstag rückwirkend zu Montag in Kraft treten und lag der Deutschen Presse-Agentur vor. Um besonders Verwundbare zu schützen, werde an der Priorisierung festgehalten, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) der dpa in Berlin. "Aber gleichzeitig wollen wir pragmatisch schnelles Impfen möglich machen." Der Impfstoff von Astrazeneca ist nun ab 18 vorgesehen. Um möglichst viele Erstimpfungen zu ermöglichen, soll bei den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna zudem der Abstand zur Zweitimpfung von sechs Wochen ausgeschöpft werden - beim Mittel von Astrazeneca von zwölf Wochen.

Die bundesweit 12.000 Werksmediziner sollen nach den Praxen auch beim Impfen einsteigen. Wann ist noch nicht entschieden. Sie könnten "pro Monat etwa fünf Millionen Beschäftigte impfen", sagte die Vizepräsidentin des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte, Anette Wahl-Wachendorf, der Funke Mediengruppe (Mittwoch).

Kurzfristiger Nachschub an Biontech-Impfdosen

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer kritisierte das Ergebnis der Beratungen. "Herr Spahn zerstört mit seiner ergebnisschwachen Ankündigungs-Politik auch noch den letzten Rest an Vertrauen in die Politik der Bundesregierung. Dabei ist Impfen das zentrale Mittel in dieser Krise", erklärte er.

Nach dem schleppenden Impfstart werden steigende Impfstoffmengen erwartet - und auch ein kurzfristiger Nachschub: Die Hersteller Biontech und Pfizer wollen in den nächsten beiden Wochen vier Millionen Dosen zusätzlich an die Europäische Union liefern, wie EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen in Brüssel sagte. Man habe das Zusatzpaket ausgehandelt, damit EU-Staaten in Corona-Hotspots impfen und ansteckendere Virusvarianten bremsen könnten. Vom Zusatzkontingent könnte Deutschland nach dem internen EU-Verteilschlüssel 18,6 Prozent bekommen, also 740.000 Dosen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte nach der Mitteilung der EU an, dass die bayerischen Corona-Hotspots an der Grenze zu Tschechien kurzfristig noch einmal 100.000 zusätzliche Dosen Impfstoff bekommen sollten. Damit gebe es mit den schon versprochenen Sonderzuteilungen insgesamt 150.000 Dosen zusätzlich für die von der britischen Virusvariante besonders betroffenen Grenzregionen.

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