merken
PLUS Radeberg

Bekommt Radeberg ein Corona-Impfzentrum?

Die Pläne wurden bei einem Besuch von Sachsens Ministerpräsident in der Asklepios-Klinik bekannt. Es könnte am Krankenhaus entstehen.

Einmal zum Schnelltest bitte: Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) musste sich vor dem Besuch der Radeberger Asklepios ASB-Klinik testen lassen.
Einmal zum Schnelltest bitte: Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) musste sich vor dem Besuch der Radeberger Asklepios ASB-Klinik testen lassen. © Marion Doering

Radeberg. Wenn es nach Fachleuten der Asklepios ASB-Klinik Radeberg geht, sollte es in der Stadt ein Impfzentrum geben. „Wir stehen bereit, die Bevölkerung gegen das Coronavirus zu impfen. Wir haben die notwendigen logistischen Voraussetzungen und auch das Personal“, sagte der Asklepios-Regionalgeschäftsführer Patrick Hilbrenner bei einem Besuch von Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) in Radeberg.

Hilbrenner will die Impf-Zulassung für die Kliniken Radeberg und Sebnitz beantragen. „Ich kann mir vorstellen, dass wir vor dem Krankenhaus Zelte aufbauen und dort impfen, auch, um die Behandlung aller anderen Patienten nicht zu beeinträchtigen.“

Anzeige
Dynamische Verstärkung gesucht
Dynamische Verstärkung gesucht

Zur Verstärkung ihres Teams sucht die A4RES Gruppe Bautzen motivierte Immobilienkaufleute (m/w/d) für die Verwaltung ihrer Objekte.

Die Impfungen gehen zu schleppend voran, sagte auch Prof. Stefan Bornstein, Klinik-Direktor an der Uniklinik in Dresden und Leiter der Inneren Medizin in Radeberg. „Wir sollten schnellstmöglich alle Menschen über 50 Jahre impfen, dann werden die schweren Verläufe von Covid 19 zurückgehen und es werden weniger Menschen an der Krankheit sterben. Hier müssen wir schneller werden“, sagte er an den Ministerpräsidenten gerichtet. Die Einbeziehung von Krankenhäusern in die Impfkampagne würde das Tempo erhöhen, so der Mediziner.

Inzwischen wurde bekannt, dass das Landratsamt Bautzen laut Sprecherin Sabine Rötschke eher auf die niedergelassenen Ärzte setzt. „Grundsätzlich plädieren wir für den Einbezug der Hausärzte, um wesentliche Fortschritte zu erzielen.“ Bund und Länder hatten vor Kurzem beschlossen, dass dies ab April möglich sein soll. Eigene lokale Impfzentren will der Landkreis nicht einrichten. Allerdings verweist der Kreis beim Thema Impfen auf die Zuständigkeit des Freistaates Sachsen, der damit das Deutsche Rote Kreuz beauftragt hat.

Das betreibt bisher in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt ein zentrales Impfzentrum. Sabine Rötschke: „Gern unterstützen wir hier, auch in Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden. Allerdings gibt es nach mehreren Wochen der Diskussion immer noch kein abschließendes Konzept des Freistaates.“ Einige Regionen in Sachsen sind schon vorgeprescht. So verkündete der Landkreis Görlitz kürzlich, dass er 18 lokale Impfzentren plant.

Pfleger berichten von schwieriger Arbeit

Laut Michael Kretschmer ist die geringe Zahl der Impfdosen der Hemmschuh. „Wir impfen momentan rund 13.000 Menschen pro Tag in Sachsen. Ich rechne damit, dass wir im April die Zahl auf 60.000 bis 80.000 steigern können. Dann steht mehr Impfstoff zur Verfügung, und zusätzlich zu den Teams in Impfzentren beginnen Hausärzte zu impfen“, sagte er. Zu dem Vorschlag der Klinik-Leitung in Radeberg äußerte er sich zunächst nicht.

Zuvor hatten Pflegerinnen über ihre Arbeit in den vergangenen Wochen berichtet. „Mehrere Stunden unter Schutzkleidung mit Maske und Visier in der Intensivstation zu arbeiten war sehr anstrengend. Covid19-Patienten erfordern einen hohen Pflegeaufwand“, sagt Anke Rosenkranz, Teamleiterin auf der Intensivstation.

Außerdem sei die Klinik anfangs nicht immer gut ausgestattet gewesen. „Die Schleusen zwischen den Stationen beispielsweise waren zunächst eher provisorisch“, sagt sie. Auch wurde zwischenzeitlich das Personal knapp. „Bis zu 30 Prozent waren krankgeschrieben, meist wegen einer Covid19-Infektion. Ohne das Herunterfahren der normalen Operationen und einer Umverteilung des Personals wäre eine Betreuung der Patienten so nicht möglich gewesen“, sagt der Regionalgeschäftsführer.

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Besonders dramatisch sei die Lage in Sebnitz gewesen. „Zum Jahreswechsel mussten wir die Hohwaldklinik schließen. Die Mitarbeiter wurden im Sebnitzer Krankenhaus benötigt", sagt Hilbrenner. In den vergangenen Wochen habe sich auch die Kooperation zwischen der Uniklinik und dem Radeberger Krankenhaus bewährt. Seit 2015 arbeiten beide Häuser zusammen. Vier Ärzte würden zwischen der Uniklinik und Radeberg rotieren, Dresdner Professoren mehrmals pro Woche in der Asklepios-Klinik arbeiten.

Nach Angaben von Prof. Jürgen Weitz, Chefarzt der Chirurgie in Radeberg und Klinikdirektor in der Uniklinik, werden jedes Jahr rund 300 Patienten von Radeberg nach Dresden und umgekehrt überwiesen. „Die leichten Fälle werden in Radeberg behandelt, die komplizierteren in Dresden.“

Das Wichtigste zum Coronavirus in der Region:

Nach Angaben von Dr. Joseph Albin Nees, Chefarzt der Inneren Medizin in Radeberg, werden Covid-Patienten nach Möglichkeit nicht mehr in Radeberg behandelt. „Wir haben vereinbart, dass wir ihre Behandlung im Krankenhaus Sebnitz bündeln. Da können sie sehr gut betreut werden. Sie können dort räumlich besser von anderen Patienten getrennt werden.“ Nach seinen Angaben ist nach einem Rückgang der Zahlen bei den Corona-Patienten wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen. „Vermutlich hat das mit den Corona-Mutationen zu tun, die hier in Radeberg aufgetreten sind.

Durch die Behandlung der Covid-Patienten in Sebnitz herrsche in Radeberg wieder Normalbetrieb, alle OPs finden statt. „Wir ermuntern alle Patienten, wieder wie gewohnt zu uns zu kommen.“ Laut Klinikleitung müsse eine Lehre aus der Corona-Pandemie sein, die Krankenhauslandschaft nicht weiter auszudünnen. In den vergangenen Wochen habe sich gezeigt, wie wichtig die Versorgung vor Ort ist. Das sieht auch Michael Kretschmer so. „Aus meiner Sicht gibt es keinen Grund Krankenhäuser zu schließen“, sagte er. (mit SZ/hb)

Weiterführende Artikel

Radeberg: Hausärzte beginnen mit Corona-Impfung

Radeberg: Hausärzte beginnen mit Corona-Impfung

Drei Radeberger Hausärzte zählen zu sachsenweit 40 Medizinern, die in einem Pilotprojekt bereits jetzt impfen dürfen. Wer sich bei ihnen impfen lassen kann.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Mehr Nachrichten aus Radeberg und dem Rödertal lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radeberg